Wohnen im Alter Streit um Erhalt von Eichen beim geplanten Bungalowpark in Spelle

Meine Nachrichten

Um das Thema Spelle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Für den Erhalt der Eichen an der Wiesenstraße in Spelle kämpfen Anwohnerin Petra Arens und der Fraktionsvorsitzende des Unabhängigen Bürgerforums im  Samtgemeinderat, Klemens Grolle. Foto: Ludger JungeblutFür den Erhalt der Eichen an der Wiesenstraße in Spelle kämpfen Anwohnerin Petra Arens und der Fraktionsvorsitzende des Unabhängigen Bürgerforums im Samtgemeinderat, Klemens Grolle. Foto: Ludger Jungeblut

Spelle. Müssen wegen der Zufahrt zum geplanten Bungalowpark an der Wiesenstraße in Spelle alte Eichen gefällt werden oder nicht? Darum ist ein Streit entbrannt.

Nach Angaben des Lingener Immobilienmaklers Heinz Diekamp von der Firma E.M.S. Haus & Wohnen GmbH sollen hier zehn Bungalows mit Grundstücksgrößen zwischen 366 und 536 Quadratmetern im Rahmen der kommunalen Initiative „Wohnen im Alter“ entstehen. Hinzu kommt ein bereits bestehendes Wohnhaus. Die Gesamtgröße des Bungalowparks beträgt 5773 Quadratmeter. Für eine Änderung des Bebauungsplanes gibt es Diekamp zufolge keine Veranlassung. Er geht davon aus, dass die ersten Häuser im nächsten Jahr fertiggestellt sind.

Offener Brief an die Gemeinde Spelle

In einem offenen Brief an die Gemeinde Spelle kritisierte Anwohnerin Petra Arens, dass laut Bebauungsplan einige der sieben, nach ihren Angaben 130 Jahre alte, mehr als 30 Meter hohe und kerngesunde Eichen für die Zufahrt gefällt werden sollen. Sie vermutet, dass mindestens zwei, wenn nicht sogar vier Bäume der Säge zum Opfer fallen werden. Die Bürgerin erinnerte an einen vom Lingener Ingenieurbüro Strothmann im Jahr 1993 erstellten Landschaftsplan für die Samtgemeinde, der die Eichenbestände als besonders ortsbildprägend und schützenswert ansehe.

Für die Zufahrt zum Bungalowpark sollen voraussichtlich diese beiden Eichen gefällt werden. Foto: Ludger Jungeblut

Bei einem Ortstermin meinten Arens und der Fraktionsvorsitzende des Unabhängigen Bürgerforums Spelle im Samtgemeinderat, Klemens Grolle, dass es möglich sein müsse, sämtliche Bäume zu erhalten, indem die Zufahrt verlegt werde. Grolle: „Es ist schändlich, dass die Entscheidungsträger der Verwaltung vor Investoren zum Nachteil der Natur einknicken und den im Bebauungsplan festgelegten Schutz der Bäume aufgeben.“

"Wertvolles Habitat"

Arens und Grolle forderten die Verwaltung auf, für den Erhalt aller Bäume Sorge zu tragen. Gleichzeitig appellierten sie an den guten Willen von Investor Diekamp, seine Planungen entsprechend zu ändern. Arens: „Dieses für die Allgemeinheit ungemein wertvolle und gewachsene Habitat muss nicht ohne Not unwiderruflich zerstört und kurzfristigen finanziellen Interessen geopfert werden. Ausgleichspflanzungen in Hinterposemuckel können den Verlust an Lebensraum, Mikroklima und Sauerstoffproduktion auf Jahrzehnte in keiner Weise ausgleichen.“

Nach Ansícht von Anliegerin Petra Arens und dem Kommunalpolitiker Klemens Grolle (UBS) ist zwischen diesen Bäumen genügend Platz, um die Zufahrt zum Bungalowpark dorthin zu verlegen, sodass keine Bäume gefällt werden müssten. Foto: Ludger Jungeblut


Unterstützung erhielt Arens von der Kreisgruppe des BUND. Dessen zweiter Vorsitzender Gerhard Schultz schlug in einem Schreiben an Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf vor, die Bebauungsgrenze zehn Meter von den sieben Bäumen entfernt festzulegen. Das gehe sogar ohne Verlust an Grundstücken. Im Übrigen gehe er davon aus, dass sich in den Eichen Fledermäuse aufhalten. 

Sorge um den Erhalt der restlichen Bäume

Petra Arens befürchtet, dass es nicht lange dauern wird, bis Investor Diekamp bei der Gemeinde auch das Fällen der restlichen Alteichen mit dem Argument beantrage, er könne die Baumgrundstücke an der Wiesenstraße nicht verkaufen. Die Senioren als Kaufinteressenten wollten keine Blätter fegen und sich an den Bäumen stören. Dann würde wieder mit vorgeschobenen "wirtschaftlichen Gründen" für das Fällen der restlichen Eichen argumentiert.

"Mutmaßung entbehrt jeglicher Grundlage"

Diekamp erklärte, dass diese Mutmaßung jeglicher Grundlage entbehre. Auch der Erste Samtgemeinderat Stefan Lohaus wies die Einschätzung von Arens nachdrücklich zurück: "Bedenken von Frau Arens bezüglich des Erhaltes der Bäume werden von uns nicht geteilt. Ganz im Gegenteil: Die Gespräche mit Herrn Diekamp wurden so geführt, dass das Grundstück der Eichen in das Eigentum der Gemeinde Spelle übergeht und nicht an die neuen Grundstückseigentümer veräußert wird, um so den Erhalt der Bäume zu sichern. " Vom Zuschnitt des Grundstückes ist es nach Darstellung von Lohaus schwierig, die Erschließungsstraße zu verschieben, da sie sich mittig im geplanten Bungalowpark befindet und sich durch eine Verschiebung der Straße deutliche Flächen- und vermutlich auch Grundstücksverluste ergeben würden. 

Mit viel Grün ist derzeit das rund 5000 Quadratmeter große Grundstück bewachseen, auf dem der Bungalowpark entstehen soll. Foto: Ludger Jungeblut

Mit Datum vom 5. September 2017 schrieb Hummeldorf an das Ehepaar Johann und Petra Arens: „Der Erhalt der Bäume ist durch den Bebauungsplan festgesetzt. Hierüber habe ich auch den Eigentümer des Grundstücks in Kenntnis gesetzt. Ich gehe daher davon aus, dass der Erhalt der Bäume bei künftigen Planungen für das Grundstück Berücksichtigung findet.“ Dass jetzt Bäume gefällt werden sollen, sei ein „Wortbruch“ des Samtgemeindebürgermeisters, meinten Johann und Petra Arens.

Vorwurf zurückgewiesen

Hummeldorf wies den Vorwurf entschieden zurück. Rechtsgrundlage sei der Bebauungsplan „Neue Wiesen II". Hierin seien die Bäume auf dem Grundstück Wiesenstraße 5 als zu erhaltende Bäume festgesetzt, schrieb er der Anliegerin. Inwieweit zu diesen Festsetzungen eine Befreiung möglich ist, entscheide der Landkreis Emsland. Nach den Bestimmungen des Baugesetzbuches könne der Landkreis als Baugenehmigungsbehörde grundsätzlich Ausnahmen und Befreiungen zu den Bestimmungen eines Bebauungsplanes erteilen. Nach Hummeldorfs Kenntnisstand sind maximal zwei Bäume von der im Konzept notwendigen Zufahrtssituation betroffen. Auf Veranlassung der Naturschutzbehörde sei inzwischen eine spezielle Artenschutzprüfung erfolgt. Hummeldorf: „Eine weitere wird folgen, wenn kein Laub mehr auf den Bäumen ist. Diese Ergebnisse bleiben abzuwarten.“

Samtgemeinde Spelle begrüßt das Projekt sehr 

Der Samtgemeindebürgermeister machte darauf aufmerksam, dass man sich in der Samtgemeinde Spelle im Rahmen eines Beteiligungs- und Kreativprozesses vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung schwerpunktmäßig mit dem Thema „Wohnen im Alter – Wohnen mit Zukunft“ auseinander gesetzt habe. „Ein Projekt hiervon ist der Bungalowpark an der Wiesenstraße. In zentraler Lage sollen barrierefreie eingeschossige Gebäude, verdichtet auf kleinen Grundstücken, errichtet werden.“ Aus Sicht der Samtgemeinde Spelle werde dieses Projekt sehr begrüßt, um insbesondere älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, zentrumsnah auf einem kleinen Hausgrundstück ihren Lebensabend zu verbringen. „Insofern müssen sicherlich alle öffentlichen Belange bei dieser Thematik sorgsam abgewogen werden“, unterstrich Hummeldorf.

Für das Projekt Bungalowpark wird das ältere leerstehende Haus nach Angaben von Investor Heinz Diekamp abgerissen. Das weiße Haus wird hingegen erhalten. Foto: Ludger Jungeblut

Investor Heinz Diekamp erklärte, dass das Bungalowkonzept mit der Gemeinde Spelle und dem Landkreis Emsland nach Maßgabe der Festsetzungen des bestehenden Bebauungsplanes entwickelt worden sei. „Eine Änderung des Konzepts ist nicht möglich“, betonte Diekamp. Nach seinen Worten sollen die Grundstücke ab Oktober 2018 an Bauwillige verkauft werden.

"Antwort auf neue Herausforderungen zum Thema Wohnen"

Das Projekt Bungalowpark sei eine Antwort auf neue Herausforderungen zum Thema Wohnen im Alter in der Samtgemeinde Spelle. Diekamp: „Im Vorfeld wurden zwei Fachplaner beauftragt, um unterschiedliche Erschließungskonzepte zu prüfen, auch im Hinblick für das Wohnen im Alter, da das Angebot zu gering ist und nicht die heutigen Wohnansprüche in Spelle abdeckt.“

"Heutige Seniorengeneration hat deutlich höhere Ansprüche"

Die Generation, die jetzt in Rente gehe, habe deutlich höhere Ansprüche als die Nachkriegsgeneration, da sie verschiedenste Länder und Kontinente bereist habe und den Servicegedanken aus der Hotellerie schätzen gelernt habe. „Die Älteren haben Hobbys, vielfältige Interessen und sind an einen gewissen Lebensstil gewöhnt, den sie jetzt im Alter nicht aufgeben wollen, nur weil sie nicht mehr so mobil sind und in manchen Situationen Unterstützung brauchen.“

"Starkes Sicherheitsbedürfnis"

Nach Diekamps Worten haben die heutigen neuen Rentner ein starkes Sicherheitsbedürfnis. Der Investor: „Diese Personengruppe will wissen, was auf sie zukommt und sie will versorgt sein, falls etwas passiert. Hierzu möchte das Bungalowkonzept an der Wiesenstraße eine Antwort geben.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN