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Umgang mit ethischen Konflikten Palliativteam in Sögel lehnt Sterbehilfe ab

Von Juliane Horn | 10.01.2015, 10:44 Uhr

Neue Lebensumstände – besonders, wenn der Tod zum Thema wird – lösen bei Betroffenen oft Ängste aus. Um darauf reagieren zu können, werden die Mitarbeiter des Palliativstützpunktes Nördliches Emsland entsprechend geschult. Denn die Verantwortlichen sind sich sicher, dass mit einer richtigen Behandlung Unsicherheiten der Patienten beseitigt werden können.

Die Nähe zu den Niederlanden merkt Palliativmedizinerin Petra Conen nach eigenen Angaben schon manchmal. „Niederländische Patienten fragen eher als deutsche, ob man ihnen nicht die Spritze setzen kann, die ihr Leben beendet.“ Auf solche Fragen reagiert die Ärztin, die in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung tätig ist, mit einer klaren Absage: Zwar dürfe und wolle sie keine aktive Sterbehilfe leisten, allerdings könne sie die Patienten nach Ausschöpfung aller palliativmedizinischen Maßnahmen zumindest bis zum Lebensende begleiten und helfen, ihr Leid zu verringern. Generell komme der Wunsch nach Tod bei ihren Patienten allerdings nicht sehr oft auf, fügt Conen hinzu.

Doch es muss nicht gleich die Frage nach Sterbehilfe sein, bei der die Ärzte, Pfleger und andere Beteiligte mit moralischen Konflikten umgehen müssen. Sie sind auch Ansprechpartner, wenn Patienten Rat suchen, etwa wenn ein künstlicher Magenzugang gelegt werden soll oder das Abstellen der Maschinen zum Thema wird. Häufig geht es auch um die Sorge der Patienten, dass sie nicht mehr alles selbst erledigen können oder die Kontrolle über ihren Körper verlieren.

Damit die Palliativärzte auf solche Situationen vorbereitet sind, finden wöchentliche Fallbesprechungen zu Problemkonstellationen statt. Das Team überlegt dann, welche Variante die beste für den Patienten ist und welche Ratschläge sie ihm geben können. Gemeinsam wird etwa diskutiert, ob noch weitere Familienmitglieder oder Partner des Stützpunktes in die Versorgung einbezogen werden sollten. Außerdem nehmen die Mitarbeiter regelmäßig an Supervisionen teil, berichtet Martina Mensen, Koordinatorin des Palliativstützpunktes. Anhand von Praxisbeispielen soll dabei die Arbeit reflektiert und gemeinsam überlegt werden, was etwa im Umgang mit Patienten verbessert werden kann.

Immer dann, wenn die Ärzte im Hümmling-Hospital – nicht nur in der Palliativmedizin – Rat im Bezug auf bestimmte Entscheidungen suchen, können sie sich aber auch an das Ethikkomitee des Krankenhauses wenden. In einer Runde, der auch Nichtmediziner angehören, besprechen die Mitglieder kritische Fälle und geben ihre Meinung dann an den Ratsuchenden weiter. So wie die Mitarbeiter können sich aber auch Patienten oder Angehörige an das Komitee wenden. „Wir nehmen keine Entscheidungen ab, sondern geben nur eine Hilfe“, betont Astrid Schweer vom Pflege- und Patientenmanagement als Mitglied des Komitees.

Und auch die Kooperationspartner des Palliativstützpunktes können Patienten oder Angehörige beraten beziehungsweise an andere Ansprechpartner verweisen, wenn es darum geht, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, nachdem bei ihnen eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wurde. „Wenn es Stammkunden sind, erzählen sie uns auch manchmal von ihren Ängsten“, berichtet beispielsweise Annette Schmitz aus der Carré-Apotheke in Papenburg, die bestimmte Medikamente und eine Notfallnummer für Palliativpatienten anbietet.

Ob bei den Partnern des Stützpunktes, in der stationären oder aber in der ambulanten Palliativversorgung – sie alle haben den Anspruch, den Patienten und ihren Angehörigen aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie trotz der leidvollen Situation haben. Vor allem aber wollen sie ihnen die Sorge nehmen, mit allem allein dazustehen.

Der Palliativstützpunkt Sögel im Thema der Woche: Im ersten Teil erfahren Sie mehr über das Netzwerk für die palliative Versorgung. Im zweiten Teil erhalten Sie einen Einblick in den Alltag einer Fachkraft, die täglich mit schwerkranken und sterbenden Menschen zu tun hat. Außerdem erzählt eine Angehörige, wie der ambulante Palliativdienst sie und ihren Mann vor dessen Tod unterstützt hat. Im vierten Teil stand ein Hund im Mittelpunkt des Geschehens. Und schließlich ging es auch um die seelsorgerische Arbeit mit Palliativpatienten.