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"Am Dienstag viel schlimmer" Staverner sehen Kastastophenfall und Evakuierungspläne gelassen

Von Harry de Winter | 21.09.2018, 17:52 Uhr

Der Landkreis hat am Freitagmorgen den Katastrophenfall ausgerufen und kann eine Evakuierung von Klein und Groß Stavern nicht mehr ausschließen. Wie ist die Stimmung vor Ort und was sagen die betroffenen Staverner dazu?

Freitagvormittag um 11 Uhr in Stavern. Vor gut einer Stunde hat der Landkreis Emsland den Katastrophenfall ausgerufen und kann eine Evakuierung von Klein und Groß Stavern nicht mehr ausschließen. In dem beschaulichen Emsländischen Örtchen ist von Panik jedoch keine Spur. Das THW, der seit über einer Woche auf dem Kirchplatz eines seiner Quartiere eingerichtet hat, bestimmt weiterhin das Ortsbild.

Keine Panik in Stavern

Dominika Baalmann ist eine der knapp über 1000 Einwohner von Stavern. Die 40-Jährige steht in der Nähe des Kirchplatzes auf dem Bürgersteig und schaut nach, ob sich die Lage nun nach der Mitteilung des Landkreises verändert. Ob sie sich Sorgen machen würde, beantwortet sie mit einem klaren Nein. "Am Dienstag war es viel schlimmer, als der Qualm und Rauch über unser Dorf gezogen ist. Aber heute ist ja so gut wie nichts." Dass jetzt evakuiert werden könnte, kann sie nicht nachvollziehen. Falls es doch noch dazu kommen sollte, will sie erst dann ihre Sachen packen. "Ich mache mir viel mehr Gedanken um die vielen freiwilligen Helfer", sagt sie. "Ich habe gehört, dass sie teilweise nicht genug zu Essen bekommen. Ich möchte gerne helfen." Sie sucht das Gespräch mit Einsatzkräften des THW.

Spontan in den Urlaub

Beim Kindergarten, der in unmittelbarer Nähe zum Kirchplatz ist, stehen einige Eltern auf dem Parkplatz, die ihre Kinder vorzeitig abholen. Michael Kösters hat seine Tochter Resi auf dem Arm. "Meine Frau hat sich Gedanken gemacht, nachdem sie die Katastrophenfallmeldung gelesen hatte, also hole ich die Kleine jetzt ab." Der 37-Jährige selbst macht sie wenig Sorgen über den Moorbrand, ist aber genervt von der Geruchsbelästigung. Ob nun evakuiert wird oder nicht, ist ihm relativ egal. "Wir fahren spontan in den Urlaub, um dem Stress und dem Qualm aus dem Weg zu gehen". Wohin es gehen soll, ist noch nicht entschieden.

Eltern holen Kinder ab

Kindergartenleiterin Sabine Beelmann ist ebenfalls völlig ruhig. "Es brennt ja seit über zwei Wochen. So langsam haben wir uns daran gewöhnt. Wir machen bis 14 Uhr heute ganz normal weiter. Wenn Eltern ihre Kinder eher abholen wollen, dann dürfen sie das natürlich gerne machen." Gegen den Qualm halten sie stets die Türen und Fenster geschlossen. Man wolle jetzt abwarten, wie es weitergeht.

Engpass bei Versorgung

Mittlerweile hat sich Dominika Baalmann mit dem THW verständigt. Auf Nachfrage erklärt Sprecher Wolfgang Schumann, das es am Donnerstagabend wohl zu einem kleinen Engpass gekommen sei, weil weitere Kräfte angerückt waren. Es wären am Ende aber alle versorgt worden. Er verweist auch auf die weiten Strecken, die zurückgelegt werden müssten, um alle Helfer an ihren Einsatzorten zu erreichen. Dass nun Anwohner mithelfen wollen, die Einsatzkräfte zu versorgen, findet er prinzipiell gut. Allerdings müsste diese Hilfe koordiniert werden. Außerdem gebe es genaue Vorschriften, die es dabei einzuhalten gilt. "Wer helfen will, der spricht uns am besten direkt an", so Schumann.