Sieben Stolpersteine gesetzt Sögel gedenkt Schicksal der Familie Jacobs

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Sögel. Die Elftklässler des Leistungskurses Geschichte des Sögeler Hümmling-Gymnasiums lasen Texte, während der Künstler Gunter Demnig die Steine in den Gehweg setzte. Sie erinnern an sieben Sögeler Bürger jüdischen Glaubens, die von den Nazis ermordet wurden.

Ein weiterer Ort der Erinnerung existiert jetzt in Sögel: An der Sigiltrastraße stecken seit Donnerstag sieben Stolpersteine in der Erde. Der Künstler Gunter Demnig legte sie am morgen in die Pflasterung des Gehweges.

Bürgermeisterin Irmgard Welling erinnerte an die Bewohner des Hauses der Sigiltrastraße 6, das heute nicht mehr steht. Alle sieben Mitglieder der Familie Jacobs wurden von den Nazis deportiert und ermordet. Während Vater und Mutter, Jacob und Bertha Jacobs, in Theresienstadt umkamen, wurden die Söhne David, Jordan, Gerson und Philip allesamt in Riga umgebracht. Die Tochter Rosa flüchtete in die Niederlande, wurde aber in Westerbork festgenommen und nach Theresienstadt gebracht. Ums Leben kam sie später in Auschwitz. „Die Möbel der Familie wurden verbrannt“, sagte Welling. Jedes Familienmitglied hat nun einen eigenen Stolperstein. Die Namen stehen nun auf den bronzefarbenen Steinen, die seit 2011 in der Gemeinde Sögel verlegt werden. Einige Dutzend der kleinen Mahnmale gibt es bereits im Gemeindegebiet.

„Die Jahre der menschenverachtenden nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland und deren Opfer sind ein nicht auszulöschender Teil deutscher Geschichte“, sagte Welling. Es gebe keine kollektive Schuld am Genozid, aber dafür eine kollektive Verantwortung für die Erinnerung und die Gestaltung der Zukunft. Die Stolpersteine und auch die Erinnerungen an Ravensbrück, dargestellt durch Vorträge der Schülerinnen und Schüler, seien ein Teil dieses Erinnerns. Durch die Stolpersteine würde den Menschen, die in den Lagern nur noch Nummern gewesen seien, ihre Identitäten zurückgegeben, sagte Welling weiter.

Die Schüler des Hümmling-Gymnasiums, die sich im Unterricht ausführlich mit der Nazivergangenheit und dem Völkermord an den Juden beschäftigen, umrahmten die Aktion mit Beiträgen zum Thema. Sie hatten sich mit dem Konzentrationslager Ravensbrück in Brandenburg, dessen Befreiung am 30. April 1945 stattfand, befasst und darüber berichtet. So wurde auch ein Gedicht einer Insassin aus Ravensbrück vorgetragen. Nach ihren Beiträgen legten die Schüler – wie zahlreich erschienene weitere Gäste und Bürger auch – Blumen an den Stolpersteinen ab.

Einen Dank sprach Bürgermeisterin Welling an die Schüler des Leistungskurses und ihre Lehrerin Stina Moorbrink aus: „Sie übernehmen mit Ihrem Handeln Verantwortung“, sagte sie.


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