Umweltminister übergibt Urkunde Hümmling im Emsland offiziell zum Naturpark erklärt



Sögel. Mit einem Festakt im Clemenswerther Hof in Sögel ist am Mittwoch der Naturpark Hümmling offiziell gestartet worden. Im Beisein der Bürgermeister aller beteiligten Städte und (Samt-)Gemeinden übergab Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel die Anerkennungsurkunde.

So oft kommt es nicht vor, dass Wenzel Naturparks eröffnen muss. 2006 war der bisher letzte Naturpark eröffnet worden, ebenfalls im Emsland mit dem Bereich Bourtanger Moor-Bargerveen, davor im Jahr 1984. „Insofern handelt es sich hier um einen durchaus historischen Moment“, sagte Wenzel am Mittwoch in Sögel bei der Eröffnung des laut Minister niedersachsenweit 17. Naturparks vor etwa 50 geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung, Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft. In einem im Juli vom Ministerium herausgegebenen Magazin, der alle 17 Naturparks im Land vorstellt, ist der Hümmling bereits auf vier Seiten dargestellt und wird dort unter der Überschrift „Beten mit den Füßen“ beworben. „44000 weitere Menschen haben nun das Privileg, in einem Naturpark wohnen zu dürfen. Das ist ein echtes Qualitätsmerkmal“, sagte Wenzel.

Die Idee, den insgesamt 57.700 Hektar großen Hümmling im Nordosten des Landkreis Emsland, davon 23.900 Hektar Natur- und Landschaftsschutzgebiete, zu einem Naturpark zu machen, stammt aus dem Jahr 2010. Ziel ist eine Weiterentwicklung der Natur und Landschaft, aber auch des Tourismus und der Wirtschaft.

Waldbesitzer klagen gegen Landschaftsschutz

Dass sechs Jahre vergingen, bis tatsächlich eine Anerkennungsurkunde übergeben werden konnte, lag insbesondere an Protesten von Waldbesitzern, die sich mit zwei Sammelklagen vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) gegen die Ausweisung von Waldgebieten als Landschaftsschutzgebiet wehrten ( wir berichteten ). Entsprechend fehlten beim Festakt auch eingeladene Waldvertreter wie beispielsweise Winfried Frölich, Geschäftsführer der Arenberg-Meppen GmbH, der ein Großteil der Waldflächen auf dem Hümmling gehören.

8Weiterlesen: Trotz Klagen: Naturpark Hümmling geht an den Start)

Auch Jutta Over, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes (NABU) Emsland/Grafschaft Emsland, bekräftigte am Rande der Veranstaltung die Kritik am zeitlichen Ablauf der Anerkennung. „Wir hätten uns gewünscht, dass vor einem offiziellen Start zunächst die naturnahe Weiterentwicklung des Hümmlings vorangetrieben wird, beispielsweise, indem statt der derzeit vorherrschenden Nadelbäume Eichen oder Birken angepflanzt werden. Ansonsten entsteht eine Mogelpackung.“

Landrat bekräftigt eingeschlagenen Weg

Landrat Reinhard Winter vergaß in seiner Begrüßungsrede nicht, die Klagen und die lange Verfahrensdauer zu erwähnen, bekräftigte aber, dass der Weg richtig sei. „Wir freuen uns, jetzt diesen finalen Schritt gegangen zu sein und werden alles tun, um mit der Naturparkplanung den Rohdiamanten Hümmling zum Glänzen zu bringen.“ Die Landschaft sei geprägt durch sanfte Hügel, ausgedehnte Wälder, Moore, kleine Flüsse und Heiden. Räumlich begrenzt wird der Naturpark Hümmling im Westen durch die Ems, im Süden durch die Hase, im Norden durch den Küstenkanal und im Osten durch die Landkreisgrenze.

( Weiterlesen: Land will Naturpark Hümmling genehmigen )

Kulturell spielen das Schloss Clemenswerth, Mühlen wie die älteste der Region in Hüven, die Straße der Megalithkultur mit uralten Grab- und Findelsteinen, dem Hümmlinger Pilgerweg oder die Gedenkstätte Esterwegen eine bedeutsame Rolle. Natur und Kultur sollen nun mit Fördermitteln touristisch besser erschlossen werden, beispielsweise durch Aussichtspunkte, Informationsstelen, Schildern, Broschüren oder Internetangeboten. Natur- und Landschaftsführer und Botschafter sollen den Menschen die Natur erklären – „auch der Einheimischen“, sagte Winter.

Geschäftsstelle läuft seit April

Bereits seit April, also mehr als vier Monate vor Übergabe der Anerkennungsurkunde, gibt es im Kreishaus in Meppen eine Geschäftsstelle, in der Projektmanagerin Hanna Brunsen bereits erste Dinge angeschoben hat. Der Geschäftsführer der Emsland Touristik GmbH, Uwe Carli, dem die Geschäftsstelle unterstellt ist, bekräftigte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass selbst bei einer Niederlage vor dem OVG der Naturpark nicht gestoppt werden würde. „Der Naturpark ist nun offiziell anerkannt. Selbst wenn wir Anpassungen vornehmen müssen, weil die Waldgebiete nicht wie geplant als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden können, verbleiben 20 Prozent der Fläche, die bereits unter Schutz steht. Es gibt Naturparks, die mit diesem Prozentsatz auskommen.“ Auch beim Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen habe es einst große Proteste gegeben. „Die sind längst Geschichte. Und ich bin mir sicher, wir bekommen es auch diesmal gemeinsam hin“, sagte Carli.

( Weiterlesen: Trägerverein Naturpark Hümmling gegründet )


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