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Sudanesen bieten Hilfe an Flüchtlinge in Sögel werden Schülerlotsen

Von Gerd Schade | 15.10.2015, 12:17 Uhr

Asylbewerber in Sögel engagieren sich auf eigene Initiative als Schülerlotsen. Die Polizei hat eine Gruppe Sudanesen gemeinsam mit dem Flüchtlingsbetreuer der Samtgemeinde, Johannes Brachem, für den Helferdienst ausgebildet. Die Aktion sorgt bereits im sozialen Netzwerk Facebook für Furore.

„Wir sind hier in Sögel gut aufgenommen worden und wollen gerne etwas zurückgeben.“ Mit diesen Worten begründen die sieben Schwarzafrikaner nach Angaben der Samtgemeindeverwaltung ihre Motivation. Im September waren sie in das ehemalige Rathaus in der Ortsmitte eingezogen. Von dort können sie täglich den Schülerlotsendienst beobachten. Jetzt wollen sie sich selbst engagieren.

Theoretischen und praktischen Unterricht erhielten sie vom Kommissar Thorsten Eilers in der Polizeistation Hümmling sowie direkt vor Ort an der Sigiltrastraße. Hier wurde den neuen Schülerlotsen vermittelt, dass sie auf Verkehrslücken zu achten haben und Blickkontakt zum zweiten Schülerlotsen halten müssen.

Der neu eingestellte Flüchtlingshelfer der Samtgemeinde Sögel, Johannes Brachem, begleitete die Ausbildung. Er freute sich über das ehrenamtliche Engagement der Sudanesen. „Es ist gut zu wissen, dass die Flüchtlinge sich hier in Sögel sichtlich wohlfühlen und ihre Dankbarkeit für die herzliche Aufnahme durch ihr ehrenamtliches Engagement bekunden“, erklärt Brachem.

Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers (CDU) freut sich auch über die große Resonanz der Bevölkerung. „Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg. Diese Aktion ist auf viel Beifall gestoßen“, sagt Wigbers. Das dokumentiert auch die große Anzahl an „Likes“ auf ein von der Samtgemeinde Sögel auf Facebook veröffentlichtes Kurzvideo über die Lotsenausbildung am Zebrastreifen vor dem Clemenswerther Hof. Innerhalb der ersten 20 Stunden wurden mehr als 440 „Likes“ registriert. „So eine Resonanz gab es bisher noch nie auf eine Veröffentlichung“, erklärt Wigbers. „Es ist gut, zu wissen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger hinter uns stehen.“ Bis zum Donnerstagvormittag stieg die Zahl der „Likes“ auf 540.

Gerd Kerssens, Betreuer der Schülerlotsen in der Gemeinde Sögel, stattete die sieben Flüchtlinge mit Warnwesten und Kelle aus. „Neue Schülerlotsen sind für uns ein Gewinn. Sie werden zeitnah eingesetzt und künftig mit einem erfahrenen Schülerlotsen an verschiedenen Fußgängerüberwegen ihren Dienst zum Wohle unserer Schülerinnen und Schüler tun können“, sagt Kerssens.

Die Bereitschaft zum Lotsendienst ist ein weiteres Indiz für das Engagement der Asylbewerber in Sögel. Bereits beim Umzug des neu gebauten Familienzentrums St. Jakobus in den Prinzenkamp hatten außer Eltern, Verwandten und Mitarbeitern des Bauhofes der Gemeinde fünf Flüchtlinge aus dem Sudan und dem Irak kräftig mitangepackt. (Weiterlesen: Flüchtlinge helfen bei Kita-Umzug in Sögel) .

Überregionale Aufmerksamkeit hervorgerufen hat inzwischen auch die Bürgergenossenschaft der Gemeinde zum Bau von Wohnungen für Flüchtlinge. „Mit dieser Mitmachlösung ist die Emsland-Gemeinde viele Schritte weiter als die meisten Städte in Deutschland“, heißt es in einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Mit Unterstützung von Kommune, Wirtschaft und Kirchen und Vereinen gründeten die Sögeler die Genossenschaft „Willkommen in Sögel eG – Bürgergenossenschaft für Menschen in Not“. Rasch hatten Privatinvestoren dafür mehr als 800.000 Euro investiert. Im Frühjahr 2016 soll das erste Mehrfamilienhaus stehen. (Weiterlesen: Sögeler stellen 820.000 Euro für Unterkünfte).