Osteuropäische Schlachthofmitarbeiter Samtgemeinde bilanziert den „Sögeler Weg“

Meine Nachrichten

Um das Thema Sögel Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Zum „Sögeler Weg“, der auf die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von Werkvertragsarbeitern im Schlachthof Weidemark abzielt, hat die Samtgemeinde Sögel eine erste Bilanz gezogen. Foto: Klaus DieckmannZum „Sögeler Weg“, der auf die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von Werkvertragsarbeitern im Schlachthof Weidemark abzielt, hat die Samtgemeinde Sögel eine erste Bilanz gezogen. Foto: Klaus Dieckmann

Sögel. Eine erste Bilanz zum „Sögeler Weg“ mit Sozialcharta für Schlachthof Weidemark und Werkvertragsunternehmen, Zertifizierung von Mietunterkünften sowie Europabüro für ausländische Arbeitnehmer haben Samtgemeinde Sögel und Kolping-Bildungswerk gezogen.

Das Kolping-Europabüro werde gut angenommen, sprach Hans-Hermann Hunfeld, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks, von einem gelungenen Start der Einrichtung. Die Beratungsstelle hatte Anfang November ihre Tätigkeit aufgenommen. Seitdem hätten 160 Frauen und Männer den Weg zum Europabüro gefunden, berichtete Hunfeld in der Sitzung des SG-Rats. Die Zahl der Besuchskontakte belaufe sich auf mehr als 300.

Mehrsprachiger Flyer

Mit einem mehrsprachigen Flyer, der beim Schlachthof Weidemarkt verteilt worden war, hatte die Einrichtung auf sich aufmerksam gemacht. Mit der Resonanz auf das Beratungsangebot zeigte sich Hunfeld nach zweimonatigem Wirken ausgesprochen zufrieden. „Wir stellen inzwischen sogar einen erhöhten Personalbedarf fest“, warb Hunfeld bereits um zusätzliche Unterstützung. Angebunden ist das Europabüro an den Jugendmigrationsdienst des Kolping-Bildungswerkes in der Diözese Osnabrück mit Sitz in Salzbergen.

Die Leitungsposition für Magdalena Kazmerne Tordai sei lediglich mit einer Dreiviertelstelle abgedeckt. Erhöhe sich die Frequenz der Einrichtung noch weiter, bedürfe es in absehbarer Zeit zusätzlicher Unterstützung – personeller wie finanzieller Art – , unterstrich Hunfeld.

Nach der Dokumentation von Tordai kam mit 75 Prozent der überwiegende Teil Ratsuchenden aus der Samtgemeinde Sögel. Aus den Nachbarkommunen Werlte (12 Prozent) und Lathen (8 Prozent) besuchten deutlich weniger Frauen und Männer das Europabüro . Mehr als die Hälfte der ausländischen Arbeitnehmer, die sich im Europabüro einfanden, stammten aus Rumänien.

Zu hohe Mieten

Die zweitstärkste Gruppe bildeten mit 25 Prozent Bürger aus Ungarn, gefolgt von Bulgaren, Polen und Spaniern. Gleichfalls Deutsche seien in das Europabüro gekommen, führte Hunfeld weiter aus. Deren Anliegen seien im Wesentlichen Belange bei der Vermietung von Wohnungen gewesen.

Daran anknüpfend, verwies SG-Bürgermeister Günter Wigbers darauf, dass der von der Kommune eingesetzte Zertifizierer bereits über 120 Unterkünfte von Werkvertragsarbeitern in Augenschein genommen habe. Davon hätten 75 Mietobjekte, in denen 700 Schlachthofmitarbeiter wohnen, die vereinbarten Standards für Wohnfläche, Schlafräume, Kochgelegenheit sowie sanitäre Einrichtungen erfüllt und ein Zertifikat erhalten. Ein Knackpunkt sind laut Wigbers noch Mietpreise oberhalb des festgelegten Satzes. Der Preis von fünf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter werde in einer Reihe von Fällen nicht eingehalten.

Regelmäßige Kontrollen

Gleichfalls bei dem nach der Sozialcharta festgelegten Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro seien Abweichungen festgestellt worden. Die SG Sögel überprüfe bei regelmäßigen Kontrollen im Schlachthof die Einhaltung der Vorgabe. Dabei ließen sich Mitarbeiter der Samtgemeinde auch Verträge sowie Belege über Lohnzahlungen vorlegen.

Bei Weidemark sind mehr als 1300 Beschäftigte tätig, darunter gut 1000 aus osteuropäischen Ländern. Zur Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation der ausländischen Arbeitnehmer hatte der Sögeler SG-Rat im Mai 2013 die Sozialcharta beschlossen . An manchen Stellen („Wir stehen erst am Anfang“) hake es noch, räumte Wigbers ein. Gleichzeitig bekräftigte er: „Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN