Auffangstation für Tiere in Not Schwein gehabt: Tiere auf dem Gnadenhof Melief

Von Kristina Müller

Auf dem Gnadenhof fühlen sich die Tiere wohl: Marc Winters kümmert sich persönlich um jeden seiner Schützlinge. Foto: Kristina MüllerAuf dem Gnadenhof fühlen sich die Tiere wohl: Marc Winters kümmert sich persönlich um jeden seiner Schützlinge. Foto: Kristina Müller

krim Sögel. Im Schlamm rollen und zusammen mit den anderen Artgenossen das Leben genießen: Den zwei Mini-Schweinen Binky und Boris, die Weihnachten 2014 Papenburg und Neulehe auf Trab gehalten hatten, geht es auf dem Gnadenhof Melief in Sögel besser denn je.

Kurz vor Weihnachten wurden die Tiere in der Nähe des Ems-Seitenkanals in Herbrum gefunden und vorübergehend auf einem landwirtschaftlichen Hof untergebracht. Dort büxten sie jedoch aus und liefen den langen Weg nach Neulehe, wo sie das Dorf unsicher machten. Nachdem sie ein zweites Mal eingefangen wurden, fanden sie auf einem Hof in Neulehe Unterschlupf. Eine Lösung auf Dauer sollte das aber nicht sein. Nachdem Michaela Gansefort, die Gattin des Neuleher Bürgermeisters Reinhard Gansefort, vergeblich nach einer dauerhaften Unterkunft für die beiden Ausreißer gesucht hatte, fanden sie letztlich auf dem Gnadenhof Melief in Sögel ein Zuhause.

Ein Schwein, das vom Himmel gefallen ist

Dort kümmert sich nun Marc Winters zusammen mit seinem Mann Lothar Vermeulen um die beiden und weitere 1300 Tiere. „Wir wissen, dass es sonst keinen Platz für die Schweine gibt und bevor sie irgendwo schlecht enden haben wir gesagt, wir nehmen sie auf“, erinnert sich Winters. Binky und Boris leben nun in einer Gruppe von 20 Schweinen. „In der Gruppe geht es ihnen nun ganz gut, aber sie sind immer scheu geblieben, da sie so oft gejagt wurden“, berichtet der 44-Jährige.

Zu den beiden Mini-Schweinen gesellte sich kurze Zeit später auch ein Mutterschwein mit ihren drei Ferkeln, die im Schießgebiet in Wahn vermutlich ausgesetzt wurden. „Wir sind den Schweinen zwei Tage lang hinterhergejagt. Die Felder sind sehr groß und die Schweine können rennen ohne Ende“, berichtet Winters schmunzelnd. Ein weiteres Schwein ist quasi vor der Haustür des Gnadenhofs auf dem Weg zum Schlachthof von einem LKW gefallen. Die Umstände brachten ihm gleich einen passenden Namen ein: Engel, weil er wie vom Himmel gefallen dort lag. „Dem Schwein ist viel erspart geblieben. Es lebt jetzt glücklich auf der Weide mit anderen Schweinen und rollt im Schlamm, so wie es sein soll“, freut sich der Gründer des Gnadenhofs.

Tiere die vom Tode bedroht sind

Fast wöchentlich kämen Anfragen, weitere Mini- und Hausschweine aufzunehmen, doch der Platz fehlt, so Winters: „Wir sind kein Tierheim. Wenn wir die Tiere aufnehmen, dann bleiben sie hier bis sie sterben.“ Der Gnadenhof sei eine permanente Auffangstation für Tiere in Not. „Wir nehmen die Tiere nur auf, wenn sie vom Tode bedroht sind und das auch nur, wenn wir Platz haben“, erklärte Winters. Um die Tiere pflegen und verpflegen zu können sind die Betreiber auf Spenden und Patenschaften angewiesen. Sie bekommen zum Beispiel Gemüseabfälle der örtlichen Supermärkte als Futter zur Verfügung gestellt. Auch einige Sögeler bringen von Zeit zu Zeit einen Sack Futter vorbei oder stellen eine Schubkarre voll Äpfel vor das Tor.

Den Verein Gnadenhof Melief gründeten Winters und Vermeulen 2003 in Rotterdam. Im Jahr 2006 zogen sie dann aus Platzgründen mit rund 500 Tieren nach Sögel. Die Auffangstation sei nach und nach immer mehr gewachsen, sodass heute mehr als 1300 Hühner, Meerschweinchen, Kaninchen, Ziegen, Schafe, Schweine, Kühe, Gänse, Enten, Schwäne, Voliere-Vögel, Hunde, Katzen, Tauben und Ponys auf dem Hof leben. Seit 2010 ist der Gnadenhof Melief auch in Deutschland ein eingetragener Verein.

Arbeit rund um die Uhr

Seit August 2016 bilden Winters und Vermeulen eine 18-jährige Frau aus Börger zur Tierpflegerin aus. Die beiden Gründer selbst wohnen direkt auf dem Hof. „Wir arbeiten wirklich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Man ist immer auf der Arbeit, immer mittendrin. Da ist es schwer abzuschalten“, findet Winters. Einfach spontan in den Urlaub zu fahren ist da auch nicht so einfach möglich. „Das müssen wir Monate vorher regeln“, erzählt er. Doch gerade die Arbeit mit den Tieren mache ihm besonders viel Spaß.

Unterstützer finden die Tierfreunde nicht nur in Deutschland, sondern auch in Holland und Belgien. Allerdings zieht ihre Arbeit sogar größere Kreise als gedacht, denn im vergangenen Jahr meldete sich eine Frau, die in China arbeitet. Sie rettete dort einen Hund, der geschlachtet und gegessen werden sollte. Jetzt lebt Cookie auf dem Gnadenhof im Rudel. Der nächste neue Bewohner des Hofes steht auch schon fest: Eine ausgesetzte Kuh aus Rhauderfehn soll demnächst auf dem Gnadenhof ihr neues Zuhause finden.


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