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Staatsanwalt plädiert Elf Jahre Haft nach tödlichem Streit in Sögel gefordert

Von Horst Troiza, Horst Troiza | 10.06.2016, 18:58 Uhr

Im Prozess nach dem tödlichen Beziehungsstreit im Dezember 2015 in Sögel fordert die Staatsanwaltschaft elf Jahre Haft für den Angeklagten. Der 28-Jährige muss sich derzeit wegen Totschlags seiner 21 Jahre alten Lebensgefährtin vor dem Landgericht Osnabrück verantworten.

Vom Tatvorwurf des Totschlags mit einem Strafrahmen von fünf Jahren bis lebenslänglich rückte der Staatsanwalt allerdings ab, da dem Angeklagten nach seiner Auffassung keine eindeutige Tötungsabsicht nachzuweisen ist. Stattdessen ordnete er das Geschehen als Körperverletzung mit Todesfolge ein, wobei der Strafrahmen von drei bis 15 Jahren reicht.

Am kommenden Donnerstag, 16. Juni 2016, werden die beiden Verteidiger ihre Plädoyers halten. Für diesen Tag kann auch das Urteil erwartet werden.

Das Opfer war im Rahmen einer Auseinandersetzung wegen der angeblichen Affäre mit einem anderen Mann mit Schlägen und Fußtritten misshandelt worden, an deren Folgen die Frau nur wenig später gestorben war. Im Prozess vor dem Schwurgericht in Osnabrück hatte sich der Beschuldigte sich einer Aussage verweigert, doch die Prozessbeteiligten konnten auf die umfangreiche Aussage zurückgreifen, die der 28-Jährige einen Tag nach der Tat vor dem Haftrichter gemacht hatte.

„Das Tatgeschehen kann selbst erfahrene Juristen erschüttern“, gab der Vertreter der Staatsanwaltschaft am dritten Verhandlungstag den Zuhörern zu verstehen. 30 Minuten habe das Martyrium der Frau gedauert, die laut Anklage von ihrem Lebensgefährten ins Badezimmer zitiert worden war, weil sie dort von den Nachbarn nicht gehört werden konnte. „Er hat ihr eine Lektion erteilen wollen, hat sie immer und immer wieder geschlagen und getreten, heftig und brutal. Bis die Frau schließlich verstarb, hatte er ihr 17 Rippen gebrochen gehabt. Sie ist innerlich verblutet “, sagte der Staatsanwalt. Bereits Tage vorher sei das Opfer von dem Angeklagten geschlagen worden, dass es deutliche Hämatome im Gesicht zurückbehalten hatte.

Als besonders erschwerend bezeichnete der Anklagevertreter die direkte Anwesenheit der zweijährigen Tochter des Paares während der Tat, „die zusehen musste, wie Papa die Mama totschlägt“.

Auch die Anwältin der Nebenklage, die die Angehörigen der Getöteten vertritt, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Tochter. „Es gibt in dieser Sache zwei Opfer. Das zwei Jahre alte Mädchen hat an jenem Tag durch die Schuld des Angeklagten sein komplettes soziales Gefüge verloren. Die Mutter ist tot und der Vater sitzt in Haft“. Noch heute habe das Kind, das in einer Pflegefamilie lebt, Angst davor, ins Badezimmer zu gehen. Ein konkretes Strafmaß nannte die Anwältin nicht.