Schiene gegen Arthrose kommt gut an Sögeler Erfindung hilft in ganz Deutschland

Von Juliane Horn


Sögel. Vier Jahre ist es her, dass zwei Emsländer in Sögel eine neue Möglichkeit entwickelt haben, die Verschleißerkrankung Rhizarthrose zu behandeln. Bei mittlerweile knapp 500 Patienten konnten sie damit zwar keine Heilung bewirken, aber immerhin die notwendige Operation hinauszögern.

Die 61-jährige Astrid Günther ist für Orthopädiemechanikermeister Herbert Seidel aber nicht irgendeine Patientin. Denn die Lübeckerin ist die 400., die sich mithilfe der sogenannten Orthese von dem Sögeler behandeln lässt. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Hilfsmittel zur Behandlung der Rhizarthrose. Günther kann aufgrund der Erkrankung am Daumensattelgelenk schon seit fünf Jahren nicht mehr als Krankenschwester arbeiten, wie sie selbst berichtet.

Im Alltag äußert sich die Rhizarthrose in Belastungsschmerzen beim Bewegen des Daumens. „Ich konnte den Finger nicht mehr nach links und rechts bewegen“, berichtet auch Günther. Die Ursache dafür ist, dass bei Betroffenen der Knorpel zwischen den Knochen zerstört wird und diese irgendwann aufeinander reiben – und das schmerzt.

Weil die Sögeler Ärztin Christine Meyer damals nach einer Behandlungsmethode suchte, bei der nicht operiert werden muss, kam vor vier Jahren die Zusammenarbeit mit Seidel zustande. Gemeinsam entwickelten sie eine Art Schiene aus Kunststoff für die Hand. Bis die Orthese wie das heutige Modell aussah, wurde sie immerhin 24 Mal in Form und Farbe verändert, um sie zu optimieren. Was das Hilfsmittel genau an der Hand des Patienten bewirkt, will der Orthopädiemechaniker aber nicht verraten: „Das ist Betriebsgeheimnis.“

Heute wird die Orthese sowohl in Sögel als auch in der Filiale in Haselünne hergestellt und am Patienten angepasst. Dafür verantwortlich sind lediglich Seidel und sein Kollege Ingo Chastinet. „Das ist reine Meisterarbeit“, begründet der Sögeler. Jeder von ihnen betreut seit 2012 etwa 100 Patienten im Jahr, die mittlerweile aus ganz Deutschland kommen. Sie alle müssen während der ersten Woche täglich zu Seidel oder Chastinet kommen, um die Schiene sowie deren Wirkung auf die Hand kontrollieren zu lassen.

Anschließend wird jedes Vierteljahr ein Termin ausgemacht. Getragen wird die Orthese dann vor allem nachts und bei gelenkbelastenden Arbeiten. Nach Angaben von Seidel übernehmen fast alle Krankenkassen die Kosten für die Behandlung.

Bisher sind die beiden Orthopädiemeister zufrieden. Eine Umfrage unter den Patienten habe ergeben, dass 90 Prozent von ihnen durch das Tragen immerhin weniger Schmerzen haben. „Wenn die Patienten zufrieden sind, sind auch wir froh“, sagt Seidel. Und auch Astrid Günther ist glücklich über diese Alternative. „Das ist besser als jede Operation“, sagte die Lübeckerin bereits am vierten Tag.