Gemeinde lädt ein Architektur der Sögeler Markuskirche steht für Gottesbeistand

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Einst war die Markuskirche in Sögel als Notunterkunft geplant. Foto: Markuskirchengemeinde SögelEinst war die Markuskirche in Sögel als Notunterkunft geplant. Foto: Markuskirchengemeinde Sögel

Sögel. Die evangelisch-lutherische Markusgemeinde widmet sich dem Grundgedanken der Integration Zugezogener. Dieser Anspruch findet sich auch in der Architektur der 1950 gebauten Kirche wieder, die die Gemeinde am Sonntag vorstellt.

Derzeit hat die Markusgemeinde rund 2400 Gemeindemitglieder und hat eine Fläche von 285 Quadratkilometern. Sie umfasst die Samtgemeinde Sögel – außer Spahnharrenstätte – sowie Neubörger und Börgerwald. Im Jahr 2001 wurde die Markuskirche durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalschutz in den Status eines Baudenkmals erhoben. Die Gemeinde bietet am Sonntag, 12. Juni, ab 15 Uhr ein musikalisches Programm an, und Pastor Matthias Voß wird die architektonische Kirchenführung moderieren. Vertreter der Kirchengemeinde stellen Arbeitsbereiche vor, und die Gemeinde lädt zu Kaffee, Kuchen und Getränken ein.

Von 50 auf 1200 Gemeindemitglieder nach 2. Weltkrieg

Als nach dem 2. Weltkrieg durch den Zustrom der Menschen, die vorwiegend aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und dem Warthegau als Flüchtlinge ins Emsland gelangten, die Zahl der Gemeindemitglieder erstmals von zuvor circa 50 sprunghaft auf über 1200 Menschen anstieg, wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche immer dringender. Bis zum Baubeginn behalf sich die Gemeinde mit ihren Gottesdiensten mit verschiedenen Räumlichkeiten, vor allem auch die katholische Pfarrgemeinde stellte damals uneigennützig ihre Kirche für evangelische Gottesdienste zur Verfügung - schon damals wurden die Weichen für das heute zu verzeichnende sehr gute ökumenische Miteinander vor Ort in entscheidender Weise gestellt.

Kirchenbau startete 1950

Im Jahr 1950 konnte dann mit dem Kirchbau begonnen werden, sodass die Markuskirche nach beispiellosem freiwilligem Arbeitseinsatz vieler Gemeindemitglieder und mit Unterstützung der amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbundes am 14. August 1950 durch den damaligen Landessuperintendenten mit den Worten „Darum behütet aufs Fleißigste eure Seelen, dass ihr den Herrn, euren Gott, lieb habet“ (Jos 23,11) geweiht wurde.

Einst als Notkirche geplant

Das vom eng mit dem Bauhaus verbundenen Architekten Otto Bartning erarbeitete Gemeindezentrum war als Notkirche mit viel Holzmaterialien geplant und modularer Bauweise gebaut worden. Theologisch liegt dem zeltförmig gestalteten Zentralbau mit seinen 250 Sitzplätzen das Motiv der im Alten Testament beschriebenen Stiftshütte zugrunde. Im Alten Testament Mahnung an das wandelnde Gottesvolk auf Erden – in der jungen Flüchtlingsgemeinde Sögel Symbol für den Beistand Gottes in der Fremde.

Ruheständler aus Nordrhein-Westfalen und Spätaussiedler

Dem Grundgedanken des Kirchenbaus fühlt sich die Markusgemeinde bis zum heutigen Tag in ihrer Arbeit verpflichtet. Sie bleibt eine Gemeinde, die sich der Integration zugezogener Menschen widmet: Bereits in den 1980er Jahren begann die Gemeindemitgliederzahl stetig zu wachsen. Zunächst zogen viele Ruheständler aus Nordrhein-Westfalen in die Region, um auf dem Hümmling sesshaft zu werden. Nach dem Fall der Mauer kamen dann Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, vorwiegend aus Kasachstan und Sibirien dazu, um hier eine neue Heimat zu finden. Und auch in der Gegenwart bleibt diese geistliche wie diakonische Aufgabe der Gemeinde angesichts des neu einsetzenden Zustroms geflüchteter Menschen vor Ort bestehen.

Drei lutherische Gemeinden bis 1944 im Emsland

Im Emsland gab es bis 1944 drei lutherische Gemeinden: Lingen seit 1728, Meppen seit 1842 und Papenburg seit 1859. Und so hatte auch das evangelische Gemeindeleben im Gemeindebezirk Sögel bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges keine große Bedeutung. Die wenigen evangelischen Christen des Seelsorgebereichs aus Sögel, Wahn, Werpeloh, Waldhöfe, Eisten, Hüven, Groß- und Klein Berßen sowie Groß- und Klein Stavern wurden zur Muttergemeinde Papenburg gerechnet, bildeten aber schon damals eine selbstständige Kapellengemeinde mit eigenem Vorstand und eigener Verwaltung.


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