Professor spricht im Wöhlehof CDU Spelle möchte Aussiedler stärker einbinden

Von Ludger Jungeblut


Spelle. Der CDU-Ortsverband Spelle möchte die Aussiedler in dem Ort stärker in die kommunale Gemeinschaft einbinden. Das ist bei einem Diskussionsabend mit Professor Dr. Jannis Panagiotidis im Wöhlehof deutlich geworden.

Nach den Worten des CDU-Ortsvorsitzenden Ludger Kampel hatten die Christdemokraten den Professor aus Osnabrück eingeladen, um die Frage zu beantworten, warum Aussiedler in Deutschland relativ häufig die AfD und die Linke wählen. Tatsächlich hatte die AfD bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 in Spelle in den Wahlbezirken 2 und 4 (Wahllokal ist jeweils die Grundschule) mit einem hohen Anteil von Aussiedlern mit 10,8 und 14,7 Prozent stark abgeschnitten.

Auch die Linke relativ stark

Die Linke verzeichnete zudem mit 8,1 beziehungsweise 15,2 Prozent in diesen Wahlbezirken eine für Speller Verhältnisse hohe Stimmenzahl. Die CDU hatte in den genannten Wahllokalen mit 48 beziehungsweise 38,6 Prozent relativ schlecht abgeschnitten. Zugleich war die Wahlbeteiligung in den beiden Wahlbezirken mit 60,1 beziehungsweise 56 Prozent vergleichsweise niedrig.

Osteuropäische Geschichte studiert

Auf Vermittlung des Speller CDU-Kreistagsabgeordneten Jonas Roosmann war es gelungen, Panagiotidis für einen Vortrag zu gewinnen. Der Wissenschaftler war 2014 zum Juniorprofessor für Migration und Integration der Russlanddeutschen am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück ernannt worden. Der jetzt 37-Jährige hatte zuvor osteuropäische Geschichte und Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt internationale Beziehungen an den Universitäten Tübingen und Athen studiert.

„Speller Wahlergebnisse fügen sich nahtlos ins Muster“

Bezogen auf das bundesweite Wahlverhalten von Aussiedlern belegte der Experte anhand von Zahlen, dass die Wahlergebnisse in den beiden Speller Wahlbezirken keine Ausnahme sind, sondern sich „nahtlos ins Muster fügen“. Er verwies darauf, dass die rund 2,5 Millionen in Deutschland lebenden und zum großen Teil aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion kommenden Aussiedler fast alle Arbeit hätten; viele von ihnen befänden sich aber in prekären Arbeitsverhältnissen wie zum Beispiel Leiharbeit.

Es droht Altersarmut

Vielen mache zudem die fehlende Anerkennung von Berufsabschlüssen zu schaffen. Inzwischen sei der deutsche Staat restriktiver bei der Anerkennung Rentenansprüchen aus der früheren Tätigkeit, sodass Altersarmut drohe. Nach Ansicht des Professors bedient die AfD Abstiegsängste und schürt den Neid gegenüber Flüchtlingen. „Bei vielen Aussiedlern ist die Auffassung verbreitet, dass man sich nicht gekümmert hat, als sie nach Deutschland kamen, während für die Flüchtlinge viel getan wird.“

Experte setzt auf den Einsatz von Vermittlern und Multiplikatoren

Zudem sei die Einschätzung verbreitet, dass Einheimische ihre Lebensleistung nicht anerkennen würden. Um die Integration voranzubringen, plädierte Panagiotidis für die interkulturelle Öffnung und die Einbindung von migrantischen Selbstorganisationen. Wichtig sei der Einsatz von Vermittlern und Multiplikatoren. „Der geringe Organisationsgrad unter den Aussiedlern ist ein Problem“, räumte er ein.

„Jüngere vermischen sich mit den Einheimischen“

Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf hob die vielfältigen Bemühungen um Integration hervor. Im Jahr 2010 lebten nach der letzten Erhebung 1600 Aussiedler in der Samtgemeinde. Nach Werlte waren in den 90er-Jahren im Landkreis Emsland die meisten Aussiedler in die SG Spelle gezogen. Die Gesamteinwohnerzahl der Samtgemeinde beträgt jetzt gut 14.000.

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