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50 Künstler auf 25 Bühnen „Kleines Fest“ in Sögel: Ohne Schirm und mit viel Charme


Sögel. Wie im vergangenen Jahr ist das „Kleine Fest im Großen Park“ am Emslandmuseum Schloss Clemenswerth in Sögel bei bestem Wetter über die Bühne gegangen. Sehr zur Freude der etwa 5800 Besucher, die großen Spaß hatten. Spitzenwetter war dabei, ebenso wie viel Herz in einem ausgewogenen Programm.

Entspannt und bei strahlender Sonne fiel am Samstag um 18 Uhr der Startschuss für das „Kleine Fest“ auf Schloss Clemenswerth in Sögel. Die nach Angaben von Landrat Reinhard Winter (CDU) etwa 5800 Besucher auf dem Gelände – 4500 Erwachsene sowie 700 Kinder plus die Helfer – hatten im Vorfeld der beliebten Veranstaltung per Losverfahren Glück gehabt und durften teilnehmen. Sie alle benötigten keinen Hut, keinen Stock und keinen Regenschirm denn es blieb den ganzen Abend trocken.

Und kein womöglich matschiger Boden machte eine Gehhilfe nötig. „Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran“ heißt es weiter in dem Kinderlied, das zur Bewegung animieren soll. Beim „Kleinen Fest“ regten die rund 50 Künstler auf den 25 Bühnen genügend dazu an. Wer nicht gleich nach der kurzen Eröffnungsrede durch Landrat Reinhard Winter beim Auftritt einer der ersten Darsteller auf Trab kam, dessen Puls wurde spätestens bei Santos`Circus Show gefordert – ganz ohne Luft zu holen.

Die nämlich blieb einem fast weg, wenn man dem quirligen Mann aus Venezuela bei seinem Herumgeturne auf vier überneinander gestapelten Stühlen zuschaute. Verstärkt übrigens wurde der Atemlos-Effekt durch die (vermutlich) bewusst in die Show eingebauten Fehler. „Don`t worry! Profesional!“, also Englisch für „Macht Euch keine Sorgen“ und das spanische Attribut, das Katay Santos als echten Fachmann auf seinem Gebiet auszeichnen sollte, war der immer wiederkehrende Schlachtruf auf Bühne Nummer 19. Ein Satz, der bei Santos oft am Abend fiel, Stühle und Vasen, dagegen nicht. Zwei chinesische Keramik-Exemplare, eine größer als die andere, rollten ballgleich über den Körper, den Kopf und die Hände des humorigen Straßenkünstlers. Santos ist die fleischgewordene Hallo-Wach-Tablette mit weltweiter Showerfahrung.

Flügel als Rutsche benutzt

Wahre Könner in Ihrem Metier sind auch Stenzel und Kivits, die mit dem „The impossible Concert“ – dem „unmöglichen Konzert“ – ihre hohe Spielkunst hinter einer Quatschnummer zu verstecken versuchen. Und eines vorab: Dieser Versuch misslang. Auf der schönsten aller Bühnen beim Kleinen Fest zeigten Tiny Van den Eijnden und Wilbert Kivits aus den Niederlanden, wie man aus einem Notenständer, einem Frack mit Gummihänden und einem alten Lautsprecher als Kopf mit Musikkassettenband als Haar den 1921 verstorbenen italienischen Opernsänger Enrico Caruso nachbauen kann. Während die beiden Männer in Frack und Fliege sowie der nachgebaute Caruso eine allerfeinste Version von „O sole mio“ darboten, wurde gestikuliert und grimassiert in der pompösen Allee Nummer zwei, die gesäumt ist von riesigen Bäumen und sanfter Beleuchtung – eine Stimmung, die doch und irgendwie nicht dazu passt, dass ein Profimusiker die Kurven des zwischenzeitlich umgelegten Flügels als Rutsche benutzt. Dieses Konzert ist nicht „impossible“, sondern „very charming“, wenn auch am laufenden Band: „Wir spielen in einer halben Stunde nochmal. Dieselbe Show, dieselben Witze“, sagte Tiny van den Eijnden. So ist das Kleinkunstfest in Sögel. Einmal verortet bleiben die Künstler auf derselben Bühne, manche Acts teilen sich eine und wechseln sich ab.

Wer den ganzen Abend über ab 18 Uhr über das Gelände spaziert, ist der Besucher. Abzuholen gibt es an den fixen Orten unterschiedliche Erlebnisse. Die Wege dazwischen versüßen die sogenannten „Walk Acts“. Zwischen den Gebäuden, auf und abseits der Wege, geht es vorbei an bunten Wesen auf Stelzen oder etwa einem eine Plastikkuh reitenden Sänger. Wer schon über Akrobatik gestaunt und Musik genossen hatte, musste eigentlich nur noch zum Lachen gebracht werden.

Applaus für Sascha Korf

Bestens aufgehoben waren Besucher mit diesem Anliegen bei Sascha Korf, vor dessen Bühne der Andrang zunahm, jeder später der Abend wurde. Korf, Komiker, Improvisationskünstler und Schauspieler aus Köln und einigen Besuchern bereits aus Fernsehauftritten bekannt, hielt die ungeduldige Menge bis zum Showstart mit Lokal-Anekdötchen bei Laune. „Ich bin extra schon um 13 Uhr nach Sögel gekommen, damit ich noch einen Stadtbummel machen konnte. Um 13.05 Uhr war ich wieder im Hotel“, stichelte Korf angesichts der im Vergleich zu Köln überschaubaren Größe der Hümmling-Gemeinde. Und in Meppen sei er noch gewesen – langweilig sei es dort, wie er sagt. Eine Flasche Wodka habe er sich dann gekauft und sei zur dortigen SPD-Parteizentrale gegangen und habe sie denen gezeigt: „Das hier sind 30 Prozent!“.

Auch bei der imaginären AfD-Zentrale sei er gewesen. Fotos hätte er dort gemacht. Allerdings sei kein Bild etwas geworden – „alle unterbelichtet“. Gelächter und Applaus – davon bekam Korf jede Menge am Samstagabend, an dem sein Programm regulär darin bestand, aus dem Publikum zugerufenen Wörtern zu einem Thema eine Geschichte zu Stricken, immer mit einem lokalen Anstrich. Die Show von Korf, der selbst mächtig Freude am Spaß hat, ist zu empfehlen, auch abseits des Kleinen Festes, von dem er die Besucher mit großem Dank verabschiedete und am Ende riet: „Haltet immer das Herz auf!“ Ein guter Tipp, den man übrigens nicht nur beim Kleinen Fest beherzigen sollte, denn dort öffnen es einem ja die mit Inbrunst spielenden Künstler.

Taschenkontrollen gefallen nicht jedem

Das abschließende Feuerwerk beendete traditionell das Kleinkunstfest. Für ein wenig Unmut bei den Besuchern sorgten die Taschenkontrollen, die der Veranstalter mit dem Alkohol-Verbot begründet hatte, das ausgesprochen worden war, weil es in den Vorjahren Probleme mit angetrunkenen Gästen gegeben hatte. Kontrolliert wurden in Teilen auch Handtaschen von weiblichen Besuchern und Kinderwagen, berichtete ein Besucher. Einigen sei das sauer aufgestoßen.



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