Eichen sollen entfernt werden Anliegerin nennt Artenschutzprüfung in Spelle eine Farce

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Mithilfe eines Hubsteigers wurden am Donnerstag letzter Woche zwei Eichen an der Wiesenstraße in Spelle aus naturschutzfachlicher Sicht in Augenschein genommen. Die Bäume werden voraussichtlich gefällt, um Platz für die Zufahrt zu einem Bungalowpark zu schaffen. Foto: Samtgemeinde SpelleMithilfe eines Hubsteigers wurden am Donnerstag letzter Woche zwei Eichen an der Wiesenstraße in Spelle aus naturschutzfachlicher Sicht in Augenschein genommen. Die Bäume werden voraussichtlich gefällt, um Platz für die Zufahrt zu einem Bungalowpark zu schaffen. Foto: Samtgemeinde Spelle

Spelle. Bei der Kontrolle von zwei Stieleichen an der Wiesenstraße in Spelle, die für die Zufahrt zu einem Bungalow-Park mit zehn Häusern für seniorengerechtes Wohnen entfernt werden sollen, ist nichts Artenschutzrelevantes gefunden worden.

Das hat der von Gemeinde Spelle beauftragte Gutachter, Landschaftsarchitekt Michael Krüger aus Lingen, auf Anfrage der Redaktion mitgeteilt. Derzeit arbeite er an dem Gutachten, um es anschließend der Kommune zur Verfügung zu stellen. Nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf hatte eine erste Begutachtung im Frühjahr dieses Jahres keine Besonderheiten in naturschutzfachlicher Hinsicht ergeben.Wann die Bäume gefällt werden, steht Hummeldorf zufolge noch nicht fest. Wenn das Gutachten vorliege, müsse Investor Heinz Diekamp die Fällung der Eichen beantragen. Dafür sei die Genehmigung des Landkreises notwendig.

Wie berichtet, wendet sich Petra Arens, die Anliegerin der Wiesenstraße ist, vehement gegen die geplante Fällung der beiden gesunden Bäume, die nach ihrer Einschätzung etwa 130 Jahre alt und wichtige Sauerstoffproduzenten sind. In einem Schreiben an Rat und Verwaltung der Gemeinde Spelle rief sie die Entscheidungsträger dazu auf, sich für den Erhalt der Bäume einzusetzen. Da alle vorkommenden Arten jahreszeitlich bedingt im Spätherbst nicht erfasst werden können, sei eine Artenschutzprüfung zum jetzigen Zeitpunkt nicht aussagekräftig und eine Farce. 


Bei der Kontrolle der beiden Stieleichen wurde nach Auskunft des Gutachters nichts Artenschutzrelevantes gefunden. Foto: Samtgemeinde Spelle


Nach ihrer Auffassung würde die Fällung der beiden Bäume, die locker 300 bis 400 Jahre alt werden könnten, eine große, nicht wieder gutzumachende Lücke in das sich im Gleichgewicht befindliche, aus einer Reihe von Eichen bestehende Biotop an der Wiesenstraße reißen und bedeute einen unnötigen Verlust an wertvollem innerörtlichen Lebensraum und Artenvielfalt.

Ihrer Darstellung zufolge befinden sich in diesem Bereich neben Fledermäusen zahlreiche Vogelarten und eine reichhaltige Insektenwelt. Regelmäßig als Brutvögel nachweisbar seien Haussperling, Buch- und Grünfink, Distelfink, Bluthänfling, Kohl-, Sumpf- und Blaumeise, der Kleiber, Gartenbaumläufer, Rotkehlchen, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Garten- und Hausrotschwanz, Grauschnäpper,  Trauerfliegenschnäpper, Amsel, Misteldrossel, Ringel-, Hohl- und Türkentaube. Zudem halten sich in dem Biotop nach ihren Worten Dompfaff, Elstern und Erlenzeisige als Nichtbrüter auf. Hinzu kämen Eichhörnchen, Igel, Maus- sowie Spitzmausarten. Sie beruft sich bei der Auflistung der Arten auf Beobachtungen ihres Ehemannes, der promovierter Diplom-Biologe ist.

Petra Arens geht in ihrem Schreiben auch auf das Thema Ersatzanpflanzungen ein, die nicht reibungslos vonstatten gingen. Als Beispiel nannte sie die Wällkenstraße in Spelle. In diesem Jahr hätten dort neun von 21 Bäume ausgetauscht werden müssen. 

Auch Klemens Grolle, Fraktionsvorsitzender des Unabhängigen Bürgerforums (UBS) im Samtgemeinderat Spelle, bekräftigte auf Anfrage der Redaktion seine Kritik an der geplanten Fällaktion, die dem Naturschutzgedanken eklatant zuwiderlaufe. "Durch den geplanten Eingriff wird das dort befindliche Biotop schwer in Mitleidenschaft gezogen, wenn nicht sogar zerstört", sagte Grolle. Nach  Vorliegen des Gutachtens werde sich das UBS dezidiert äußern, kündigte Grolle an.



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