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„Das kann nicht alles sein“ Kritik an Wegesanierung am Sögeler Schloss hält an

Von Christian Belling | 09.12.2016, 17:04 Uhr

„Viele denken, da kommt noch was.“ Wenn es um den Abschluss der Arbeiten um den barrierefreien Ausbau der Wege auf Schloss Clemenswerth geht, hört Gerd Gerdes oft Sätze, die in diese Richtung gehen. Auch der Vorsitzende der Ortsgruppe Sögel des Sozialverbandes Deutschlands ist mit der vom Landkreis durchgeführten Sanierung nach wie vor unzufrieden.

„Das kann nicht alles gewesen sein“, sagte Gerdes bei einem Besuch des SPD-Bundestagsabgeordneten Markus Paschke auf der Schlossanlage. Die Arbeiten beinhalteten eine Verbreiterung des äußeren Rings am sternförmigen Wegenetz durch zusätzlich verlegte Gehwegplatten. „Doch diese Wege hören auf einmal auf und der Rollstuhlfahrer kann umdrehen, weil ein Weiterfahren auf dem Kopfsteinpflaster nicht zumutbar ist“, ärgert sich Gerdes. Auch an den Eingängen der Pavillons seien noch immer Stufen, die für Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen nicht passierbar seien. Gerdes: „Am vergangenen Wochenende habe ich auf dem Weihnachtsmarkt noch erlebt, wie viele Rollstuhlfahrer außen vor blieben und als Gehandicapte keine Chance hatten, in die Pavillons zu kommen.“

Erster Kreisrat Martin Gerenkamp erklärte hingegen, dass die Wegesanierung aus Sicht des Landkreises Emsland abgeschlossen ist. Neben den Arbeiten am äußeren Ring seien auch Drainagen verlegt und behindertengerechte Toiletten eingerichtet worden. Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf 569.000 Euro. Gerenkamp: „Es ist ein guter Schritt nach vorne.“ Die verlegten Doppelplatten seien ein Kompromiss gewesen, mit dem auch die niedersächsische Denkmalbehörde einverstanden sei. Zudem gebe es bereits Rampen, um barrierefrei in die Pavillons zu kommen. Weitere fünf Rampen seien bestellt. Diese sollen je nach Bedarf zum Einsatz kommen. Gerenkamp: „Wie bei jedem Kompromiss, werden die Wünsche aber nicht zu 100 Prozent erfüllt.“ Es gelte nun, die weitere Museumskonzeption und das geplante Besucherzentrum in neue Überlegungen mit einzubeziehen.

Paschke sieht Landkreis gefordert

Paschke äußerte sich indes kritisch über die Arbeiten. „Wenn angepackt wird, sollte das auch zukunftsfähig sein.“ In einer immer älter werdenden Gesellschaft sei die Barrierefreiheit enorm wichtig. Zudem gehe es um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. „Und wenn ich mir das Kopfsteinpflaster an manchen Stellen anschaue, ist es selbst für Spaziergänger zum Teil schwierig, hier entspannt zu flanieren“, so Paschke. Er regte an, über die Sanierung weiterer Wege nachzudenken. „Eine Perspektive wäre schön.“ Es liege am Landkreis, entsprechend initiativ zu werden. Erst dann könne er sich für eine finanzielle Unterstützung auf Bundesebene einsetzen.

Auch für Gerdes ist mit den bisherigen Arbeiten lediglich ein Etappenziel erreicht. „Wir haben einiges geschafft, es ist aber noch viel zu tun.“ Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern setzt er sich für eine weitergehende Barrierefreiheit am Schloss ein. „Unser Anliegen zielt eindeutig darauf ab, Behinderten die Möglichkeit zu geben, sich ohne fremde Hilfe auf Clemenswerth bewegen zu können.“ Laut Gerdes habe es viele Gespräche mit dem Landkreis gegeben. Leider sei das Versprechen des Landrates, eine Probestrecke zu verlegen, nicht eingehalten worden.

Emotionen kommen hoch

Sein Mitstreiter Ludwig Koopmann pflichtet ihm bei: „Über die Benotung der Ergebnisse sind die Beteiligten anscheinend unterschiedlicher Meinung.“ Man wolle kein ausreichendes Ergebnis, sondern eines mit Pfiff. Im Laufe der vergangenen Monate hätten sich hier und da bereits Emotionen hochgeschaukelt. „Im Vorfeld ist viel mit uns gesprochen worden. Ab Beginn der Bauphase aber nicht mehr. Hier hätten wir uns über eine stärkere Einbindung gefreut.“

Anno Immenga, Fraktionsvorsitzender der SPD im Sögeler Gemeinderat, richtete den Blick nach vorne. „Natürlich sind wir glücklich über die getätigten Investitionen. Aber wie geht es nun weiter?“ Auf diese Frage blieb eine eindeutige Antwort aus.

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