566 Arbeitsmigranten beraten Sögeler Europabüro stößt nach einem Jahr an die Grenzen

Ein Jahr existiert das Europabüro bereits. Foto: KuntzeEin Jahr existiert das Europabüro bereits. Foto: Kuntze

Sögel. Es war im Sommer letzten Jahres, als die Berichterstattung dieser Zeitung über die Situation der Sögeler „Eimermenschen“ zu einer Diskussion über die Wohn- und Lebensverhältnisse von ausländischen Werkvertragsarbeitern in der Region führte. An dessen Ende stand unter anderem die Gründung des Kolping Europabüros in Sögel, das den Betroffenen Hilfe anbieten sollte. Nach einem Jahr des Bestehens wurde am Mittwoch Bilanz gezogen.

Ohne Übertreibung kann das Projekt, das als erste Beratungsstelle für Arbeitsmigranten in Niedersachsen gilt, als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. 566 Kunden nutzten das Angebot in den vergangenen zwölf Monaten. Unterstützt werden sie zum Beispiel bei Behördengängen oder Arztbesuchen, bei Angelegenheiten ihrer Familie in der Schule oder im Kindergarten, aber auch in den Bereichen Lohnabrechnung und Arbeitsvertrag. Finanziert wird die Arbeit des Europabüros über eine freiwillige Abgabenpauschale, die von den Werkvertragsunternehmen pro Arbeiter gezahlt wird.

Da die Arbeitsmigranten oftmals mit der deutschen Sprache Probleme haben, gehört es zum Angebot des Europabüros, die Beratung möglichst in der jeweiligen Landessprache des Betroffenen zu organisieren. Knapp die Hälfte der über 1700 Beratungskontakte wurde von Rumänen in Anspruch genommen, mehr als ein Drittel waren Ungarn. Weit dahinter folgen Polen (10 Prozent) und Bulgaren (2 Prozent). Die Tatsache, dass genauso viele Deutsche wie Bulgaren das Angebot des Europabüros angenommen haben, zeigt, dass auch unter den Einheimischen vereinzelt Beratungsbedarf besteht.

„Mit dem Kolpingwerk haben wir hier einen Partner gefunden, der perfekt zu uns passt“, freute sich der Samtgemeindebürgermeister Sögels, Günter Wigbers (CDU), der dem Europabüro attestierte, „ganz nah bei den Betroffenen“ zu sein. Wilfried Ripperda, Vorsitzender des Kolping Bildungswerkes des Diözesanverbands Osnabrücks betonte, dass man zu Anfang keine Erfahrung in der Arbeit mit Arbeitsmigranten gehabt habe, als Wigbers damals auf das Kolpingwerk zugekommen sei und um Unterstützung gebeten habe. „Gleichwohl war unser Anspruch, gute Arbeit zu leisten.“ Das scheint gut geklappt zu haben, denn er bemerkte auch: Mit 1700 Beratungen stoße das Büro bereits an seine Grenzen. Deshalb sei beim Land Niedersachsen ein Förderantrag gestellt worden. Für gute Zusammenarbeit dankte er nicht nur Wigbers, sonder auch Joachim Timmermann, Geschäftsführer des Fleischunternehmens Weidemark.

Das Thema Werkvertrag ist allerdings noch lange nicht vom Tisch, wie sich zeigte. Während Timmermann argumentierte, keine Deutschen für die Arbeit zu finden, forderte Wigbers: „Werkvertragsarbeit gehört abgeschafft!“

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