Erinnerung an deportierte Juden Sögeler Schüler polieren Stolpersteine im Gemeindegebiet

Mit Tüchern und Polierpaste verhalf die Nachmittags-AG „Schule ohne Rassismus“ Stolpersteinem in Sögel wieder zu Glanz. Foto: Schule am SchlossMit Tüchern und Polierpaste verhalf die Nachmittags-AG „Schule ohne Rassismus“ Stolpersteinem in Sögel wieder zu Glanz. Foto: Schule am Schloss

Sögel. Mit Bürsten, Eimern, Putzlappen und Reinigungsmittel waren Schüler der Nachmittags-AG „Schule ohne Rassismus“ (SOR) der Schule am Schloss in Sögel unterwegs, um die Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig aus Köln in den letzten Jahren an verschiedenen Stationen in Sögel verlegt hatte, zu reinigen und zu polieren.

Sögels Bürgermeisterin Irmgard Welling hatte sich laut einer Pressemitteilung der Schule am Schloss über die Anfrage zum geplanten AG- Projekt sehr gefreut. So besuchte sie im Vorfeld die Schüler, um den Siebt- und Achtklässlern den historischen Aspekt der Verlegung der Stolpersteine nahezubringen.

Welling berichtete von den Schicksalen der deportierten jüdischen Bürger in Sögel und von den Familien, für die bereits Stolpersteine verlegt worden waren. „Niemand soll die schrecklichen Taten, die sich vor 70 Jahren ereignet haben, vergessen“, mahnte sie und fügte hinzu: „Ich freue mich, dass ihr mit der Stolperstein-Reinigungs-Aktion ein Zeichen für Toleranz in der Gesellschaft setzen wollt.“

Verfärbt und sehr dunkel

Mit den Zehn-mal-Zehn Zentimeter großen und mit Messingplatten ausgestatteten Betonsteinen soll an die jüdischen Einwohner aus Sögel erinnert werden, die von den Nationalsozialisten deportiert und in den Konzentrationslagern ermorden worden sind. Bei der Reinigungsaktion der kleinen „Denkmäler“, die für die Schüler der SOR-AG unter der Leitung von Lehrerin Marion Geers und Schulsozialarbeiter Sebastian Straeck-Bühler zum ersten Mal stattfand, wurden drei Stationen geschafft.

„Einige Messingplatten hatten sich durch Witterungseinflüsse so verfärbt und waren sehr dunkel geworden, so dass man sie kaum wiederfinden konnte“, erklärte Sebastian Straeck-Bühler. Nach der Grundreinigung wurde das Metall von den Schülern kräftig poliert, so dass der Belag verschwand und die Messing-Oberflächen im neuen Glanze erstrahlten.

Geschichte hautnah erfahren

Irmgard Welling erklärte: „Ich sehe diese großartige Initiative als eine besondere Möglichkeit für die Schüler, Geschichte hautnah zu erfahren und sich mit der NS-Terrorherrschaft aktiv auseinanderzusetzen.“ Während der Reinigungsaktion wurden Gedenktexte verlesen und Rosen auf die polierten Stolpersteine gelegt, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf die Steine zu lenken. „Als Schule ohne Rassismus verfolgt die Schule am Schloss das Ziel, junge Menschen für Themen wie Rassismus und Rechtsextremismus zu sensibilisieren und ihnen soziale Kompetenzen mit auf ihren Lebensweg zu geben“, so Lehrerin Marion Geers. Diese Aktion solle künftig ein bis zweimal im Jahr durchgeführt werden, „um dem Vergessen entgegenzuwirken“.


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