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Nahwärmenetz Gemeinderat Sögel verabschiedet Realisierungskonzept für Nutzung von industrieller Prozesswärme

21.08.2012, 06:44 Uhr

„Die Gemeinde hat ihre Hausaufgaben erledigt. Jetzt ist Ten Kate gefordert, umgehend eine Entscheidung zu treffen.“ Das unterstrich CDU-Fraktionsvorsitzender Karl Steinbild bei der Verabschiedung des Realisierungskonzepts zur Nutzung industrieller Abwärme aus der Fettschmelze im Sögeler Industriegebiet Püttkesberge.

Einstimmig sprach sich der Rat für die Verwirklichung des Nahwärmenetzes durch die Sögel Energie GmbH aus, an der die Kommune und Ten Kate jeweils zu 50 Prozent beteiligt sind. Ins Auge gefasst ist ein Baustart noch in diesem Jahr. Die Wärmelieferung soll voraussichtlich zum Herbst kommenden Jahres beginnen.

Einen kritischen Blick auf das Konzept warf SPD-Fraktionsvorsitzender Anno Immenga. Die rund vier Kilometer lange Leitungstrasse spare Privathaushalte weitgehend aus. „Die Bürger müssen auch partizipieren können“, regte Immenga an, in einem zweiten Bauabschnitt ebenfalls Gebäude in Wohnsiedlungen einzubinden. Das Konzept ist für Großabnehmer optimiert“, hielt dem Gemeindedirektor Günter Wigbers entgegen. Und er warnte davor, dass durch Immengas Worte falsche Hoffnungen bei den Privathaushalten geweckt werden könnten.

Als Bezieher der industriellen Abwärme sind entlang der Schiene, die von der Fettschmelze Ten Kate bis zum Freibad verläuft, Unternehmen im Gewerbeareal Püttkesberge, das Rathaus, Geschäfte und gewerbliche Einrichtungen in der Ortsmitte, das Hümmling-Krankenhaus sowie das Freibad vorgesehen. Die Versorgungsleitung wird nach Darstellung von stellvertretendem Gemeindedirektor Hans Nowak bis zum Marktplatz so dimensioniert, dass ab diesem Punkt durchaus noch weitere Abzweige möglich sind.

Die Kosten für das Projekt bezifferte Nowak auf rund 3,7 Millionen Euro. Davon bringt auf Grundlage der Studie, die von einer Arbeitsgemeinschaft der Sögeler Planungsbüros MV Engineering und IGCon im Auftrag von Ten Kate entwickelt wurde, die Energie GmbH für Trassenbau und Hausanschlüsse etwa 2,1 Millionen Euro auf. Die Fettschmelze errichtet für 1,5 Millionen Euro die technische Anlage zur Abgabe der industriellen Prozesswärme. Von der zur Verfügung stehenden Kapazität in der Größenordnung von über 30 Millionen Kilowattstunden wird von dem Nahwärmenetz ein Drittel genutzt.

Für die künftigen Bezieher der Nahwärme stellte Nowak laut Wirtschaftlichkeitsberechnung der Planungsbüros ein Einsparpotenzial von rund 25 Prozent gegenüber der herkömmlichen Wärmeversorgung in Aussicht.