Stuck- und Malerarbeiten Schlosskapelle Clemenswerth ist Kirche des Monats

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Die Kapelle auf Schloss Clemenswerth ist die Kirche des Monats im August. Foto: Emslandmuseum Schloss ClemenswerthDie Kapelle auf Schloss Clemenswerth ist die Kirche des Monats im August. Foto: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

Sögel. Im Rahmen der Reihe „Kirche des Monats“ wird die Schlosskapelle Clemenswerth in Sögel am Sonntag, 14. August 2016, um 15 Uhr vorgestellt. Der Direktor des Emslandmuseums Schloss Clemenswerth, Oliver Fok, Kapuzinerpater Edmund Kesenheimer und Pfarrer Bernhard Horstmann werden die Teilnehmer durch die Kapelle, durch den Klostergarten und durch die derzeitige Sonderausstellung „275 Jahre Mariä-Himmelfahrts-Messe“ führen.

Fürstbischof Clemens August (1700-1761) ließ durch seinen Architekten Johann Conrad Schlaun (1695-1773) das Jagdschloss Clemenswerth in den Jahren 1737 bis 1747 für seine und seiner Gäste Leidenschaft erbauen. Zugleich war es sein Wunsch, dass in der Anlage eine Schlosskapelle und ein Kapuzinerkloster Unterkunft finden sollten. Das Kirchengebäude wurde in gleicher Art, wie die übrigen Pavillons erbaut. Einzig der Glockenturm und die Kirchenuhr verweisen auf die besondere Funktion des Gebäudes. Papst Clemens XII. gestattete die Klostergründung und am 15. August 1739 kamen die ersten drei Patres und ein Bruder nach Schloss Clemenswerth.

Die Kapelle wurde am 15. August 1741 der Mariä-Himmelfahrt und dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jagd, geweiht. Papst Benedikt XIV. machte die aus den römischen Katakomben gehobenen Gebeine des heiligen Fructuosus, einem Märtyrer, Clemens August zum Geschenk. Über Münster und Meppen waren sie in einem extra hierfür gefertigtem Silbersarg unter Beteiligung einer großen Prozession von Tausenden von Menschen, Fahnenträgern und Pastoren aus dem ganzen Umkreis nach Clemenswerth gebracht worden. Die Reliquie wurde unter dem Hochaltar der Schlosskapelle beigesetzt.

Achttägiger freier Markt

Anlässlich dieser Ereignisse stiftete der Fürstbischof dem Ort Sögel einen achttägigen freien Markt, der jedes Jahr wiederholt werden sollte. Die 275. Mariä-Himmelfahrts-Messe findet am Sonntag, 21. August 2016 um 10 Uhr mit Bischof Dr. Franz-Josef Bode statt.

Die Kapelle von Schloss Clemenswerth wird auch als die nördlichste bayerische Rokokokapelle bezeichnet, da ihre reiche Ausgestaltung an katholische Kirchen in Bayern erinnert. Das Altarbild des Hauptaltars zeigt den heiligen Hubertus. Zwei Altar-Skulpturen stellen den heiligen Eustachius und den heiligen Georg dar. Über dem Hauptaltar thront im weißen Stuck Gottvater. Unter ihm im Strahlenkranz, von einem Rundfenster erleuchtet, erscheint der heilige Geist in Gestalt einer Taube. Darunter, zwischen Altarbild und heiligen Geist, befindet sich das Wappen des Fürstbischofs Clemens August, sozusagen als Mittlerposition zwischen Himmel und Erde.

Mehr als 120 Engel im Stuck

Das im Goldrahmen gefasste Deckenfresko stellt die Aufnahme Mariä in den Himmel dar. Es wurde erstellt von dem aus Bologna stammenden und in Norditalien viel beschäftigten Maler Vittorio Bigari (1692-1776). Das Fresko zeigt einen von vielen Figuren durchbrochenen Wolkenhimmel, in dem die Muttergottes von Engeln und Putten begleitet, dem Gottessohn entgegenschwebt. Die Stuckarbeiten sind eng verbunden mit der Malerei der Wände, so dass der Übergang fließend ist und man sehr genau hinsehen muss, wo Stuck aufhört und Malerei beginnt. Mehr als 120 Engel sind im Stuck zu zählen, die das Hohelied der Marienverehrung, der lauretanischen Litanei, anstimmen. Über Fenster und Türen sind in Freskomalereien für Franziskaner und Kapuziner wichtige Heilige dargestellt.

Loge von Clemens August

Dem Altar gegenüber befindet sich auf der Westseite die Loge von Clemens August mit anschließendem privaten Andachtsraum und Nebenaltar. An der Nordseite befindet sich ein Orgelprospekt hinter dem in einem separaten Raum das Orgelwerk untergebracht ist. Über ein Sichtloch im Fries konnte der Organist den Ablauf der Messe verfolgen. Heute geschieht dies über eine Kamera.

Das sich der Kapelle anschließende Kapuzinerkloster war für bis zu zwölf Kapuziner ausgerichtet und hatte die Aufgabe einer Missionsstation. Sie sollte den christlichen Glauben im damaligen Niederstift Münster, am Rande des Machtbereiches von Clemens August und des römisch-katholischen Einflusses, festigen und als Bollwerk gegen den nahen Protestantismus dienen.

Seelsorge, Bildung und Unterstützung in der Not

Die Kapuziner sind im 16. Jahrhundert als Bettelorden aus dem Orden des heiligen Franziskus entstanden. Zu ihren Aufgaben gehören die Seelsorge, die Bildung und die Unterstützung von Menschen in Not. Im Klostergarten wurden einst Gemüse und Kräuter für die Eigenversorgung angebaut. Ein Obstbaumgarten ist heute nach alten Plänen nachgepflanzt worden.


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