Ehemann war Palliativpatient Sögelerin fühlte sich gut vorbereitet auf den Tod

Mit einem Pfleger zu sprechen hilft sowohl Angehörigen als auch Patienten, wenn sie mit einer unheilbaren Krankheit im Alltag umgehen müssen. Symbolfoto: dpaMit einem Pfleger zu sprechen hilft sowohl Angehörigen als auch Patienten, wenn sie mit einer unheilbaren Krankheit im Alltag umgehen müssen. Symbolfoto: dpa

Sögel. Mehr als ein Jahr lang ist ein Sögeler Ehepaar von den Pflegekräften des ambulanten Palliativdienstes betreut worden. Was bleibt, sind Erleichterung und Dankbarkeit – obwohl der Mann seine unheilbare Krankheit nicht besiegen konnte.

Sie hatten gelernt, sich mit der Krankheit zu arrangieren. Das erzählt die 76-jährige Sögelerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, heute vom Nierenkrebs ihres Mannes. Bereits vor sieben Jahren hatte er die Diagnose bekommen. Es folgten viele Chemotherapien und Bestrahlungen, und doch verlor er den Kampf gegen die weit fortgeschrittene Krankheit. Seine Frau, die ihn über die Jahre zu Hause pflegte, ist nun erleichtert, dass sein Leiden damit ein Ende genommen hat.

Obwohl die Sögelerin oft „tieftraurig“ ist, wie sie sagt, ist sie heute zufrieden mit dem, was sie und ihr Mann aus dem Leben mit dem Krebs gemacht haben. Zwischen den Behandlungen ließen sie es sich nicht nehmen, in den Urlaub auf Mallorca oder Fuerteventura zu fliegen, wenn es ihm besser ging. Nachdem sich sein Zustand Ende 2013 allerdings stark verschlechterte und er kurzzeitig auf der Palliativstation im Sögeler Hümmling-Hospital behandelt werden musste, war es der ambulante palliative Pflegedienst, der sowohl dem Krebskranken als auch ihr selbst Halt gab, erzählt die 76-Jährige.

Jeden Morgen kam eine der Palliativpflegekräfte, um nach ihrem Mann und ihr zu sehen. „Es wurde zur Routine, dass er immer eine kleine Streicheleinheit von der Schwester bekam“, erinnert sich die gebürtige Rheinländerin, die seit 16 Jahren in Sögel lebt. Die Schwester – die bis auf Notfälle und Vertretungen immer dieselbe war – verabreichte Medikamente gegen die Schmerzen und kontrollierte deren Dosierung. „Mein Mann hat ihr geglaubt und vertraut“, sagt die Angehörige. Und auch, wenn die 76-Jährige unsicher war, weil sie etwa beim Waschen ihres Mannes Veränderungen an dessen Körper entdeckte, fragte sie die Schwester um Rat. „Es hat mich beruhigt zu wissen, dass jemand da ist“, berichtet die Sögelerin.

Anfangs musste sie sich jedoch erst daran gewöhnen, dass jeden Tag jemand ans Bett ihres Mannes kommt. „Aber wie wir Rheinländer so sind, bin ich direkt auf die Schwester zugegangen“, erzählt sie. So konnten sie sich mit der Zeit miteinander vertraut machen. „Die Schwester war immer mit ganz viel Geduld und Ruhe bei uns. Mir hat das wirklich geholfen.“

Letztendlich seien es auch die Palliativpflegekräfte gewesen, die ihr und ihrem Mann dabei geholfen hätten, mit dem nahenden Tod umzugehen. Schon vor seiner Krankheit sei ihr Mann – der im Dezember 78 geworden wäre – ein Mensch gewesen, der alles genau plante. „Später hat er auch danach gefragt, was mit mir passiert, wenn er stirbt“, erinnert sie sich. Zusammen mit der Schwester besprachen sie schließlich alles, was ihnen wichtig war, etwa dass nur seine Frau ihn im Sterben begleitet. „Die gute Vorbereitung war für uns beide beruhigend.“

Auch jetzt noch geht der Sögelerin ständig durch den Kopf, was passiert ist. „Manchmal komme ich erst abends zur Besinnung und bitte Gott, dass er mir noch viel Kraft gibt.“ Trotz der Trauer tut sie aber genau das, wofür sie sich – gemeinsam mit ihrem Mann – entschieden hat: Sie möchte in ihrem Haus in Sögel bleiben. „Hier kann ich es genießen, weil mein Mann noch gegenwärtig ist“, begründet die 76-Jährige. Und auch die Pfleger der ambulanten Palliativversorgung werde sie nicht so schnell vergessen. „Man muss dafür bereit sein, dass immer jemand ins Haus kommt. Aber mir und meinem Mann war es eine unglaubliche Hilfe.“

Der Palliativstützpunkt Sögel im Thema der Woche: Im ersten Teil erfahren Sie mehr über das Netzwerk für die palliative Versorgung. Im zweiten Teil erhalten Sie einen Einblick in den Alltag einer Fachkraft, die täglich mit schwerkranken und sterbenden Menschen zu tun hat.

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Ambulante Palliativversorgung:

Durchschnittlich 39 bis 40 Tage wurden die Patienten der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) im nördlichen und mittleren Emsland 2013 betreut. Im Einzelfall kann die Versorgung von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern. Die Versorgung zahlt die Krankenkasse.

Informationen zum Stützpunkt gibt es unter Telefon 05952/ 2092580.

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