Mindestlohn-Tarif ab 1. Juli Sögel: Gewerkschaft verteilt Verträge vor Schlachthof

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Vor den Werkstoren des Schlachthofes Weidemark in Sögel postierten sich Daniela Reim und Matthias Brümmer mit dem neuen Mindestlohn-Tarifvertrag. Foto: Gerd SchadeVor den Werkstoren des Schlachthofes Weidemark in Sögel postierten sich Daniela Reim und Matthias Brümmer mit dem neuen Mindestlohn-Tarifvertrag. Foto: Gerd Schade

Sögel. Zum 1. Juli greift für Beschäftigte in der Fleischindustrie der bundesweit einheitliche Mindestlohn-Tarifvertrag. Vor den Werkstoren des Schweine-Schlachthofs Weidemark in Sögel hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Montag Ausdrucke des neuen Vertrages an die Arbeiter verteilt. Ziel der Aktion, die die NGG nach eigenen Angaben flächendeckend in der Region durchführt, ist es, die Beschäftigten über ihre Rechte aufzuklären.

„Der Tarifvertrag muss für alle zugänglich sein“, betont Matthias Brümmer, NGG-Geschäftsführer für die Region Oldenburg-Ostfriesland, während er Weidemark-Mitarbeitern, deren Schicht gerade beginnt oder endet, ein Exemplar des Vertrages in die Hand drückt. Angesichts der vielen osteuropäischen Werkvertragsarbeiter in der Fleischbranche haben Brümmer und seine Mitstreiter die Vertragsinhalte nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in Rumänisch, Bulgarisch, Ungarisch, Polnisch, Russisch und Englisch dabei.

Die Vereinbarung zwischen NGG und Fleischindustrie sieht ab dem 1. Juli einen verbindlichen tariflichen Mindestlohn von 7,75 Euro pro Stunde vor. Laut Vertrag steigt er in drei Stufen bis Dezember 2016 auf 8,75 Euro. „Für viele bedeutet das eine Gehaltserhöhung“, sagt Brümmer. Nach seinen Worten gibt es in der Fleischindustrie immer noch Beschäftigte, die für weniger als 7 Euro je Stunde arbeiten würden. „Die schlimmsten Zustände herrschen nach wie vor im Landkreis Cloppenburg“, sagt Brümmer. Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Niedersachsen, die die Vor-Ort-Aktionen der NGG unterstützt, berichtet in diesem Zusammenhang vom Fall einer Schwangeren, die in einem Betrieb im Nachbarlandkreis ohne Arbeitsvertrag und Lohnabrechnung beschäftigt gewesen sei. Sie habe aufgrund ihrer Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot erhalten und sei von einem auf den anderen Tag buchstäblich auf die Straße gesetzt worden.

Die Resonanz der Beschäftigten auf die Aktion sei durchweg positiv, berichtet Brümmer. 95 Prozent aller Kollegen würden den Vertrag mitnehmen und viele dessen Inhalte auch registrieren. Dank des Vertrages hätten die Beschäftigten nun endlich eine Rechtsgrundlage, um ihren Lohn notfalls auch einklagen zu können.

Brümmer macht keinen Hehl daraus, dass die Gewerkschaft die Aktion, die in der vorigen Woche auch beim Fleischverarbeiter Sprehe in Lorup lief, auch zur Mitgliedergewinnung nutzt. „Wir hatten noch nie einen solchen Zulauf an osteuropäischen Kollegen wie zurzeit“, sagt Brümmer. Häufig seien die Eintritte in die NGG gleich mit Klagen verbunden.

Der NGG-Geschäftsführer fordert, dass die Unternehmen „endlich dazu übergehen“, Werkvertragsarbeiter direkt bei sich anzustellen. „Warum sollten Menschen unterschiedlich behandelt werden?“, fragt er. Als vorbildlich bezeichnet Brümmer das Unternehmen Rügenwalder, bei dem keine Werkvertragsarbeiter beschäftigt seien und die Mitarbeiter Mitbestimmungsrechte hätten. Die Aktion wird in den kommenden Wochen fortgesetzt.


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