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An der Erich-Kästner-Schule Schulhund schenkt Sögeler Siebtklässlern Selbstvertrauen

Von Christian Belling | 12.06.2018, 20:39 Uhr

Aus dem Alltag der Erich-Kästner-Schule in Sögel ist Bosse schon lange nicht mehr wegzudenken. Dabei ist der Schulhund erst seit zehn Wochen fester Bestandteil der siebten Klasse. Doch diese kurze Zeit reichte bereits aus, um bei den Schülern einiges zu bewirken.

Es ist Mittwoch, 7.45 Uhr, auf dem Parkplatz vor der Förderschule. Ein Kastenwagen rollt an, der Kofferraum öffnet sich. Die Siebtklässler Adrian, Alex, Marcel, Marlon und Hendrik warten mit den anderen Klassenkameraden bereits ungeduldig auf den neuen Klassenkameraden, der jeden Mittwoch den Unterricht bereichert. Gekonnt springt Bosse aus dem Auto und zeigt den Schülern, dass die Freude über das Wiedersehen auch auf seiner Seite liegt.

Richtiger Umgang, passende Ansprache

Mit seinen gerade mal zehn Monaten bringt der Leonberger-Bernersennen-Mischling bereits knapp 40 Kilogramm auf die Waage. Wer Bosse also auf die Schüler zu rennt, ist es, als wenn Kinder miteinander spielen. „Und wenn er rennt, kommt einiges in Wallung. Da sind der richtige Umgang und die passende Ansprache enorm wichtig“, weiß Britta Behrens. Der Klassenlehrerin des siebten Jahrgangs gehört der Hund. Dass sie ihn mit zur Schule bringt, ist dem Zufall geschuldet. „Vor rund drei Monaten holte mich mein Mann zusammen mit Bosse von der Schule ab. Dabei entdeckten einige meiner Schüler den Hund für sich“, erklärt die Pädagogin.

Übungen auf dem Schulhof

Seitdem ist Bosse jeden Mittwoch für rund zwei Stunden an der Erich-Kästner-Schule. Mit dabei ist immer Nicole Albers. Die Freundin der Lehrerin hat selbst einen Hund, ist in einer Hundegruppe aktiv und kennt sich mit den Tieren aus. „Mir war es wichtig, dass Nicole mich unterstützt. Sie richtet den Blick mehr auf Bosse und ich auf die Kinder“, so Behrens. Die erste Stunde verbringen die Schüler mit dem Hund auf dem Schulgelände. Dort wird der Umgang mit Bosse geschult und einige Übungen absolviert. „Schnell merkten die Kinder, dass sich der Hund ruhig verhält, wenn sie es ebenfalls sind“, berichtet Albers. Mittlerweile würden sich die Siebtklässler gegenseitig erziehen und sich auf Fehler hinweisen.

„Bosse-Ecke“ im Klassenraum

Nach der Stunde an der frischen Luft steht für die Schüler der reguläre Unterricht im Klassenraum an. Mit dabei: Bosse. Der Hund hat seine eigene Ecke im Raum und lauscht den Ausführungen. Ab und an spaziert er zwischen den Tischen umher, was die Kinder allerdings nicht abzulenken scheint. „Wir haben sogenannte Bosse-Regeln aufgestellt, die unter anderem besagen, dass er während des Unterrichts nicht gerufen wird und das kein Essen offen auf den Tischen liegt“, teilt Behrens mit. Und es funktioniert.

Klasse wächst zusammen

Die Lehrerin hat bei den Schülern seit der Präsenz des Hundes „wahnsinnige“ Entwicklungen festgestellt. „Viele haben deutlich mehr Selbstvertrauen, weil sie sehen, dass Bosse auf sie hört, wenn sie richtig mit ihm umgehen.“ Zudem sei die Klasse in den vergangenen Wochen zusammengewachsen und regelrecht zu einer Gemeinschaft geworden. „Zu Beginn war alles natürlich noch sehr wuselig und unruhig. Doch mit den Erfolgen hat sich das gelegt.“ Auch Bosse profitiert Behrens zufolge vom Umgang mit den Kindern. „Er lernt dadurch, wie er sich zu verhalten hat, wenn eine ganze Horde auf ihn zukommt.“

Höhere Aufmerksamkeit

Nach zwei Stunden wird der Leonberger-Bernersennen-Mischling, der kein ausgebildeter Therapiehund ist, wieder vom Ehemann abgeholt. „Auch Bosse ist dann ein wenig fertig, schließlich ist er ja auch noch im Welpenalter.“ Von dem Besuch des Hundes würde die Klasse noch den ganzen Tag zehren. „Die Aufmerksamkeit auf den Unterricht ist dann höher als an anderen Tagen“, so Behrens.

Mit Eltern und Schulleitung abgestimmt

Bevor Behrens ihren Hund mit in die Schule brachte, stimmte sie sich mit den Eltern und der Schulleitung ab. „Die Resonanz und Unterstützung war durchweg positiv.“ Der Erfolg mit dem Schulhund habe sich mittlerweile auch im Kollegium und anderen Jahrgängen herumgesprochen. Eine Ausweitung auf andere Klassen ist derzeit allerdings nicht vorgesehen. Behrens: „Doch mit der jetzigen Klasse wird Bosse auch in das neue Schuljahr gehen.“