Start-up „Rytle“ Letzte Meile auf drei Rädern: Speller Firma entwickelt Lastenrad

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Spelle. Wie wird künftig die „letzte Meile“ im Versand abgewickelt? Vor zwei Jahren hat das Speller Unternehmen Krone zusammen mit einem Bremer Start-up das Joint-Venture Rytle gegründet, um ein industriell gefertigtes Lastenrad zu entwickeln. Eine erste Testphase in Hamburg ist abgeschlossen.

Lkw, Sattelauflieger, Gigaliner, Landmaschinen – der Firmenname Krone wird vor allem mit großen Fahrzeugen assoziiert. Ein industriell gefertigtes Lastenfahrrad für den Innenstadtverkehr, vom äußeren Erscheinungsbild ähnlich einer Rikscha, ist da weniger im Fokus. Und doch sind nach einer erfolgreichen Testphase mit dem US-amerikanischen Paketzusteller UPS die ersten 50 Räder aktuell in Vorserienfertigung. Allerdings nicht an einem Krone-Standort, sondern in Kooperation mit einem Partner. Bis Mai sollen sie fertig sein. Die weiteren Tests werden vor allem im europäischen Ausland gemacht.

Mit seiner Idee ist der Speller Familienbetrieb bei Weitem nicht der erste – und durch die gemeinsame Entwicklung von KEP-Fahrzeugen unter anderem für die Deutsche Post ist Krone der Lieferverkehr nicht fremd. Und doch sehen Bernard Krone und Ingo Lübs, Geschäftsführer der Rytle GmbH, einen Aspekt, der sie von anderen unterscheidet: „Andere Projekte entstehen häufig durch Tüfteln. Wir wollen ein Lastenrad, dessen Produktion in einem industriellen Prozess abgebildet werden kann“, erklärt Krone.

Zwei Anläufe zum Erfolg

Dabei war der Firmenchef vom ersten Pitch des Start-ups, mit dem das Speller Familienunternehmen das Joint Venture gegründet hat, wenig begeistert. „Ich habe sie zurück ans Reißbrett geschickt.“ Der zweite Anlauf war erfolgreicher. Rund eine Million Euro Anschubfinanzierung hat Krone vor knapp zwei Jahren geleistet. Wobei zusätzliches Geld notwendig war und sein wird, davon ist der Unternehmer überzeugt. „Wir werden bis zur Marktreife viel Geld in die Hand nehmen und sind stark in Vorleistung gegangen, um ein durchgängiges Design zu entwickeln.“ Der ehrgeizige Plan: In drei Jahren soll Rytle schwarze Zahlen schreiben. Durch die Industrialisierung der Prozesskette verspricht sich Krone eine Wirtschaftlichkeit, die sonst nicht abgebildet werden könnte.

System zur Verknüpfung von Überland- und Innenstadtverkehr das Ziel

Sechs Monate hat es gedauert, bis der erste, handgeschraubte Prototyp fertig war. Dieser ist nun sechs Monate lang im Normalbetrieb bei UPS mitgelaufen. Die Idee ist jedoch weitergedacht als „nur“ ein Lastenrad. Ein Gesamtsystem aus Box, Rad und „Zulieferkette“ ist das Ziel, betont Krone. Eine barrierefreie Vernetzung des großteiligen Überlandverkehrs und kleinteiligen Innenstadtverkehrs. Das Prinzip ist einfach: Statt wie zuvor Päckchen und Pakete in KEP-Fahrzeuge aufzuteilen, werden sie, nach Postleitzahl und Straßenzug sortiert, in die schrankähnlichen Aufsätze der Lastenräder sortiert. Auf der Größe einer Europalette haben diese ein Fassungsvermögen von zwei Kubikmetern. „Die Tests haben gezeigt, dass der Inhalt eines KEP-Fahrzeugs auch etwa in die Box passt“, so Lübs. Die Pakete müssten einmal sortiert kein weiteres Mal in die Hand genommen werden. Das sei effizienter und letztlich kostensparend. Diese vorsortierten Boxen werden mit einem Lkw zu einem City-Hub gebracht, um von dort die Distribution zu organisieren. „Das macht auch die Warenwirtschaft deutlich flexibler.“

Elektromotor als Anfahrhilfe

Es sind die Ballungszentren, die Krone mit der Entwicklung im Blick hat. Eine typische Strecke mit dem Lastenrad sei zwischen vier und sechs Kilometer lang. Der Akku des Elektromotors, der beim Anfahren und am Berg hilft – immerhin können bis zu 180 Kilo geladen werden – hält bis zu 60 Kilometer, bevor er ausgetauscht oder aufgeladen werden muss. Eine Lizenz oder einen Führerschein braucht es für das Rad übrigens nicht. Das war den Unternehmen in der Konstruktion wichtig. „Auch der Azubi könnte das Rad fahren“, macht Lübs deutlich.

Logistikbranche insgesamt ist eine Zielgruppe

Denn neben Paketzustellern könnten auch Handwerker im Innenstadtverkehr eine Zielgruppe sein, ebenso wie die Logistikbranche allgemein. Für Bernard Krone eröffnet die Entwicklung einen Markt mit Zukunft. Vor allem in Zeiten drohender Fahrverbote für Dieselfahrzeuge oder vor dem Hintergrund den zeitlich begrenzten Lieferverkehren für den Handel in den Innenstädten. Aber auch in der Intralogistik, dem Werksverkehr, sieht Bernard Krone Chancen für das Lastenrad. Auch das Unternehmen selbst wird sie künftig einsetzen. Zudem könnte das Prinzip von Lastenrädern und Hubs für die Stadtreinigung ein Thema sein, ist der Unternehmer überzeugt. Dann mit halben Boxen, in die der Müll geladen wird. Weitergedacht könnte es für Bernard Krone auch eine Überlegung sein, einen Hub mit Lastenrad unter „neutraler Flagge“ aufzubauen, wenn sich mehrere Dienstleister zusammentun. „Das können wir seitens der Software mit der App abbilden. Es liegt aber an den Kunden, ob das gewollt ist.“ Perspektivisch könnte sich so ein Marktplatz etablieren.

Auch Brennstoffzelle als Antrieb denkbar

Ein ganzheitliches System zur Verknüpfung des Überland- und Innenstadtverkehrs ist das Ziel

Bis zu 70 Personen arbeiten zeitgleich an der Umsetzung des Projekts, wobei das Kernteam aus fünf Mitarbeitern besteht, sagt Ingo Lübs. Zur IAA soll bereits eine weitere Neuerung vorgestellt werden – eine abgekapselte Brennstoffzelle, die das Lastenrad anstelle eines Elektromotors antreibt. „Wir machen uns jetzt schon Gedanken um die nächste Generation, um zukunftsfähig zu bleiben.“


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