Sterbehilfe Thema in Sögel Connemann: Es darf kein Geschäft mit dem Tod geben

Über das Thema „Streben in Würde“ diskutierten in Sögel Michael Strodt, Martina Mensen, Gitta Connemann und Dr. Heinrich Lange.

            
In der Mitte die Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Sögel, Heike Pracht. Foto: Ingrid CloppenburgÜber das Thema „Streben in Würde“ diskutierten in Sögel Michael Strodt, Martina Mensen, Gitta Connemann und Dr. Heinrich Lange. In der Mitte die Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Sögel, Heike Pracht. Foto: Ingrid Cloppenburg

Sögel. „Sterben in Würde“ war das Thema einer Diskussionsveranstaltung des CDU-Ortverbandes Sögel. Teilnehmer waren der Palliativmediziner Dr. Heinrich Lange, der Theologe und Vorsitzende des Sögeler Hospiz-Vereins, Michael Strodt, die Leiterin des Palliativstützpunktes Nördliches Emsland, Martina Mensen, und die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann.

„Wie können wir eigene Ängste überwinden und uns dem Thema Sterben in einer Art Trauer-Kultur angemessen zuwenden?“ fragte Michael Strodt angesichts der Befangenheit beim Thema Sterben und Tod.

Connemann wies darauf hin, dass der Bundestag im November über vier Anträge zur Suizidbeihilfe abstimmen werde. „Es ist für uns alle eine höchst persönliche Entscheidung. Deshalb gibt es kein Richtig oder Falsch. Diese Veranstaltung hilft mir bei der Entscheidungsfindung“, so die Abgeordnete.

Sie gab Informationen über die derzeitige gesetzliche Regelung in Deutschland und den übrigen EU-Staaten. Und sie stellte die vier Gruppenanträge vor, die im November im Bundestag beraten werden sollen. „Wir sind uns weitgehend einig: Es darf kein Geschäft mit dem Tod geben. Aber die Frage ist, ob Beihilfe zur Selbsttötung erlaubt sein soll.“ Es liege jetzt der Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland vorund das sei gut. „Wir brauchen mehr und intensivere Palliativ- und Hospizangebote.“

Strodt und Mensen sprachen sich gegen eine Ausweitung der bestehenden Gesetzesregelung aus und forderten den Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizarbeit. Nötig sei auch eine Enttabuisierung von Sterben und Tod in der Gesellschaft. Wichtig sei ein lebenslanges Einüben in das Sterben.

Insbesondere wandte sich der Theologe Michael Strodt gegen die Formulierung eines selbstbestimmten Sterbens: „Ich bin skeptisch, ob es Selbstbestimmung in dem Sinne überhaupt gibt. Wann kann ich sicher sein, selbst zu entscheiden oder doch von meinen Schmerzen, Ängsten oder anderen Menschen fremdbestimmt zu sein?“ Die vielen Sterbebegleitungen habe er als Geschenk empfunden. Dabei sei ihm deutlich geworden, „wie gut es ist, auch im Sterben noch Zeit zum Lernen und Lachen zu haben, Zeit zum Loslassen und zum Vergeben. Sterben als Teil des Lebens zu begreifen, hat unsere Gesellschaft leider verlernt. Ich will in dem Land, in dem ich lebe, nicht zum Sterben genötigt werden“, so Strodt.

Wie ein Sterben in Würde und auch in den meisten Fällen ohne Schmerzen möglich ist, erläuterten Martina Mensen vom Palliativstützpunkt und Dr. Lange als Palliativmediziner. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, einen würdevollen Tod zu ermöglichen. Mit den Sterbenden mitzugehen, ist eine Aufgabe für uns alle. Dabei spielen dann letztlich die Schmerzmedikamente eine untergeordnete Rolle, so Lange. Er machte deutlich, dass die Palliativmedizin bisher noch viel zu wenig bekannt sei, auch bei Ärzten und Pflegepersonal, und sprach sich dafür aus, dass Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime ihre palliative Kompetenz erweiterten. Wichtig sei ihm auch, es den Menschen zu ermöglichen, Zuhause zu sterben. Lange sieht es als ärztliche Pflicht an, einen Menschen, der im Sterben liegt, auch sterben zu lassen.

Sterbeprozess und Tod sieht Mensen als ein Hineingeborenwerden in eine neue Situation „Ein Leben möchte auch zu Ende gelebt werden. Ich plädiere dafür, dem Leben eine Chance zu geben: Leben bis zuletzt. Auch den Kindern sollte eine Chance gegeben werden, den Eltern in dieser Phase etwas zurückzugeben“, so Mensen.