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275 Jahre währende Tradition Die Geschichte der Sögeler Mariä-Himmelfahrts-Messe

Von Marion Lammers | 25.06.2016, 21:18 Uhr

Im Pavillon Clemens August auf Schloss Clemenswerth ist am Freitag die Ausstellung „275 Jahre Mariä-Himmelfahrts-Messe“ eröffnet worden. Die Sammlung historischer Bilder und Zeitdokumente aus der Geschichte der Wallfahrtsmesse fand dabei regen Anklang.

Eröffnet wurde die Ausstellung von Oliver Fok, Direktor des Emslandmuseums Schloss Clemenswerth. In seinem historischen Rückblick stellte er kurz die Anfänge und die Entwicklung der Mariä-Himmelfahrts-Messe dar. Vor 275 Jahren, im Jahr 1741, wurde kurz nach dem Bezug des Kapuzinerklosters Clemenswerth die Kapelle im nördlichen Pavillon feierlich eingeweiht und der Mariä-Himmelfahrt sowie dem Heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jagd, geweiht.

Wie Museumsdirektor Fok weiter ausführte, schenkte Papst Benedikt XIV. dem Kurfürsten Clemens August die Reliquien des Heiligen Fruktuosus, einem Märtyrer. Mit einer feierlichen Prozession über Münster und Meppen unter Beteiligung Tausender Menschen und Pastoren aus dem ganzen Umkreis wurden die Gebeine des Heiligen nach Clemenswerth gebracht und dort unter dem Hochaltar beigesetzt. Aus Anlass dieses denkwürdigen Ereignisses stiftete Clemens August der Bevölkerung einen achttägigen Markt, der jedes Jahr wiederholt werden sollte. Die Mariä-Himmelfahrts-Messe geht auf diese Ereignisse zurück und findet heute alljährlich am Sonntag nach dem 15. August statt begleitet von einer dreitägigen Kirmes in Sögel.

Handschriftlich geführte Chronik des Klosters

Als zentrales Dokument der Ausstellung sei die von den Kapuzinern von 1905 bis 2005 handschriftlich geführte Chronik des Klosters Clemenswerth verwendet worden, so Fok. „Auf 24 Tafeln wird aus der Chronik zitiert. Und wie ich meine, ist es ziemlich spannend, was wir dort lesen können.“

Pater Edmund, Guardian des Kapuzinerklosters Clemenswerth, bezog sich in seinen Grußworten ebenfalls auf die Chronik des Klosters: „Ich staune, wie du die alte Kapuzinerschrift entziffern konntest und für uns alle lesbar aufgeschrieben hast. Die Tafeln lesen sich wie ein Krimi.“ Als Beispiel zitierte Oliver Fok einige Passagen aus der Chronik. Im Jahr 1945 waren kanadische Soldaten auf Schloss Clemenswerth eingezogen. Die Aufzeichnungen aus der Chronik beschreiben die Freude der Soldaten über das Kriegsende: „Ganz plötzlich setzte im ganzen Camp ein Rufen und Johlen ein, die Soldaten umarmten sich und sprangen wie toll herum. (…) schon zog eine provisorische Musikkapelle über den Schlossplatz mit dicken Pauken und vielen Dudelsäcken. Überall lärmende Freude.“ Genau diese Situation zeigen auch Fotos, die das Gemeindearchiv Sögel für die Ausstellung zur Verfügung stellen konnte.

Filmdokument aus dem Jahr 1939

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist ein Filmdokument mit historischen Aufnahmen der Mariä-Himmelfahrts-Messe und der Kirmes aus dem Jahr 1939. „Wir sehen in dem Film die Vorbereitungen zur Messe, wie die Menschen im guten Zwirn herbeikommen, wir sehen die Kirmes mit Cowboys, Clowns, Jongleuren und exotischen Tieren. Wir erleben fast hautnah, welch eine Stimmung an diesem Festtage 1939 herrschte, wenige Wochen vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges“, beschreibt Fock den Inhalt des Films.

Parallel wurde für die Ausstellung die Ems-Zeitung von 1894 bis 1940 systematisch zum Thema „Mariä-Himmelfahrts-Messe“ durchgesehen. Fast jedes Jahr waren Ankündigungen und Nachberichte zu lesen. Die reproduzierten Artikel sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Sögels Pfarrer Bernhard Horstmann stellte in seinen Grußworten die historische Entwicklung der Mariä-Himmelfahrts-Messe aus Sicht der katholischen Kirchengemeinde von den Anfängen bis zum heutigen Tag dar. In einer Arbeitsgruppe seien die Wallfahrt, die Messe und die Kirmes neu überdacht worden. In diesem Jahr werde es unter anderem zusätzlich eine Kinderkirche mit Segnung durch Bischof Franz-Josef Bode geben. Nach dem Festhochamt sei eine Begegnung der Gottesdienstteilnehmer mit dem Bischof und Gästen bei einer „Caritas“-Wurst und Getränken am Schlosskeller geplant. Anschließend begleite die Kolpingkapelle den Bischof und die Gottesdienstbesucher durch die Schlossallee zur Kirmes. „Wir wollen die Wallfahrt neu in die Zukunft führen“, begründete Horstmann die Programmänderungen.

Führung durch die Ausstellung mit Pater Edmund

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kapuzinerkloster Clemenswerth, der Katholische Kirchengemeinde St. Jakobus, der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth, der Gemeinde Sögel und dem Bistum Osnabrück. Sie ist noch bis zum 4. September 2016 im Pavillon Clement August zu sehen. Eine Führung durch die Ausstellung mit Pater Edmund findet am Mittwoch, 29. Juni 2016, um 19 Uhr und am Donnerstag, 18. August 2016, um 15 Uhr statt.