Firma liegt im Außenbereich Malerbetrieb Kock darf am Stammsitz in Lünne nicht erweitern

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Die Unternehmer Peter Fromme (links) und Klaus Kock möchten gerne ihre Betriebe in Lünne erweitern. Foto: Ludger JungeblutDie Unternehmer Peter Fromme (links) und Klaus Kock möchten gerne ihre Betriebe in Lünne erweitern. Foto: Ludger Jungeblut

Lünne. Die mittelständischen Unternehmen Fromme und Kock in Lünne möchten erweitern. Diese Vorhaben drohen den Dorffrieden zu belasten, obwohl die Bürger den Firmen eine gedeihliche Entwicklung wünschen. Was ist die Ursache für den Konflikt?

In einem Gespräch mit der Redaktion begründeten Peter Fromme (37) und Klaus Kock (47) die Notwendigkeit, ihre Betriebe in Lünne erweitern zu können. Dabei legen sie Wert auf eine gute Nachbarschaft. Sie möchten auf keinen Fall, dass die „intakte Dorfgemeinschaft“ durch ihre Projekte in Mitleidenschaft gezogen wird. Falls sich die Vorhaben in einem neuen, circa zwei Hektar großen Gewerbegebiet „Östlich der B 70“ wegen des Widerstandes von Anliegern nicht umsetzen lassen, würden sie in andere Gemeinden ausweichen. Beide bezeichneten die Auftragslage als sehr gut.


Direkt an der B 70 zwischen Lünne und Varenrode befindet sich der Malerbetrrieb Kock. Foto: Ludger Jungeblut


Nach Angaben von Kock befindet sich der im Jahr 1908 von Urgroßvater Bernhard gegründete Malerbetrieb bereits seit 1913 am Standort an der Lingener Straße 27 im Außenbereich. Leider habe der Landkreis Emsland keine Erlaubnis gegeben, am Betriebssitz eine Pulverbeschichtungsanlage mit einem Investitionsvolumen zwischen 500.000 und 800.000 Euro zu bauen.

David Kock möchte zweites Standbein aufbauen

 „Mit dieser Investition möchte sich mein 29-jähriger Sohn David ein zweites Standbein aufbauen, um das Unternehmen langfristig in eine gute Zukunft zu führen“, betonte Kock. Die Lärmbelästigung durch die eingehauste Anlage stuft er als gering ein. Seinen Angaben zufolge beschäftigt der Betrieb derzeit 15 Mitarbeiter. Nach Fertigstellung der Anlage würden fünf bis acht Beschäftigte hinzukommen. Als Alternativstandorte kommen für ihn Grundstücke an der Umgehungsstraße in Spelle oder in Lingen-Bramsche infrage.

Fromme möchte Ausstellungshalle bauen

Peter Fromme, dessen Vater Helmut den Betrieb 1983 in Lünne gründete, würde gerne eine Ausstellungshalle bauen, um die Angebote im Bereich Bäder, Küchen und Heizungen an einer Stelle zu präsentieren. Das Geschäftshaus (ehemals alte Schule) in der Mühlenstraße 3 platzt nach seinen Worten aus allen Nähten. Im Jahr 1996 baute die Firma eine Lagerhalle im Gewerbegebiet. Derzeit sind laut Fromme zehn Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, hinzu kommen zehn weitere, die über Subunternehmen für die Lünner Firma arbeiten.


Das Unternehmen Fromme in Lünne hat derzeit seinen Standort in der Mühlenstraße 3. Foto: Ludger Jungeblut


 „Wir möchten gerne einen zentralen Standort an der B 70 aufbauen, wo wir alle Aktivitäten bündeln“, unterstrich der Unternehmer und fügte hinzu: „Falls es in Lünne nicht klappen sollte, fassen wir Standorte an der Bundesstraße in Salzbergen-Holsterfeld oder im angrenzenden Rheinenser Gewerbegebiet ins Auge. Dorthin würden wir dann auch den Firmensitz verlagern.“ Mit Ausnahme des Anliefer- und Kundenverkehrs sei eine Ausstellungshalle nicht mit Lärmbelästigungen verbunden, betonte Fromme.

Landkreis: Pulverbeschichtungsanlage am Betriebssitz unzulässig

Der Landkreis Emsland verwies auf Anfrage der Redaktion darauf, dass das 20.705 Quadratmeter große Grundstück des Malergeschäftes Kock in einem Bereich liegt, der planungsrechtlich gemäß Paragraf 35 des Baugesetzbuches als „Bauen im Außenbereich“ zu beurteilen ist. Sowohl mit dem Betrieb Kock als auch mit der Gemeinde Lünne sowie der Samtgemeinde Spelle seien in den vergangenen Jahren diverse Gespräche zu Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch zu deren Grenzen im Außenbereich geführt und auch verschriftlicht worden. Die Neuansiedlung einer Pulverbeschichtungsanlage sei an dem jetzigen Betriebsgrundstück an der Lingener Straße 27 in Lünne planungsrechtlich unzulässig, stellte der Landkreis fest.

Fachausschuss beschließt Abwägungsvorschläge

Unterdessen  hat der Umwelt- Planungs- und Bauausschuss der Gemeinde Lünne unter Vorsitz von Norbert Hüsing (CDU) bei einer Gegenstimme von Markus Rolink (Lünner Liste – Fraktion Gemeinde Lünne)  die Abwägungsvorschläge nach der Öffentlichkeitsbeteiligung und der frühzeitigen Beteiligung der Behörden beschlossen. 


Das geplante Gewerbegebiet "Östlich der B 70" in Lünne soll südlich der Jägerstraße auf einer Fläche von rund zwei Hektar entstehen. Foto: Ludger Jungeblut


Klaus-Jürgen Großpietsch vom Planungsbüro Sweco GmbH Lingen stellte Einzelheiten der Planung vor. Nach seinen Worten war es nicht möglich, in nördlicher Verlängerung des bestehenden Gewerbegebietes westlich der B 70 den Firmen geeignete Flächen anzubieten. Zur Begründung verwies er auf Geruchsbelästigungen, die von einem dortigen landwirtschaftlichen Betrieb ausgehen. "Wir haben in dieser Sache zahlreiche Gespräche geführt, die leider nicht zum Erfolg geführt haben", sagte der stellvertretende Verwaltungschef der Samtgemeinde Spelle, Stefan Lohaus.

Fünf Bürger bringen Einwendungen vor

Während der Öffentlichkeitsbeteiligung, die vom 4. bis 18. April stattfand, sind von fünf Bürgern der Gemeinde, von denen  sich einige durch eine Anwaltskanzlei vertreten lassen, Einwände gegen die Planung erhoben worden. Laut Gemeinde beziehen sich die Bedenken im Wesentlichen auf mögliche Konflikte aufgrund künftiger Gewerbelärmimmissionen. 

Landkreis Emsland äußert Bedenken

Der Landkreis Emsland erhob Bedenken aus raumordnerischer und städtebaulicher Sicht. Kritisch gesehen wird dabei vor allem, dass nördlich des bestehenden Gewerbegebietes bereits eine gewerbliche Baufläche im Flächennutzungsplan (F-Plan) dargestellt ist, die grundsätzlich Vorrang vor einer gewerblichen Entwicklung an anderer Stelle habe. Zudem wird eine mögliche weitere Zersiedelung der Gemeinde befürchtet. Inzwischen habe der Landkreis aber der Ausweisung des neuen Gewerbegebietes zugestimmt, erklärte Großpietsch. "Betriebe werden mit scharfen Auflagen belegt, was den Umweltschutz betrifft", sagte er.


In unmittelbarer Nähe zum geplanten Gewerbegebiet "Östlich der B 70" in Lünne befinden sich Anlieger. Foto: Ludger Jungeblut


Für Bürgermeisterin Magdalena Wilmes (CDU) ist es oberstes Gebot der Kommunalpolitik, Firmen in den Gemeinden Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen: "Wir sollten gucken, dass wir das gemeinsam hinkriegen." Nach ihren Worten beabsichtigt die Gemeinde, einen etwa 80 Meter langen Radweg an der Nordseite der Jägerstraße ab Einmündung B 70 zu bauen. Zudem solle ein Lärmschutzwall errichtet werden.

Lohaus: Keine Gefälligkeitsgutachten

Im Rahmen des weiteren Verfahrens müssen eine schalltechnische Untersuchung, ein Baugrundgutachten und ein Entwässerungskonzept erarbeitet werden. "Gefälligkeitsgutachten wird es nicht geben", sagte Lohaus und fügte hinzu: "Das Ganze ist gerichtlich überprüfbar." Das nördlich des bestehenden Gewerbegebietes im Flächennutzungsplan ausgewiesene Areal für Gewerbe solle künftig – mit Ausnahme einer kleineren Fläche – wieder der Landwirtschaft dienen.

Rolink: Interessen nicht gegeneinander ausspielen

Als begrüßenswert bezeichnete es Markus Rolink, dass unter anderem die Firma Kock ihren Betrieb weiter entwickeln möchte. "Es ist zum einen ein berechtigtes Anliegen der Firma Kock, als auch eine große Chance für die Gemeinde Lünne. Umso unverständlicher ist es für uns, dass die gewerbliche Entwicklung gegen das ebenso berechtigte Interesse der Anlieger ausgespielt wird." Vielmehr gelte es nach Alternativen zu suchen. Es sei unverständlich, dass eine Zersiedelung südlich der Jägerstraße städtebaulich akzeptiert werde, aber am bestehenden Standort der Firma Kock unmöglich sein solle. Auch gelte es, den F-Plan nördlich des bestehenden Gewerbegebietes zu realisieren. Die vorhandenen Immissionen könnten gesenkt werden und die Fläche sei städtebaulich wie auch raumplanerisch die bessere, meinte Rolink. Hinzu komme, dass die Fläche schon genehmigt sei.


Ihre ablehnende Haltung zum geplanten Gewerbegebiet "Östlich der B 70" machten Anlieger in der Bürgerfragestunde im Anschluss an die Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses der Gemeinde Lünne deutlich. Zu den Kritikern gehört auch Bernd Silder (stehend), dessen Grundstück unmittelbar an die geplanten Gewerbeflächen grenzt. Foto: Ludger Jungeblut


Bernd Silder, dessen Grundstück unmittelbar an das vorgesehene Gewerbegebiet grenzt, zeigte sich in der Bürgerfragestunde empört über die Planungen. "Wir wollen hier in Ruhe leben, deshalb behalten wir uns natürlich rechtliche Schritte vor", sagte er im Namen der betroffenen Anlieger. Der Lünner Kommunalpolitiker Hermann Wilmes (CDU) rief abschließend zu Besonnenheit und Kompromissbereitschaft auf: "Wir sollten die Kirche im Dorf lassen."


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