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Mehrheitsbeschluss im SG-Rat Sögeler Bestattungswald kommt ins Spahner Südholz

Von Gerd Schade | 27.10.2017, 01:05 Uhr

Jetzt ist es amtlich: Der Bestattungswald für die Samtgemeinde (SG) Sögel wird im Spahner Südholz angelegt. Das hat der SG-Rat am Donnerstagabend mit großer Mehrheit beschlossen.

SG-Bürgermeister Günter Wigbers (CDU) kündigte auf Nachfrage unserer Redaktion unmittelbar nach der Sitzung an, dass die ersten Urnenbestattungen an Bäumen in dem Gebiet südlich der Mitgliedsgemeinde Spahnharrenstätte voraussichtlich ab dem kommenden Frühsommer vollzogen werden können. „Davon gehe ich aus“, sagte Wigbers.

Emotionale und hitzige Debatte

Dem Abstimmungsreigen – insgesamt musste das Kommunalparlament im Sögeler Rathaus Ludmillenhof zum Bestattungswald drei Beschlüsse fassen – war erneut eine teilweise emotionale wie hitzige Debatte vorausgegangen. Vor der für Sögeler SG-Ratssitzungen nicht alltäglich großen Kulisse von knapp 50 Zuschauern, die meisten davon aus Spahnharrenstätte, erhoben politische Befürworter und Gegner des Standortes für den Bestattungswald gegenseitig teils schwere Vorwürfe. Ein Antrag von UWG-Ratsherr Hermann Meyer auf namentliche Abstimmung scheiterte an dem laut Geschäftsordnung dafür notwendigen einem Drittel der Stimmen.

Antrag der SPD/Grüne-Gruppe abgelehnt

Für das Spahner Südholz votierten 20 der insgesamt 29 anwesenden SG-Ratsmitglieder, sieben waren dagegen, und zwei enthielten sich. Mit fast demselben Resultat (20 Ja-, acht Neinstimmen, eine Enthaltung) hatte der Rat zuvor einen Antrag der SPD/Grüne-Gruppe mehrheitlich abgelehnt. Er sah vor, dass der SG-Rat die Planungen an die Gemeinde Sögel „aufgrund der hohen Sensibilität der Standortfrage“ zurückgibt – verbunden mit dem Ziel, in Abstimmung mit Vertretern der Kirchengemeinden „eine geeignete Waldfläche innerhalb der Gemarkung Sögels“ zu erschließen.

Areal am Loruper Weg „schlechtgeredet“

Wigbers machte in diesem Zusammenhang erneut deutlich, dass ein bei der Standortsuche zwischenzeitlich ebenfalls ins Auge gefasstes Areal am Loruper Weg zu klein sei, was der stellvertretende SPD/Grüne-Gruppenvorsitzende Anno Immenga jedoch in Abrede stellte. Nach seiner Auffassung habe dieser Standort „dieselbe Qualität“ wie das Spahner Südholz, sei seitens der Verwaltung jedoch von vornherein „schlechtgeredet“ worden.

Die größte Einigkeit herrschte im SG-Rat in der Grundsatzfrage nach Einrichtung und Betrieb eines Bestattungswaldes in der SG – unabhängig vom Standort. Für diesen Beschlussvorschlag gab es 26 Ja-, zwei Neinstimmen und eine Enthaltung.

Ratsvorsitzende droht mit Mahnung

Wigbers hatte zum Einstieg in die Debatte betont, dass die drei Jahre währende Diskussion mit Arbeitskreissitzungen, Standortsuche und Bürgerversammlungen endlich mit einer Entscheidung beendet werden müsse. „Irgendwann ist gut gewesen“, meinte er. Über die grundsätzliche Notwendigkeit eines Bestattungswaldes seien sich angesichts einer sich verändernden Bestattungskultur alle Beteiligten nahezu einig. Nach Besichtigung mehrerer Standorte unter Einbeziehung der katholischen und evangelischen Kirche sowie auch der Landwirtschaft habe sich eine etwa fünf Hektar umfassende Teilfläche des Spahner Südholzes mit seinem „sehr alten Laubbaumbestand“ als das am besten geeignete Areal herauskristallisiert, für das es keine begründeten Nachteile gebe – „auch wenn einige gebetsmühlenartig immer wieder falsche Tatsachen darstellen“, wie Wigbers hervorhob. Diese Worte riefen Unmut in den Zuschauerreihen hervor. Als der SG-Bürgermeister weiter davon sprach, dass er gebeten worden sei, von dem „durchaus lautstarken Protest einiger weniger nicht einknicken“ zu sollen, rief ein Zuschauer „Lächerlich!“. Die SG-Ratsvorsitzende Irmgard Welling (CDU) mahnte die Besucher daraufhin zur Zurückhaltung. „Sonst muss ich Mahnungen aussprechen“, sagte sie.

Wigbers zollte derweil dem Spahnharrenstätter Bürgermeister Reinhard Timpker (CDU) „großen Respekt“, der sich im Zuge der kontroversen Debatte in den vergangenen Monaten „großen Anfeindungen auf niedrigem Niveau ausgesetzt gesehen“ habe.

Gegenseitige Anfeindungen in Spahnharrenstätte

Das ließ die UWG, hinter der sich in Spahnharrenstätte die Standortgegner formiert hatten, nicht auf sich sitzen. „Es ist schlimm, wenn der Bürgermeister so angefeindet worden ist“, sagte UWG-Ratsherr Gerhard Rode. Ähnliches sei aber auch kritischen Bürgern widerfahren. So seien auf Festen in dem Ort auch die Gegner des Standortes und teilweise auch deren Familienmitglieder „aufs Übelste und rüde angegangen worden“. Auf diese Weise entstand durch die Debatte das Bild einer tiefen Zerrissenheit in Spahnharrenstätte.

Appell zur Mäßigung

Johannes Müller (SPD) sprach von „verhärteten Fronten“. Hermann Meyer forderte, „Frieden in die Gemeinde“ zurückzubringen, bezichtigte Wigbers im Verlauf der Debatte aber auch unverhohlen der Lüge, was dieser zurückwies. Ansgar Kossen (CDU) warf dem Verwaltungschef vor, mit seinen Äußerungen „Öl ins Feuer“ zu gießen und rief ihn zu Mäßigung auf. Anno Immenga geißelte die Art und Weise, wie in der SG Politik gemacht werde. Hier werde eine Entscheidung „durchgedrückt, ohne nach Kompromissen zu suchen“. Wigbers hielt allen „flammend vorgetragenen“ Anschuldigungen entgegen, dass davon bei Prüfung „nicht viel an Wahrheit“ übrig bleibe.