Trotz zwei laufender Klagen Naturpark Hümmling geht offiziell an den Start

Wald auf dem Hümmling: Unser Bild zeigt einen Blick vom Aussichtsturm Surwolds Wald über die Landschaft des Hümmlings. Foto: Gerd Schade/ArchivWald auf dem Hümmling: Unser Bild zeigt einen Blick vom Aussichtsturm Surwolds Wald über die Landschaft des Hümmlings. Foto: Gerd Schade/Archiv

Sögel. Ministerbesuch hat sich für den kommenden Mittwoch in Sögel angesagt: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel lässt es sich nicht nehmen, den offiziellen Start des Naturpark Hümmling zu verkünden. Dabei sind weiterhin zwei Klagen vor dem Oberverwaltungsgericht anhängig.

Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz hat den Naturpark offiziell anerkannt, wird Wenzel im Clemenswerther Hof bei einem Festakt gemeinsam mit Landrat Reinhard Winter verkünden. „Diese Anerkennung ermöglicht es uns nun, für den Hümmling eine nachhaltige Regionalentwicklung voranzutreiben“, heißt es in der Einladung zu dem Festakt. Er beginnt um 10 Uhr. Erwartet werden neben Wenzel und Winter auch Landtagspräsident Bernd Busemann, die Bürgermeister der Hümmling-Gemeinden und andere Ehrengäste. Beim Naturpark geht es neben einer kommunenübergreifenden Weiterentwicklung und Erhalt der Natur insbesondere um touristische Projekte. Für einen Naturpark können erhebliche Fördermittel abgegriffen werden.

Die offizielle Anerkennung erfolgt nun, obwohl vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) weiterhin zwei Klagen anhängig sind. Das bestätigte die Pressesprecherin des Gerichtes in Lüneburg, Michaela Obelode, auf Anfrage. „Der 4. Senat des OVG beschäftigt sich mit zwei Normenkontrollanträgen. Sie richten sich gegen die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) ,Waldgebiete auf dem Hümmling‘“, teilt die Sprecherin mit. Die Verfahren seien nach wie vor anhängig. „Ein Termin zur mündlichen Verhandlung ist derzeit nicht absehbar“, so Obelode. Nach Informationen unserer Redaktion dauern Entscheidungen vor dem OVG, insbesondere wegen zahlreicher Verfahren im Zusammenhang mit Windenergie, derzeit zwei bis drei Jahre. Weil beide Verfahren aus dem Jahr 2015 stammen, dürfte es frühestens nächstes Jahr zu einer Entscheidung kommen.

Etliche Waldbesitzer an Klage beteiligt

Ende April 2016 hatte es bei einer Veranstaltung mit dem Ersten Kreisrat Martin Gerenkamp geheißen, der 2014 gegründete Trägerverein verzichte wegen der anhängigen Klagen vorerst auf die Erstellung des notwendigen Naturparkplans.

Winfried Frölich, Privat-Forstdirektor und Geschäftsführer der Arenberg-Meppen GmbH, dem große Teile der Wälder auf dem Hümmling gehören, berichtet von „etlichen Waldbesitzer“, die sich an den Klagen gegen das LSG beteiligt haben. „Das Landschaftsschutzgebiet ,Wälder auf dem Hümmling‘ besteht aus dutzenden Teilgebieten. Die Gebiete des Naturparks und des Landschaftsschutzgebietes sind nicht immer identisch“, erklärt Frölich.

Generelle Vorbehalte gegen einen Naturpark Hümmling und damit einer touristischen Entwicklung habe die Gemeinnützige Forst- und Grundbesitzverwaltungs-Gesellschaft nicht. Ein LSG hätte allerdings Folgen für die wirtschaftliche Verwendung der Wälder, also bei der Entnahme von Holz. Aus den laufenden Gerichtsverfahren sind Frölich keine neuen Erkenntnisse bekannt.

Geschäftsstelle im Kreishaus eingerichtet

Beim Landkreis sind bereits seit April zahlreiche Schritte im Zusammenhang mit dem Naturpark Hümmling eingeleitet worden. Dazu gehört die Einrichtung einer Geschäftsstelle für den Naturpark im Kreishaus, die seit April über eine festangestellte Mitarbeiterin verfügt. Sie ist der Emsland Touristik GmbH untergeordnet, deren Geschäftsführer Uwe Carli und seinem zehnköpfigen Team (inklusive Auszubildender) bereits intensive Erfahrungen bei der Errichtung des Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen gesammelt haben. Auf diese Erfahrungen soll die „Produktmanagerin“, so die offizielle Bezeichnung, bei der Erstellung des Naturparkplans für den Hümmling gesetzt werden. Er soll aus mehr als 40 Projekten bestehen.

Bereits beantragt und auch genehmigt ist zudem die Gemeinnützigkeit des Naturpark-Trägervereins, bestätigte Anja Rohde, Sprecherin des Landkreises, auf Anfrage. „Bereits besprochen mit den einzelnen Mitgliedsgemeinden seien „Handlungsansätze, außerdem wurden Natur- und Gästeführer ausgebildet“, berichtet Rohde.

Gremien sollen bis Jahresende stehen

Derzeit vorbereitet und bis zum Jahresende sichtbar werden sollen desweiteren die Einrichtung der Gremien, eine Gestaltungslinie mit Logo für die Naturpark-Kommunikation, möglichst auch schon Naturpark-Prospekt und Internetseite, eine Zertifizierung von Wanderwegewarten durch den Deutschen Wanderverband im September als Grundlage für ein zu entwickelndes Wanderangebot im Naturpark Hümmling.


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