Vom Hümmling nach Amerika Buch beleuchtet Leben der Auswanderer 1837 - 1900

Autor Holger Lemmermann und Hermann Bröring bei der Vorstellung des Buches. Foto: Jan-Hendrik KuntzeAutor Holger Lemmermann und Hermann Bröring bei der Vorstellung des Buches. Foto: Jan-Hendrik Kuntze

Sögel. Das Schicksal von mehr als 2500 Hümmlingern, die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten, war bislang wenig bis gar nicht erforscht. Das ändert sich mit dem neuen Buch von Holger Lemmermann, das im Schloss Clemenswerth in Sögel vorgestellt wurde. Dabei schlägt der Autor ganz neue Töne an.

Wer denkt, in dem Werk „Auswanderer vom Hümmling in Amerika (1837 – 1900)“ finde er lediglich langweilige Namenslisten derer, die zu Tausenden ihrer emsländischen Heimat den Rücken kehrten, liegt weit daneben. Denn Lemmermann macht in seinem Werk genau das Gegenteil. Mit Detailreichtum stellt er einzelne Auswanderer mit den interessantesten Lebensläufen vor. Dabei bewegt den Autor nicht nur, warum sie ausgewandert sind, sondern auch, was aus ihnen im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ geworden ist.

Es sind diese kurzen Darstellungen von bestimmten Biografien wie die des Amtmanns Schücking, die das Buch, portioniert in 23 Kapitel, zu einer lesenswerten Lektüre machen. Modestus Schücking, zu seiner Zeit oberster Verwaltungsbeamter des Hümmlings, wurde 1835 nach einem Gerichtsverfahren vor die Wahl gestellt, entweder ein halbes Jahr ins Zuchthaus oder ins amerikanische Exil zu gehen. Er entschied sich für Letzteres. Somit wurde er zu einem der ersten Auswanderer aus dem Hümmling nach Amerika – jedoch nicht zum erfolgreichsten.

Angenehme Lektüre

Dieses Prädikat verleiht Lemmermann dem Sohn des Amtsmannes, Alfred
Schücking. Dieser erlangte nicht nur den Professorentitel in Amerika, er gründete dort auch die erste deutschsprachige Zeitung im Bundesstaat Louisiana. Später war er für das Schatzamt in Washington sowie als Anwalt tätig. Bedeutend war auch sein Einfluss als deutscher Generalkonsul für Preußen, Hannover und viele weitere deutsche Staaten. Maßgebend war ebenfalls sein Zutun bei der Eröffnung der ersten direkten deutsch-amerikanischen Postdampferlinie zwischen New York und Bremen.

Die Gründe zur Auswanderungswelle vom Hümmling nach Amerika sind dabei nicht nur darin zu suchen, dass missliebigen Straftätern eine Alternative zum Zuchthaus geboten wurde. Hauptgründe waren laut Lemmermann die schlechten Lebensumstände im Hümmling sowie auch der Wunsch so mancher junger Männer, dem Militärdienst zu entgehen, wie er bei der Vorstellung seines Buches sagte.

Hermann Bröring, Vorsitzender des Emsländischen Heimatbundes, der Herausgeber des Buches ist, sprach von einem „sehr interessanten Werk“. „Wir sind in einer ganz wichtigen Begebenheit ein Stück weiter gekommen“, so Bröring. Die Umsetzung des Werkes begleiteten auch die Gemeinde Sögel sowie die Samtgemeinde Werlte und die Versicherungsgruppe Hannover. Bürgermeisterin Irmgard Welling und Samtgemeindebürgermeister Werner Gerdes sprachen dem Autor ihre Glückwünsche aus.

Lemmermann beklagte, dass vieles, was zu der Thematik bislang veröffentlicht worden sei, auf hohem wissenschaftlichen Niveau geschrieben und deshalb „ein bisschen dröge“ sei. „Es gibt bisher wenig anschauliches Material, wenig auf den Menschen Bezogenes“, sagte Lemmermann. Dies wolle er mit seiner neuen Herangehensweise ändern.

Die Art der Umsetzung macht das Buch für Hobbyhistoriker und Geschichtsinteressierte zu einer angenehmen Lektüre. Gerade das ausführliche Orts- und Personenregister ist für eigens betriebene Ahnenforschung sehr hilfreich. Die wissenschaftliche Qualität lässt allerdings zu wünschen übrig. Die Quellenführung entspricht nicht den derzeitigen wissenschaftlichen Standards. Als fundierte Quelle kann das Buch für die Geschichtswissenschaft somit nicht gelten. Aber das scheint auch nicht das Ziel zu sein.