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Prozess-Fortsetzung in Osnabrück Sögel: 20-Jährige starb an heftigen inneren Verletzungen

Von Horst Troiza, Horst Troiza | 06.06.2016, 19:51 Uhr

Schwerste innere Verletzungen haben zum Tod der 20-Jährigen in Sögel geführt, gegen deren Lebensgefährten gegenwärtig vor dem Landgericht verhandelt wird. Das hat ein Pathologe bei der Fortsetzung des Prozesses am Montag berichtet. Der 28-Jährige schweigt weiterhin zu den Umständen der Tat.

War es eine vermutete Affäre der Frau mit einem anderen Mann, die den Angeklagten zu der Tat getrieben hat, oder die „Entwöhnung“ vom gemeinsamen, zwei Jahre alten Kind, wie er ebenso vermutete? Das zu klären liegt nicht im Aufgabenbereich des Schwurgerichts am Landgericht Osnabrück, sondern die Feststellung der Schuld oder Unschuld des Angeklagten.

Zwar schweigt er vor Gericht, doch es liegen von ihm gemachte Aussagen vor der Polizei und der Staatsanwaltschaft vor, die ihn als Täter belasten.

(Weiterlesen: 20-Jährige vom Lebensgefährten in Sögel getötet)

Am zweiten Verfahrenstag am Montag hatten die Gutachter das Wort, die Fakten des Falles untersuchen. Der Verfasser des psychologischen Gutachtens kommt zu dem Schluss, beim Angeklagten habe sich zum Tatzeitpunkt keinerlei Bewusstseinsstörung ermitteln lassen, die Tat stufte er als „affektiv-akzentuiert“ ein. Er habe seine Lebensgefährtin „disziplinieren“ wollen, als er mit ihr zusammen und der zweijährigen Tochter ins Bad der Wohnung in der Sigiltrastraße in Sögel ging und sich dort einschloss.

17 von 24 Rippen gebrochen

Was dort geschehen sein muss, darauf warf das Gutachten des Gerichtsmediziners dann ein Licht Er hatte den Leichnam der Getöteten am Tag nach dem Geschehen in Oldenburg obduziert. Dabei hatte er zahlreiche äußere Blutergüsse am Kopf sowie im Brustbereich der 1,62 Meter großen, 42 Kilogramm wiegenden Frau feststellen können. Doch schwerwiegender waren ihre inneren Verletzungen gewesen. Von den 24 Rippen waren 17 gebrochen, eines der Bruchstücke hatte die Lunge durchdrungen und zu einem Kollaps des Lungenflügels geführt.

(Rückblick. So verlief der Prozessauftakt zum Sögeler Totschlagprozess)

Die eigentliche Todesursache aber war ein Riss im Gefüge des Darms gewesen, an dem die 20-Jährige verblutet war. Diese inneren Verletzungen waren, so der Mediziner, durch eine Serie von Tritten aufgetreten, als deren Urheber der Angeklagte angesehen wird. Er soll 30 Minuten lang auf die Frau eingeschlagen und -getreten haben. „Die massive Art der Verletzungen sind mir sonst nur von Opfern von Hochgeschwindigkeitsunfällen her bekannt“, hatte der Pathologe dem Gericht erklärt.

Kind schrie permanent nach der Mutter

Zeugenaussagen berichteten vom Verhalten des Angeklagten am frühen Abend des 5. Dezember, nachdem Rettungskräfte und die Polizei gerufen worden waren. „Er hat normal gewirkt, irgendwie abgeklärt. Er hatte das die ganze Zeit das nach seiner Mutter schreiende Kind auf dem Arm, aber er wirkte nicht erregt“, berichtete der Beamte von der Wache in Sögel. Das zweijährige Kind hatte wie mehrfach berichtet die Tat im Badezimmer der Wohnung verfolgen müssen. Auch ein Rettungssanitäter erklärte, der Angeklagte sei ihm normal vorgekommen, berichtigte sich aber sofort und benutzte dann das Wort „ruhig“.

Das Verfahren wird fortgesetzt.