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Beschluss MRSA-Tests in emsländischen Krankenhäusern nur bei Verdacht

Von Maike Plaggenborg, Maike Plaggenborg | 12.06.2016, 20:12 Uhr

Der Kreisausschuss für Soziales, Integration und Arbeit hat bei seiner Sitzung in Sögel den Antrag der Grünen-Fraktion auf MRSA-Tests für alle Patienten in emsländischen Krankenhäusern abgelehnt.

„Eine richtige Händedesinfektion dauert 30 Sekunden“, erläuterte Johanna Sievering, Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises, und verteilte kleine Fläschchen Desinfektionsmittel an die Ausschussmitglieder. 400.000 bis 600.000 Patienten erkranken nach Landkreisauskunft jährlich an Krankenhausinfektionen, von denen fünf Prozent auf multiresistente Erreger (MRE) entfallen. 10.000 bis 15.000 sterben jährlich an den Infektionen, von denen laut Sieverings Präsentation 20 bis 30 Prozent vermeidbar wären durch eine bessere Einhaltung der Hygieneregeln.

„Geld kann kein Argument sein“

Das Thema solle nicht „hysterisch aufbereitet“ werden, andererseits aber gebe es auch Berichte, die das Problem verharmlosen würden, sagte Norbert Knape (Grüne). „Zur eigentlichen Risikobeschreibung ist man durch das Komplettscreening gekommen“, ergänzte er. Die Fraktion der Grünen spricht sich dafür aus, jeden Patienten bei Aufnahme in ein emsländisches Krankenhaus auf mögliche Infektionen aus der MRE-Erregergruppe zu untersuchen. Geld könne dabei kein Argument sein. „Ich habe das noch nie gesehen, dass sich Personal im Krankenhaus die Hände desinfiziert“, sagte Knape. Und ein Hygienebeauftrager allein reiche nicht aus, um die Gefahr zu senken.

250.000 Euro Kosten im Ludmillenstift

Im Meppener Ludmillenstift habe das Screening im vergangenen Jahr Kosten von 250.000 Euro verursacht, sagte Sievering. Dort würden die Untersuchungen risikobasiert durchgeführt – bei Frühchenstationen etwa. Standard hingegen seien sie bei der Aufnahme auf die Intensivstation. Auch mit Blick auf Empfehlungen der Kommission für Kankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat sich Sievering – wie auch der Großteil des Kreisauschusses – gegen ein universelles Screening von Patienten ausgesprochen. Laut der Experten sei das „nicht sinnvoll“.

Netzwerke und Runde Tische zur Verbesserung

Der Antrag ist mit großer Mehrheit gegenüber zwei Zustimmungen abgelehnt worden. Teil der Beschlussvorlage ist zudem, dass die bisherigen Maßnahmen wie die Teilnahme an Runden Tischen des deutsch-niederländischen Projekts EurSafety Health-net Projekt und dem MRE-Netzwerk fortgeführt werden. Zudem gibt es Sievering zufolge weiterhin Schulungen sowie Überwachung der Krankenhaushygiene und des Antibiotikamanagements. Sievering kommt aber letztlich zu dem Schluss: „Eine hundertprozentige Sicherheit durch Hygiene gibt es nicht.“