Sozialer Wohnungsbau geplant Sögeler Genossenschaft will Flüchtlingshäuser bauen

In der Samtgemeinde Sögel formiert sich ein breites Bündnis für die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft. Symbolfoto: dpaIn der Samtgemeinde Sögel formiert sich ein breites Bündnis für die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft. Symbolfoto: dpa

Sögel. In der Samtgemeinde Sögel formiert sich ein Bündnis für die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft. Vertreter aller im Gemeinde- und Samtgemeinderat vertretenen Parteien, der Wirtschaftsverband Sögel, einzelne Unternehmer, die kath. und evangelische Kirche und verschiedene Vereine wollen Mehrfamilienhäuser bauen, um den Flüchtlingszustrom zu bewältigen.

Das teilte der Sprecher der Initiative, Franz Klawitter mit, der in Sögel als Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung tätig ist. Am kommenden Mittwoch, 9. September, findet die Gründungsversammlung der „Willkommen in Sögel eG – Bürgergenossenschaft für Menschen in Not“ statt. Man wolle auch die Bürgerschaft miteinbeziehen und kurzfristig starten.

Der Samtgemeinde (SG) Sögel, die bisher knapp 150 Asylbewerber aufgenommen hat, werden nach bisherigen Schätzungen der SG bis Januar nochmals bis zu 100 Flüchtlinge zugewiesen. Nachdem das ehemalige Rathaus ab der nächsten Woche mit 28 Flüchtlingen aus dem Sudan voll belegt ist, bereiten sich die Verwaltung derzeit auf den Bau einer Wohncontaineranlage in Sögel und auf die Belegung des ehemaligen Jugendgästehauses in Börger vor. Außerdem hat die Samtgemeinde Sögel nach eigenen Angaben weitere sechs Privatwohnungen angemietet.

Alle Verantwortlichen seien sich darüber einig, dass es angesichts von Not, Elend, Krieg und Flucht dringend politischer Weichenstellung auf internationaler und europäischer Ebene bedürfe. Noch sei der Zustrom nach Deutschland verkraftbar, „auf Dauer aber werden wir bei ungebremstem Zustrom keine breite Unterstützung in der Bevölkerung behalten. Ungeachtet dessen können wir jetzt und heute nicht wegschauen, sondern müssen einfach etwas tun“, sagt der 55-jährige Zahnarzt. Die derzeit vielfach provisorische Unterbringung von Männern, Frauen und Kindern könne kein Dauerzustand bleiben.

Klawitter ruft daher gemeinsam mit Vertretern von Politik, Wirtschaft und Kirchen zu einem Bürgerbündnis auf. „Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage und aus menschlicher und christlicher Verantwortung appelliert er an die Bevölkerung in der Samtgemeinde Sögel, sich in einer Bürgergenossenschaft zu engagieren, um sehr zeitnah angemessenen Wohnraum für Flüchtlinge zu bauen.“ Die Gemeinde Sögel habe bereits zugesagt, einer Bürgergenossenschaft Grundstücke für Wohnbauprojekte zur Verfügung zu stellen und selbst Genossenschaftsanteile zu erwerben. Das gelte auch für die Samtgemeinde Sögel und die Kirchen. In den bisherigen Vorgesprächen, so Klawitter, hätten darüber hinaus zahlreiche Unternehmer und private Bürger signalisiert, der Genossenschaft beizutreten und Kapital zur Verfügung zu stellen.

„Wir wollen mit dem Geld die dringend benötigten Wohnungen bauen, das Kapital insoweit sinnvoll anlegen und jedem Genossen seinen Genossenschaftsanteil auch adäquat verzinsen. Bürger, Vereine, Verbände und Unternehmen können bereits ab einem Genossenschaftsanteil von 100 Euro Mitglied werden.“ Das Konzept sehe die Errichtung von Wohnungen in Massivbauweise vor, die eines Tages auch als Wohnungen für sozial Benachteiligte zur Verfügung stehen können. „Insoweit glauben wir auch an die Nachhaltigkeit des Projektes“, so Klawitter.

Begleitet wird die Genossenschaftsgründung vom Genossenschaftsverband Weser-Ems und den örtlichen Geldinstituten. „Wir arbeiten seit etwa drei Monaten mit Fachleuten und Architekten an dem Projekt und werden am Mittwoch die Genossenschaft formell gründen“, so Klawitter. Er richtet seinen Appell an die Bevölkerung, sich mit der Idee auseinanderzusetzen und lädt als Vertreter der Genossenschaft zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 17. September 2015 um 20 Uhr in den Clemenswerter Hof in Sögel ein.


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