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KAB-Sozialtag rund um Flüchtlingskrise Gegen Stammtischparolen in Sögel

Von PM. | 13.06.2016, 08:38 Uhr

„Wer Angst sät, kann keine Freundschaft ernten.“ Unter diesen Leitsatz hat der Sögeler Sozialtag der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) gestanden. Etwa 40 Teilnehmer waren zusammengekommen, um sich über die Flüchtlingsthematik zu informieren und Stammtischparolen entgegentreten zu können.

Den Einstieg machte Dezernent Marc-André Burgdorf vom Landkreis Emsland. Er erläuterte, welche Stationen ein Flüchtling durchläuft, bis er einen Asylantrag stellen kann. „Wir können nicht von einer Flüchtlingskrise sprechen, auch wenn wir vor großen Herausforderungen stehen, “ so Burgdorf. Momentan suchten 5000 Menschen Zuflucht im Emsland. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es im Emsland 37.000 Flüchtlinge gegeben, später seien 22.500 Aussiedler gekommen. Auch diese Herausforderungen seien gemeistert worden. Im Emsland ist zu beobachten, dass es keine erhöhte Kriminalität durch die Flüchtlingsunterkünfte gibt. „Wenn 300 bis 500 Menschen auf engen Raum zusammenleben, menschelt es ab und an, das ist aber normal“ so Burgdorf. Viele Meldungen würden aufgebauscht und es stelle sich meistens heraus, dass oft nichts oder nur Lappalien dahinterstünden. „Das Christentum ist ein personaler Glaube, der Mensch und seine Würde müssen im Mittelpunkt unseres Handels stehen“, sagte Burgdorf.

Anschließend informierte Josef Schmeinck vom Sozialdienst katholischer Männer (SKM) Emsland über die Unterstützung der Flüchtlinge. Eine der Hauptaufgaben sei es, die Menschen zu informieren, wo sie welche Unterstützung erhalten könnten. Eine Herausforderung sei die Bürokratie, bei vielen Anträgen müssten auch die Mitarbeiter des SKM zweimal draufschauen, um sie zu verstehen. Für Menschen ohne deutsche Sprachkenntnisse sei es fast unmöglich, ohne Unterstützung dieses System zu verstehen. Schmeinck unterstrich die Rolle des Ehrenamtes, da viele Projekte ohne die vielen Helfer nicht umsetzbar seien.

Beim Sögeler Sozialtag wurde nicht nur auf die Fakten geschaut, sondern auf die Menschen. Ibrahim Hassan berichtete von seiner Flucht und den Gründen. Er war 1974 nach Deutschland geflohen. Mittlerweile sitzt er für die Grünen im Lingener Stadtrat. Ihm sei es ein Anliegen, dass die Minderheiten wie die Sunniten, Schiiten, Christen, Alawiten und Kurden eine Stimme bekämen.

„Wir brauchen aber keine falsche Toleranz für niemanden“, stellte Hassan klar. Es gebe Gesetze, an die sich jeder halten müsse. Es sei egal, ob ein Deutscher oder ein Asylbewerber Minderheiten diskriminiere. Das Gesetz, müsse ohne Unterschiede angewendet werden.