Edeka soll Anker bleiben Sögeler Investoren stellen Projekt „Fachmarktzentrum“ vor

Geschlossen hinter dem „Fachmarktzentrum Sigiltrastraße“ stehen (hinten, von links) Anno Immenga, Daniel Kleine, Frank Klaß sowie (vorne, von links) Holger Kohne, Thomas Altendeitering und Arnd Sievers. Foto: Gerd SchadeGeschlossen hinter dem „Fachmarktzentrum Sigiltrastraße“ stehen (hinten, von links) Anno Immenga, Daniel Kleine, Frank Klaß sowie (vorne, von links) Holger Kohne, Thomas Altendeitering und Arnd Sievers. Foto: Gerd Schade

Sögel. Die Sögeler Investorengruppe für ein „Fachmarktzentrum Sigiltrastraße“ will ihr Vorhaben nach wie vor am liebsten mit Edeka realisieren. Der Lebensmittelriese favorisiert hingegen unverändert einen Neubau auf dem zweiten Marktplatz nahe der St.-Jakobus-Kirche.

„Edeka ist und bleibt unser erster Ansprechpartner“, sagt Daniel Kleine. In einem Gespräch mit unserer Redaktion am Montagabend stellten er und seine Mitstreiter aus der Investorengruppe ihre Pläne im Detail vor – ein Umstand, der ihnen nach eigenen Angaben seitens der Gemeindeverwaltung trotz mehrerer Anläufe bislang verwehrt blieb. Dennoch halten sie ihr Gesprächsangebot aufrecht und haben alle Mitglieder des Gemeinderates am Donnerstagabend zu einer Infoveranstaltung eingeladen.

Weiterer Investor an Bord

Derweil ist die Gruppe der Investoren um ein weiteres Mitglied gewachsen. Neu dabei ist der Kläranlagenbauer Klaus-Dieter Grote. Damit besteht die Gruppe aus nunmehr sieben Personen – außer Grote und Kleine (Lehrer) sind das Thomas Altendeitering (Elektro, Heizung, Sanitär), Arnd Sievers (Bauunternehmer), Holger Kohne (Eigentümer Medi-Max Werlte) sowie Frank Klaß (Kriminalbeamter) und Anno Immenga (Berufsschullehrer). Die beiden letztgenannten sind außerdem Gemeinderatsmitglieder der SPD-Fraktion, was seit knapp zwei Wochen für viel politischen Wirbel in Sögel sorgt. Ihnen wird die Vermischung von politischen, öffentlichen und privaten Interessen vorgeworfen. Klaß und Immenga weisen das zurück und beteuern auf Nachfrage, dass es ihnen ausschließlich um die Sache und nicht um ein Politikum gehe. Die Unternehmer verhehlen indes nicht, dass sie selbst mit dem Projekt auch wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgen. Darüber hinaus halten sie die Sigiltrastraße für den deutlich besseren Edeka-Standort als den zweiten Marktplatz.

Ihren Planungen zufolge wollen die Investoren das jetzige Edeka-Gelände samt Parkplatzfläche (4500 Quadratmeter) kaufen. Mit dem derzeitigen Grundstückseigentümer sei man sich handelseinig. „Wir brauchen nur noch Ja zu sagen“, sagt Kleine.

Gemeindegrundstück im Visier

Für eine Verwirklichung ihres Vorhabens benötigen die Investoren neben der Zusage eines Vollsortimenters wie Edeka als Ankermieter und dem Grundstück eine weitere Fläche, die hinter dem jetzigen Edeka-Markt liegt. Sie umfasst rund 4000 Quadratmeter und befindet sich im Besitz der Gemeinde. „Diese Fläche brauchen wir in jedem Fall dazu“, betont Sievers. Ihre Kaufabsicht „zum ortsüblichen Preis nach Bodenrichtwert“ habe die Gruppe im März schriftlich im Rathaus beantragt.

Den Planungen zufolge soll auf dieser Fläche ein Gebäude errichtet werden, in dem außer dem Lebensmittelmarkt mit rund 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche, ein von Kohne betriebener Elektronikfachmarkt (300 Quadratmeter), ein weiterer Fachmarkt (Textil, Bekleidung oder Schuhe, 500 Quadratmeter) sowie ein Backshop Platz finden. „Wir sind mit mehreren Filialisten in Kontakt“, sagt Sievers. Kohne fügt hinzu, dass er den geplanten Elektronikfachmarkt als „Brückenschlag“ zu seinem Betrieb in Werlte versteht.

Edeka-Betrieb könnte weiterlaufen

Vorteil des Konzeptes aus Sicht der Investoren ist, dass während der Bauphase der Betrieb im bisherigen Edeka-Markt ungestört weiterlaufen könne. Später würde das Gebäude abgerissen werden und Platz für zusätzliche Parkplätze schaffen. Deren Zahl würde sich dadurch von derzeit etwa 100 auf 160 erhöhen. Überdies könne für das Grundstück der Gemeinde eine Anbindung an die Mühlenstraße geschaffen werden. „Wenn alle Beteiligten mitspielen“ ließe sich das Vorhaben nach den Worten von Daniel Kleine etwa innerhalb eines guten Jahres realisieren.

Klar für die Sigiltrastraße spricht aus Sicht der Investoren das im Vergleich zum zweiten Marktplatz größere Entwicklungspotenzial sowie eine Entzerrung der Verkehrssituation im Ort. Zudem dürfe ein derart exquisiter Platz wie das ehemalige Kindergartengelände nicht mit einem Supermarkt „bepflanzt“ werden. Dort sei vielmehr eine architektonisch zeitlose Gebäudestruktur und -nutzung gefragt. Ein Edeka auf dem Marktplatz wäre „städtebaulich eine Katastrophe“. Kleine & Co. halten ihr Projekt hingegen für eine „absolut einmalige Chance für Sögel, um Kaufkraft im Ort zu binden und weiterzuentwickeln“.

Edeka will an den Marktplatz

Das sehen Edeka und Gemeinde allerdings ganz anders. Der Lebensmittelkonzern hat mehrfach deutlich gemacht, dass er die Zukunft seines Marktes ausschließlich am Marktplatz sieht. Die Gemeindeverwaltung unterstützt die Pläne. Dem entgegen stehen ein Bürgerbegehren mit 1500 Unterschriften und ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014. Für die Gemeindeverwaltung hat sich inzwischen jedoch eine neue Sachlage ergeben – und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem Edeka für den zweiten Marktplatz ebenfalls die Ansiedlung eines Elektronikfachmarktes in Aussicht gestellt habe.

Kirche mit tragender Rolle

In einem Punkt sind sich Gemeindeverwaltung und Investoren einig: Die entscheidende Rolle in der Debatte spielt die katholische St.-Jakobus-Kirchengemeinde, die Eigentümerin der wesentlichen Flächen am Marktplatz sei. Ohne ihre Zustimmung ließen sich die Edeka-Pläne dort demnach nicht realisieren. Der Kirchenvorstand um Pfarrer Bernhard Horstmann hatte zuletzt betont, die weiteren Verhandlungen der Investoren für die Sigiltrastraße abwarten zu wollen. Zudem forderte er die Gruppe sowie Rat und Verwaltung auf, „ein konstruktives Gespräch im Sinne der Sögeler Bürger zu führen“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN