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Feiern für Werkvertragsarbeiter Rumänisch-orthodoxe Messen in Sögeler Kirche

Von Julia Kleene | 22.10.2015, 17:42 Uhr

Aufgrund der hohen Zahl an rumänischen Werkvertragsarbeitern in Sögel hat sich der katholische Pfarrer Bernhard Horstmann für die Einführung einer wöchentlich stattfindenden rumänisch-orthodoxen Messe in der St.-Jakobus-Kirche in Sögel eingesetzt. Diese soll der rumänische Pfarrer Daniel Tudorache ab Sonntag, 29. November, umsetzen.

Rund 1000 Menschen aus Rumänien, Bulgarien und Polen arbeiten auf dem Schlachthof Weidemark in Sögel als Werkvertragsnehmer. Die Hälfte dieser Beschäftigten sind Rumänen. Pfarrer Horstmann hat beobachtet, dass einige von ihnen die katholischen Messen besuchen.

Daraufhin hat der Seelsorger beim Metropoliten Serafim Joant, einem Kirchenoberhaupt in der rumänisch-orthodoxen Kirche, ă in Nürnberg angefragt, ob die Möglichkeit bestehe, dass ein rumänischer Pfarrer in Sögel einmal wöchentlich eine rumänisch-orthodoxe Messe in seiner Landessprache feiern könne. „Die Rumänen holen allmählich ihre Familien nach“, sagte Horstmann. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass den Menschen ein Gefühl von Heimat vermittelt werde.

Horstmann bekam Kontakt zu Pfarrer Daniel Tudorache. Der 42-Jährige lebt mit seiner Frau Irina und seinen zwei Kindern André und Stefan seit drei Jahren in Deutschland. Zuvor war er für eine Gemeinde in der Nähe von Bukarest verantwortlich gewesen. Auch seine Frau hat Arbeit in Deutschland. Sie ist als Ärztin im Fachbereich Onkologie im evangelischen Krankenhaus in Bielefeld tätig. Bedingt durch diese Arbeitsstelle werde die Familie vorläufig in ihrem jetzigen Wohnort Herford wohnen bleiben.

In Kooperation mit der Gemeinde St. Jakobus verfolgt Tudorache das Ziel, „das Heimweh durch den Glauben zu vertreiben“. Die größte Herausforderung sei für ihn, die deutsche Sprache zu lernen. Trotz tiefer Gläubigkeit der meisten Rumänen ist Tudorache nicht sicher, wie viele Schlachthofarbeiter das Angebot annehmen werden. Es sei eine anspruchsvolle Aufgabe, den Kontakt zu den Werkvertragsnehmern aufzubauen und sie zum Feiern des Gottesdienstes zu motivieren. „Müdigkeit und ein weiter Weg zur Kirche könnten Probleme darstellen“, sagte Tudorache. Denn der rumänisch-orthodoxe Gottesdienst unterscheide sich vom katholischen vor allem in der Dauer. „Wir feiern die Messe meistens drei Stunden – ohne Stühle“, erklärte Tudorache. Nach der Messe versammle sich die Gemeinde meist zum gemütlichen Beisammensein. Neben der gemeinschaftlichen Gottesdienstfeier seien auch Taufen, Beichten, Einzel- und Gruppengespräche sowie Seelsorge die Aufgaben Tudoraches.

Am Sonntag, 29. November, findet in der St.-Jakobus-Kirche um 12 Uhr ein Dankgottesdienst zur Einführung Tudoraches statt. Danach soll nach Angaben Horstmanns jeden Sonntag ein zweistündiger rumänisch-orthodoxer Gottesdienst um 12.30 Uhr stattfinden. „Wir fangen bei null an“, erklärte Horstmann. Der einjährige Testlauf solle zeigen, ob das Angebot von den Rumänen angenommen werde.

Auch in Papenburg leben laut Stadtverwaltung 832 Rumänen. Tudorache könne sich gut vorstellen, später auch Gottesdienste in einer Papenburger Gemeinde anzubieten.