Einigung mit Betreiber und Landkreis Windpark Theikenmeer: Nabu zieht Klage zurück


Spahnharrenstätte/Werlte. Der Naturschutzbund (Nabu) hat die Klage gegen die Baugenehmigung des Windparks nahe des Naturschutzgebietes Theikenmeer zwischen Spahnharrenstätte und Werlte zurückgezogen. Die beteiligten Parteien haben am Mittwoch die Einigung mit den Naturschützern auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.

Der Ladkreis hatte am 31. März 2016 der Firma Windstrom mit Sitz in Edemissen im Landkreis Peine den Bau von sechs Windkraftanlagen auf Spahnharrenstätter Gebiet genehmigt. Bauanträge für zwei weitere „Mühlen“ auf Werlter Gebiet liegen vor. Kurz nach Baubeginn im Mai hatte der Nabu, der im Vorfeld der Genehmigung nicht angehört worden war, wegen der Nähe zum Naturschutzgebietskomplexes Theikenmeer/Moorwiesen scharfe Kritik geübt. Die Ortsgruppe Werlte/Sögel der Nabu hatte ermittelt, dass ein Windrad nur etwa 500 Meter von der Grenze des Naturschutzgebietskomplexes entfernt steht, notwendig seien 2000 Meter, weil es sich um einen „hochsensiblen Bereich, der für Wiesen- und Greifvögel sowie nordische Gänse und Schwäne von großer Bedeutung ist“ handelt, hieß es wörtlich.

Ende Juni legte der Nabu dann offiziell Widerspruch gegen die Baugenehmigung ein und drohte mit Verbandsklage vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg. Gleichzeitig wurde beantragt, den sofortigen Vollzug der Genehmigung auszusetzen, um einen Baustopp zu erreichen. Das jedoch erfolgte nicht, die Arbeiten an der Gründung und Aufstellung der Masten gingen weiter. Inzwischen fehlen eigentlich nur noch die Rotorenblätter. Mitte August wurde dann bekannt, dass die drei beteiligten Parteien Gespräche über eine einvernehmliche Lösung der Probleme führen.

Gemeinsame Erklärung der drei Parteien

In einer gemeinsamen Mitteilung von Nabu, Landkreis und Windstrom von Mittwoch, die auf eine Anfrage unserer Zeitung in der vergangenen Woche zurückgeht, bestätigen alle Parteien die Einigung. Wörtlich heißt es: „Zur Vermeidung eines langwierigen Rechtsstreits um die Genehmigung eines Windparks in Spahnharrenstätte wurde eine privatrechtliche Vereinbarung geschlossen, die über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgeht und individuelle Regelungen im Natur- und Umweltschutz trifft.

Aus der Bauleitplanung geht hervor, dass Windstrom bereits bei Genehmigung etwa 700.000 Euro als Kompensationszahlung zu entrichten hat. In den jetzt erfolgten Gesprächen wurde vereinbart, dass Windstrom zusätzlich geeignete Flächen im Bereich des Theikenmeeres naturnah gestalten lassen muss. Details zu Summen und Flächen werden in der Mitteilung nicht genannt, dürften sich aber auch im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich bewegen, so dass insgesamt die Millionengrenze überschritten werden dürfte.

Windräder werden zeitweise abgeschaltet

Hinzu kommen verschärfte Regelungen zum Schutz der Fledermäuse, die der Betreiber zahlen muss. Der Nabu wird in das geforderte zweijährige Fledermausmonitoring unmittelbar eingebunden. Der hierfür erforderliche Gutachter wird einvernehmlich zwischen den Parteien festgelegt, die Ergebnisse des Monitorings werden dem Nabu zur Verfügung gestellt. Zusätzlich zur Arbeit des Gutachters werden Aufnahmegeräte, sogenannte Batcorder, in den Gondeln der Windkraftanlagen installiert. Mit den so gewonnenen Daten werden auch die Abschaltzeiten für die Windräder bestimmt, die insbesondere dann nicht drehen werden, wenn besonders gefährdeter Arten wie der Große Abendsegler dort zu finden sind. Die Zusatzvereinbarungen können dazu führen, dass die Windkraftanlagen (länger als vorher geplant) stillstehen müssen, heißt es in der Mitteilung. Das würde die Rentabilität der Anlagen einschränken. Der Landkreis wird die Einhaltung der getroffenen Vereinbarung beaufsichtigen, heißt es.

Landkreis will Projekte verstärkt unterstützen

Abschließend heißt es. „Der Landkreis und der Nabu haben die Diskussionen um den Windpark zum Anlass genommen, über die bisherigen Entwicklungen im Bereich des Theikenmeeres zu sprechen. Der Landkreis hat zugesichert in diesem Naturschutzgebiet und seiner Umgebung geeignete Projekte zu unterstützen, um die Situation für den Naturschutz weiter zu verbessern.“


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