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Sögeler Schücking-Gesellschaft steht vor der Auflösung

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Der Vorstand der Literarischen Schücking-Gesellschaft wird den Mitgliedern auf der Generalversammlung am 18. Januar das Auflösen der Gesellschaft und die Schließung des Schücking-Museums empfehlen. Damit dürfte nach knapp sechs Jahren Existenz der Schlussstrich unter das Kapitel ,,Schücking-Museum" in Sögel gezogen werden.

Die Einrichtung an der Schlaunallee 3 war im Mai 1997 eingeweiht worden. Als ,,neue wichtige Adresse in der reichhaltigen Kulturlandschaft der Gemeinde Sögel" begrüßte seinerzeit Bürgermeister Heiner Wellenbrock das Museum. Schon bald allerdings hatte das Haus mit Finanzproblemen zu kämpfen, vor allem beim Erhalt der Stelle des Museumsleiters, die Heinz Thien in Personalunion als Geschäftsführer der Schücking-Gesellschaft ausfüllte.

Nachdem der Landkreis Emsland Anfang des Jahres 2000 der Schücking-Gesellschaft als Trägerin des Museums mit einem ,,einmaligen Notzuschuss" unter die Arme gegriffen hatte, konnte in der Folgezeit zwischen Literaturgesellschaft auf der einen sowie Kreis und Gemeinde Sögel auf der anderen Seite keine Einigung über künftige Ausrichtung und Gestaltung der musealen Einrichtung erzielt werden. Schließlich versiegten schrittweise die kommunalen Zuwendungen, die sich in erster Linie als Sachzuschüsse darstellten. Die Förderung einer Personalsstelle könne aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht erfolgen, hieß es im Übrigen.

,,Eigentlich hätte ich bereits im März 2000 die Auflösung der Schücking-Gesellschaft beantragen müssen", blickte indessen Präsident Gerd Gepp auf diese Phase der Museumsgeschichte zurück. Denn nach einem ,,intensiven Gespräch" mit dem damaligen Oberkreisdirektor und heutigenLandrat, Hermann Bröring, in der Kreisverwaltung in Meppen sei ihm klar geworden, ,,dass das Schücking-Museum niemand im Emsland haben will, weder der Landkreis noch die Gemeinde Sögel". So habe keine der im Kreisgebiet ansässigen Stiftungen für eine finanzielle Unterstützung gewonnen werden können. Und ebenfalls die Lingener Alexander-Wisniewsky-Stiftung, die über zwei Jahre Mittel bereitgestellt hatte, versagte eine weitere Förderung.

Entscheidendes Motiv, die Auflösung der Literaturgesellschaft nicht schon vor knapp drei Jahren zu beantragen, sei maßgeblich die ,,Achtung und Wertschätzung vor der außerordentlichen Leistung von Heinz Thien gewesen", unterstrich Gepp das große Engagement des ehemaligen Museumsleiters. Auch habe er gehofft, doch noch Unterstützung für das Haus finden zu können. Als dann jedoch die Nachlassverwalterin des Erbes von Levin Schücking, Annette Schücking-Homeyer aus dem westfälischen Sassenberg, im Frühjahr vergangenen Jahres ihre Leihgaben zurückforderte, war das ,,Aus" für das Museum endgültig besiegelt.

Zum Verbleib einiger hundert, zum Teil wertvoller und kostbarer Bücher, die Museumsleiter Thien für das Literaturmuseum erworben hatte, schlägt Gerd Gepp der Mitgliederversammlung vor, diese Werke dem Sögeler Heimatverein zu überlassen. Die Schenkung solle mit der Auflage verbunden werden, dass ,,das gesamte Ensemble nicht auseinander gerissen werden darf." Vielleicht ließe sich für den Bestand auch eine Räumlichkeit im neuen Rathaus der Gemeinde Sögel im Ludmillenhof finden. So könne aus dem Schücking-Museum ein ,,Schücking-Archiv" werden, das allen offen stehen solle, die an dem Lebenswerk von Levin Schücking (1814 - 1883) interessiert seien. Der Publizist und Schriftsteller, der rund 200 Novellen, Dramen und Romane verfasst hat, wurde am 6. September 1814 in Meppen geboren und verbrachte bekanntlich seine Kindheit bis zum fünfzehnten Lebensjahr in Sögel.

Die Entscheidung über den weiteren Weg der Schücking-Gesellschaft werden die rund 100 Mitglieder auf der Generalversammlung am Samstag, 18. Januar, im Heuerhaus des Sögeler Heimathofes zu treffen haben. Alternativen dürfte es zu den Vorschlägen des Vorstands jedoch kaum geben. Und Präsident Gerd Gepp warb denn auch für die aufgezeigte Linie mit den Worten, dass ,,auf diese Weise das Beste aus einer mittlerweile gänzlich verfahrenen Situation gemacht werden kann."


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