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Landrat schaltet sich ein „Plan B“ für Wegesanierung auf Schloss Clemenswerth?

Von Gerd Schade | 06.10.2015, 08:36 Uhr

Im Streit um die Barrierefreiheit bei der geplanten Restaurierung der historischen Wege auf dem Gelände des Emslandmuseums Schloss Clemenswerth in Sögel will der Landkreis als Eigentümer der Anlage nun zunächst ein Teilstück instandsetzen – als Probeabschnitt sozusagen. Das hat Landrat Reinhard Winter (CDU) in der Kreistagssitzung am Montag in Meppen deutlich gemacht und bei mangelhaftem Testergebnis einen „Plan B“ angekündigt. Wie der aussehen könnte, blieb allerdings offen.

Auslöser waren Äußerungen von Sögeler Bürgern in der Einwohnerfragestunde, die ihre Forderung nach Barrierefreiheit auf den steinernen Schlosswegen zum Teil emotional untermauerten. In der Hümmlinggemeinde und darüber hinaus regt sich seit Wochen zunehmend Widerstand gegen die Planungen. Die Kreisverwaltung verweist indes auf den Denkmalschutz.

„Wir werden erst ein Teilstück machen und schauen, ob es funktioniert“, erklärte Winter. „Falls nicht, wird es einen Plan B geben müssen, bevor wir das ganze Geld ausgeben“, sagte der Landrat. Gegebenenfalls müsse also die Planung ergänzt und die Finanzierung umstrukturiert werden. Obwohl nach Angaben der Kreisverwaltung bereits im Dezember 2013 der Kreisausschuss das Konzept gebilligt habe, wird sich Winter zufolge der Kulturausschuss des Landkreises jetzt noch einmal mit dem Thema auseinandersetzen. Die Sitzung werde von Ende November auf Anfang des Monats vorverlegt. Die SPD-Fraktion hatte daraufhin einen Dringlichkeitsantrag zurückgezogen. Wie Kreistagsmitglied Heinz Schwarte erläuterte, sollten vor der Ausschreibung für die Sanierung die Einwendungen der Kritiker und die Haltung der Verwaltung erörtert werden. An der Sitzung teilnehmen soll auch Rainer Schomann, stellvertretender Abteilungsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege.

Kombination aus Platten und Kopfsteinpflaster

Die Kosten für die Restaurierung der Wege, einer Kombination aus Steinplatten und Kopfsteinpflaster aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert, sind mit rund 470.000 Euro veranschlagt. An der Finanzierung sind unter anderem Bund und Land beteiligt. Die Förderkulisse ist Winter zufolge an Bedingungen geknüpft. So müssten Ausschreibung und Spatenstich noch in diesem Jahr erfolgen. Dem Konzept zufolge sollen die Platten und Kopfsteine aufgenommen, der Untergrund geebnet und die alten Platten und Steine möglichst einheitlich auf ihr ursprüngliches Bodenniveau mit einem maximalen Höhenunterschied von einem Zentimeter wiederverlegt werden. Laut Kreisverwaltung sind die Wege in den vergangenen 40 Jahren vor allem durch das Befahren mit schweren Fahrzeugen für den Auf- und Abbau größerer Veranstaltungen auf dem Schlossgelände abgesackt.

Ziel sei es, den höchstmöglichen Standard der Barrierefreiheit zu erreichen, betonte Winter. Die Hohlräume zwischen den Kopfsteinen sollen beispielsweise mit Verbundsplitt ausgefüllt werden. „Lassen Sie es uns doch positiv probieren, ob es geht“, warb er um Zustimmung für das Restaurierungskonzept, bei dessen Ausarbeitung man es sich keineswegs leicht gemacht habe. Über Jahre sei daran zusammen mit der Landesdenkmalschutzbehörde „herumgeknobelt“ worden. Dass es zunächst einen Probeabschnitt geben solle, habe er im Übrigen von Anfang an gesagt, erklärte Winter.

Kritiker mobilisieren rund 250 Besucher

Von einem solchen Abschnitt hatte Erster Kreisrat Martin Gerenkamp bei einer Info-Veranstaltung am vergangenen Donnerstag in Sögel allerdings nicht gesprochen. Auf dem von der Sögeler Ortsgruppe des Sozialverbandes Deutschlands (SOVD), der Schlossplatz-Initiative „Gehwege für alle Menschen“ und dem örtlichen Wirtschaftsverband organisierten Abend im Hotel Clemenswerther Hof hatten viele der rund 250 Besucher ihrem Unmut über die Restaurierungspläne zum Teil emotional Luft verschafft.

Auch im Kreistag traten gleich mehrere Kritiker sowie die Initiatoren des Widerstandes gegen die Wegepläne ans Mikrofon. Der Sögeler SOVD-Vorsitzende Gerd Gerdes ärgerte sich darüber, dass seitens der Kreisverwaltung gesagt worden sei, Gehbehinderte sollten auf den Rasen ausweichen. „Das ist diskriminierend“, sagte er. „Ich finde es unvorstellbar, wie man in Zeiten der Inklusion uns behinderten Menschen zugunsten des Denkmalschutzes auf den Rasen schicken will“, fügte Angelika Koopmann hinzu. Die Sögelerin ist auf einen Rollstuhl angewiesen. „Ich möchte nicht auf den Rasen geschickt werden“, sagte sie. Denkmalschutz dürfe nicht über Behindertenschutz gehen, mahnte Heinz Nicolaisen, ebenfalls aus Sögel. Der Sprecher der Schlossplatz-Initiative „Gehwege für alle Menschen“, Klaus Schäffner, beklagte, dass es den Bewohnern des Senioren- und Pflegeheims Haus Simeon im Prinzip unmöglich sei, eine Veranstaltung auf Clemenswerth zu besuchen. Und der Behindertenbeauftragte der Stadt Meppen, Walter Teckert, wies darauf hin, dass etwa 10 Prozent der emsländischen Bevölkerung – nach seinen Worten immerhin rund 3000 Menschen – schwerbehindert sei und die Schlossanlage nicht nutzen könne. Und es würden mehr. „Diese Menschen dürfen wir nicht außen vor lassen“, sagte Teckert.