Schapener in Hildesheim geweiht Heiner Wilmer: Auch ein Bischof ist nur ein Mensch

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Nach der Bischofsweihe: Pater Heiner Wilmer beim Gang über den Hildesheimer Domplatz bis zum bischöflichen Palais. Foto: Johannes FrankeNach der Bischofsweihe: Pater Heiner Wilmer beim Gang über den Hildesheimer Domplatz bis zum bischöflichen Palais. Foto: Johannes Franke

Hildesheim. Das Bistum Hildesheim hat einen neuen Bischof: Der gebürtige Schapener Pater Heiner Wilmer ist am Samstag im Mariendom geweiht worden. Etwa 3.000 Menschen, darunter auch viele Bürger aus dem Emsland, verfolgten die feierliche Zeremonie im Dom und auf dem Domhof.

 Als gegen 11. 30 Uhr die "Canta Bona", die größte Glocke des Mariendoms, läutete, markierte sie einen der Höhepunkte des fast vierstündigen, feierlichen Gottesdienstes: den Vollzug der Weihe von Pater Heiner Wilmer zum 71. Bischof des Bistums Hildesheim. Zuvor hatte Stille dominiert, als der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und alle teilnehmenden katholischen Bischöfe nacheinander schweigend die Hände auf den Kopf von Wilmer legten.

Mehrmals hatte dieser während der Weihehandlung, geleitet vom Erzbischof Stefan Heße aus Hamburg, geantwortet: "Ich bin bereit", und seinen Willen bekräftigt, den Dienst des Bischofs zu übernehmen. Damit wurde er in die Gemeinschaft der Bischöfe aufgenommen. Der aus Altersgründen zurückgetretene Hildesheimer Bischof Norbert Trelle nahm ebenfalls an der Zeremonie teil, außerdem zwei Herz-Jesu-Priester, um die Verbundenheit von Pater Heiner Wilmer mit der Ordensgemeinschaft zum Ausdruck zu bringen. Die Weihe vollzieht sich durch das schlichte Zeichen der Handauflegung und das anschließende Weihegebet. Alle Zelebranten legen die Hand auf. Hier Weihbischof Johannes Wübbe. Foto: Johannes Franke Foto: Johannes Franke

Nuntius Nikola Eterovic, der Botschafter des Papstes in Deutschland, hatte zuvor das Wort an die Gemeinde gerichtet und Pater Wilmer das päpstliche Ernennungsschreiben übergeben. Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger bat Erzbischof Stefan Heße, Pater Wilmer zum 71.Bischof von Hildesheim zu weihen. "Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade", sang die Gemeinde. Sie drückte im Gloria ihre Zustimmung und Freude über die Erwählung von Wilmer zum neuen Bischof aus. 

Ausgestreckt auf dem Boden des Mariendoms

Ein weiterer Höhepunkt der feierlichen Zeremonie: Der Schapener liegt ausgestreckt auf dem Boden des Mariendoms - mit dem Gesicht nach unten. Das Ritual symbolisiert ein Zeichen der Hingabe und Demut gegenüber Gott. Wenig später ist es offiziell: Bischof Wilmer darf auf dem Bischofsstuhl, der sogenannten Kathedra, Platz nehmen und erhält die Insignien, darunter den Bischofsstab, Mitra und Bischofsring. Die 800 Gottesdienstbesucher im Dom und über 2000 draußen applaudieren dem neuen Hildesheimer Bischof. Unter ihnen Familienmitglieder, Freunde, Wegbegleiter aus Schapen, dem Emsland, Osnabrücker Land und Münsterland. 

Ministerpräsident Stephan Weil und Bundespräsident a.D. Christian Wulff waren Ehrengäste. Foto: Johannes Franke

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gehörten zu den geladenen Gästen in der ersten Reihe des Mariendoms. Herzergreifend der Antwortgesang des bekannten amerikanischen Kirchenliedes, basierend auf den biblischen Berufungserzählungen der Propheten Jesaja und Samuel: "Here I am, Lord, is it I, Lord? I have heard You calling in the night. I will go, Lord". Der vielfältige Lebenslauf des neuen Bischofs zeigte sich, als Heiner Wilmer die Gäste aus dem Ausland in spanischer, englischer, französischer und italienischer Sprache umfassend begrüßte - Beifall brandete auf. 

Über 100 Messdiener waren bei der Bischofsweihe im Altarraum und begrüßen ihren Bischof, hier mit Weihbischof Johannes Wübbe, im Garten des bischöflichen Palais. Foto: Johannes Franke

"Wir sind nicht Herren über euren Glauben, sondern wir sind Mitarbeiter eurer Freude; denn im Glauben steht ihr fest", zitiert aus dem zweiten Brief von Paulus an die Korinther, lautete Wilmers Weihespruch. "Über die herzliche Aufnahme in Hildesheim und im Bistum freue ich mich sehr. Sie rührt mich sehr", sagte der Bischof. IIn seinen Begrüßungsworten ging er auch auf die großen Herausforderungen in der Kirche ein und deutete unmissverständlich an, die schändlichen Taten wie Macht- und Sexualmissbrauch in der Kirche ohne Wenn und Aber aufzuarbeiten und sich diesen Themen von Anfang an mit aller Kraft zu widmen.

 "Was die Menschen brauchen, ist Heilung und Hoffnung", betonte er unter großem Beifall. Er dankte allen im bischöflichen und priesterlichen Kollegium, namentlich auch Weihbischof Johannes Wübbe, der für den erkrankten Osnabrücker Bischof Bode gekommen war. Herzliche Grüße und baldige Genesungswünsche wurden Bischof Bode nach Berlin übermittelt. "Ich freue mich auf viele Begegnungen, auf Sie alle und möchte mit allen ins Gespräch kommen. Denn was wäre die Kirche ohne Sie!", erklärte der Bischof. 

Zwei Schapener, die auch schon gemeinsam die Schulbank drückten: Bürgermeister Karlheinz Schöttmer und Bischof Heiner Wilmer. Foto: Johannes Franke

Die Gläubigen als Säulen des Bistums

Wilmer dankte den Gläubigen, dass sie für ihn gebetet hätten. "Das rührt mich sehr. Denn Sie sind die wahren Säulen des Bistums und viele Verwandte, Menschen aus meiner Heimat Schapen und dem Umland gehören dazu." Bischof Wilmer dankte zu allererst „meinen Eltern und meinen Geschwistern für alle Werte, für Verlässlichkeit und Orientierung.“ Weiter dankte er dem Orden der Herz-Jesu-Priester und hieß seinen Nachfolger, Generaloberer Pater Carlos Luis Suárez Codorniú, aus Rom gekommen, herzlich willkommen. 

Sechsmal sei er mit Jugendlichen im Bistum gewandert, habe ihnen zugehört, was sie über den neuen Bischof glauben, was sie von ihm erwarten, führte der neue Bischof weiter aus. "Kümmern Sie sich um die älteren Menschen, um die Vereinsamten und seien Sie normal, heben Sie nicht ab, denn auch ein Bischof ist nur ein Mensch", erzählte er unter großem Beifall von diesen Gesprächen. An die Jugend gerichtet, betonte Wilmer: "Ihr seid die Mitte der Kirche", und dankte allen mit einem "Vergelt's Gott". 

In plattdeutscher Sprache

Der Schapener ist ein großer Marienverehrer. "Die Mutter Gottes Maria fasziniert mich." Und so erzählte er den Menschen drinnen und draußen in "meiner Muttersprache" - in Plattdeutsch - über die Hochzeit zu Kanaan und übertrug das Fest auf die Bischofsweihe, auf das gemeinsame Fest nach der Weihe auf dem Domplatz. "Ik bün ja noch en bitken schüchtern un nei hier". Dann erzählte er sehr zur Freude aller über "Äten un Drinken, uk Bier, wat es no de Bischofsweihe för alle up den Domplatz giv. Dat is de mit be".

Nach der feierlichen Bischofsweihe feierten alle gemeinsam ein freudige Fest auf dem Domhof. Foto: Johannes Franke

 Bevor gemeinsam mit den zahlreichen Menschen auf dem Domplatz gefeiert wurde, segnete Bischof Wilmer die Gläubigen beim Rundgang im Dom, wo er zum ersten Mal als Zeichen der bischöflichen Würde den Bischofsring und die Mitra trug und den Bischofsstab in der Hand hielt. Nach der Eucharistiefeier sprachen Landesbischof Ralf Meister von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ministerpräsident Stephan Weil, Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer, Pater Carlos Luis Suárez Codorniú SCJ und Claus-Dieter Paschek, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Hildesheim, Grußworte. 

Ministerpräsident Stephan Weil gratuliert und freut sich auf die politisch-klirchliche Zusammenarbeit. Foto: Johannes Franke

Stellvertretend für die Landesregierung brachte Weil "unsere Freude" zum Ausdruck, dass das größte Bistum in Niedersachsen wieder eine neue Leitung hat. Der Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer (SPD) lobte die Qualitäten von Wilmer, appellierte aber auch daran, dass die Erwartungen an den neuen Bischof "nicht ins Unermessliche" steigen dürften. Hannovers evangelischer Landesbischof Meister wünschte Wilmer, so zu wirken, wie er sei: "ehrlich, mutig, geschwisterlich und glaubensstark". Meister fügte hinzu: "Wir freuen uns auf die gemeinsame ökumenische Wanderschaft." 

Nach der Bischofsweihe ist die Freude groß unter den zahlreichen Gläubigen und den Geistlichen auf dem Domplatz. Foto: Johannes Franke

Durch ein freudig applaudierendes Spalier schritt der neue Bischof mit großem Gefolge über den Domplatz bis zu "seinem Wohnsitz", dem bischöflichen Palais. Wilmer schüttelte zahlreiche Hände, ließ sich immer wieder Zeit für kurze Gespräche und freute sich über die musikalische Begleitung aus der Heimat durch die Schapener Blaskapelle. „Wir haben lange genug auf einen neuen Bischof gewartet. Und jetzt bekommen wir so einen jungen Bischof. Jemand, der auf die Jugend zugeht. Das finden wir ziemlich toll“, freuten sich junge Chormitglieder auf dem Domplatz, die die Messe mitgestaltet hatten.

Musikalische Grüße aus der Heimat kamen von der Blaskapelle Schapen. Foto: Johannes Franke



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