Pflegekraft versorgt Sterbende Gespräche über den Tod sind Alltag für Werpeloherin

Ein offenes Ohr: Ilona Konken, Fachkraft für Palliative Care, nimmt sich Zeit für Patienten und Angehörige. Foto: Juliane HornEin offenes Ohr: Ilona Konken, Fachkraft für Palliative Care, nimmt sich Zeit für Patienten und Angehörige. Foto: Juliane Horn

Sögel. Die palliative Versorgung von Patienten in ihrer gewohnten Umgebung ist der Schwerpunkt des Palliativstützpunktes Nördliches Emsland in Sögel. Ilona Konken ist eine der Pflegekräfte, die für die Schwerstkranken rund um die Uhr da sind.

Wenn der Patient gut drauf ist, dauert der Besuch von Ilona Konken manchmal nicht länger als eine Tasse Kaffee. Ist das Gegenteil der Fall, nimmt sich die Palliativpflegekraft dafür umso mehr Zeit. Und das komme bei Menschen, die an einer nicht heilbaren, fortschreitenden Erkrankung leiden, nicht selten vor, erzählt die 35-Jährige. „Wichtig ist, als Ansprechpartner da zu sein“, sagt sie.

Gemeinsam mit ihren Kollegen – ebenfalls Fachkräfte für Palliative Care – kümmert sie sich monatlich um etwa 35 bis 40 Patienten und deren Angehörige im nördlichen und mittleren Emsland. Jeder von ihnen hat dabei einen festen Einzugsbereich. Ob die Patienten noch in den eigenen vier Wänden, im betreuten Wohnen oder in einem Pflegeheim wohnen, spielt keine Rolle. Die Pflegekräfte versorgen sie vor Ort medizinisch und pflegerisch, um die belastenden Symptome der Erkrankung zu lindern. „Damit können wir dem Patienten zumindest einen Teil seiner Lebensqualität zurückgeben“, erklärt Konken. Bei den Besuchen übernehmen sie und ihre Kollegen auch Aufgaben, die über die eines häuslichen Pflegedienstes hinausgehen, etwa die Verabreichung von Morphin oder die Versorgung über einen zentralen Venenkatheter. Dafür beraten sich die Mitarbeiter der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) regelmäßig mit Ärzten oder dem Pflegedienst.

Die Termine werden individuell nach Bedarf ausgemacht. Mindestens einmal pro Woche reflektiert die examinierte Altenpflegerin aber gemeinsam mit dem Patienten und der Familie die vergangen Tage: „Dann besprechen wir, was zu viel war und was wir noch verbessern können.“ Wichtig sei, darüber zu reden und bewusst mit den Umständen auf dem Weg zum Tod umzugehen. „Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit sind die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung“, begründet Konken. Denn bevor sich die Patienten öffnen, dauere es erfahrungsgemäß einige Zeit. „Es hilft, Präsenz zu zeigen, damit sie merken: Da ist jemand da, der sich um mich kümmert“, erzählt die 35-Jährige aus ihrem Berufsalltag.

Mit dem Tod beschäftigen

Ist ein Vertrauensverhältnis geschaffen, geht es für die Pflegekraft aus Werpeloh auch darum, über den Tod zu sprechen. Wer soll da sein, wenn es so weit ist? Was soll nach dem Tod mit dem Körper geschehen? Sollen sich die Angehörigen um die Grabpflege kümmern, oder ist eine Bestattung im Friedwald erwünscht? „Viele Menschen sind dann erst einmal überfordert“, erzählt Konken. Ihre Aufgabe sei es dann, die Lage zu entspannen, gemeinsam mit der Familie nach Möglichkeiten zu suchen oder gegebenenfalls weitere Unterstützung, etwa ehrenamtliche Hospizhelfer, hinzuzuziehen.

Daneben sind es aber auch die letzten Wünsche, nach denen die 35-Jährige ihre Patienten fragt. Meist seien das Kleinigkeiten, wie eine Zigarette zu rauchen, in den Garten zu gehen oder sich den Friedwald einfach einmal anzuschauen. Und selbst bei größeren Wünschen tun die Pflegekräfte alles, um sie dem Erkrankten noch zu erfüllen. „Wir hatten vor Kurzem einen vietnamesischen Patienten, der seine Kinder noch ein letztes Mal sehen wollte. Mit viel Aufwand haben wir sie dann mithilfe der Botschaft einfliegen lassen“, berichtet Konken.

Die letzten Wünsche zu ermöglichen, aber auch dem Patienten zu weniger Schmerzen zu verhelfen – das ist es, was der Pflegerin am meisten Freude bereitet: „Am schönsten ist es, wenn der Patient sagt, dass es ihm gut geht, trotz seiner unheilbaren Krankheit.“ Solche Erfolge rufen oft unglaubliche Dankbarkeit und Herzlichkeit hervor, erzählt Konken. Damit verbunden sei für die Pflegerin aber immer auch, das Leid der Familie über die Zeit der Pflegebeziehung auszuhalten. Das einzige, was dabei helfe, sei nicht nur das Dasein für den Patienten und seine Angehörigen, sondern auch eine gute Selbstfürsorge zu betreiben.


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