Von Aleppo nach Sögel Flüchtlingsbeauftragter berichtet über seinen Neuanfang

Dawood Ammar ist bei der Samtgemeinde Sögel als Flüchtlingsbeauftragter beschäftigt. Mit seiner Familie konnte er aus Syrien nach Deutschland flüchten und hat in Sögel eine neue Lebensperspektive gefunden. Foto: Samtgemeinde SögelDawood Ammar ist bei der Samtgemeinde Sögel als Flüchtlingsbeauftragter beschäftigt. Mit seiner Familie konnte er aus Syrien nach Deutschland flüchten und hat in Sögel eine neue Lebensperspektive gefunden. Foto: Samtgemeinde Sögel

Sögel. Ammar Dawood (31) ist bei der Samtgemeinde Sögel als Flüchtlingsbeauftragter beschäftigt. Er ist wie viele seiner Landsleute aus Syrien im Herbst 2014 vor dem Krieg geflohen, um in Deutschland ein sicheres Leben führen zu können.

„Ich sah für mich und meine Ehefrau in meiner Heimatstadt in Aleppo keine Perspektive“, begründete er die Entscheidung zur Flucht. Seine Frau (26) war hochschwanger mit Zwillingen. Die Stadt Aleppo war bereits schwer betroffen von den Kriegswirren in Syrien, als Dawood sich zur Flucht entschied.

Aleppo hatte keine funktionierende Infrastruktur mehr. Es gab weder Strom noch fließend Wasser. „Keine guten Bedingungen, um meine Kinder großzuziehen.“ Ständig mit dem Tod konfrontiert zu werden, gehörte zum Alltag Dawoods. Er habe Freunde und Familienangehörige im Krieg verloren. Seine ganze Familie habe sich in verschiedenen Himmelsrichtungen auf die Flucht begeben. Die Eltern und die Schwestern sind vor vielen Jahren nach USA umgezogen. Ein weiter Bruder ist in Norwegen und ein in Saudi-Arabien.

Dawood zog es nach Deutschland. Über Verwandtschaft fand er den Kontakt nach Sögel. Einem Monat vor der Geburt der Zwillinge nutzte Ehefrau Awatef Dawood per Flugzeug eine Gelegenheit nach Deutschland zu fliehen. Hier wurde sie von Verwandten in Bremen am Flughafen empfangen und nach Sögel gebracht. Ammar selbst konnte erst vier Wochen später folgen, ist aber rechtzeitig zur Geburt der Tochter Najwa und des Sohnes Yahya in Sögel eingetroffen.

Er musste alles zurücklassen. Was aus seiner Wohnung, seinem Auto und seinen sonstigem Eigentum geschehen ist, kann er nur erahnen. Seinen Beruf als Finanzangestellter musste er aufgeben. Dennoch hat er seinen Kopf nicht hängen lassen: „Wir machen das für unsere Kinder. Sie sollen in einem kriegsfreien Umfeld aufwachsen.“ Er hat einen Deutschkurs belegt. Die deutsche Sprache fällt ihm nicht schwer, wie er meint. Per Zufall traf er beim Einkaufen auf den Flüchtlingsbeauftragten Johannes Brachem, der eine syrische Familie beim Ersteinkauf in einem Sögeler Discounter begleitete. Spontan half er Brachem beim Übersetzen. Fortan stand er Brachem ehrenamtlich für weitere Dolmetschertätigkeiten zur Seite.

Das neu aufgelegte Programm im Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge kam dann für die Samtgemeinde Sögel gerade recht, um Dawood eine befristete Anstellung anbieten zu können. Jetzt ist er täglich mit Brachem im Einsatz, um seine Landsleute und weiteren Flüchtlingen das Ankommen in der Samtgemeinde Sögel zu erleichtern.

„Ich bin froh, dass ich diese Aufgabe gefunden habe. Wenngleich ich jetzt beruflich wieder von ganz unten anfangen muss, bin ich glücklich, für mich und meine Familie eine Lebensperspektive gefunden zu haben.“ In einer Wohnung in Sögel konnte er mit seiner Frau ein kleines eigenes Zuhause einrichten. „Die Möbel haben wir günstig gebraucht kaufen können – wir sind zufrieden.“


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