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Lyrik an Hauswänden Projekt „Mauergedichte“ in Sögel

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<em>Verschiedene Projektskizzen</em> stellten die Schüler Bürgermeisterin Irmgard Welling (Dritte von links) vor. Sie hatte die Auswahl für die Gestaltung des Gedichtes an der Turnhalle am Waldbad zu treffen. Christiane Bangert (Vierte von links) und Annette Holtmann (Neunte von links) hatten die Wahl für ihre Hauswände zu treffen. Lehrerin Claudia Schwarz (Siebte von links) freute sich über die Kreativität ihrer Schüler. Foto: Gemeinde SögelVerschiedene Projektskizzen stellten die Schüler Bürgermeisterin Irmgard Welling (Dritte von links) vor. Sie hatte die Auswahl für die Gestaltung des Gedichtes an der Turnhalle am Waldbad zu treffen. Christiane Bangert (Vierte von links) und Annette Holtmann (Neunte von links) hatten die Wahl für ihre Hauswände zu treffen. Lehrerin Claudia Schwarz (Siebte von links) freute sich über die Kreativität ihrer Schüler. Foto: Gemeinde Sögel

Sögel. Mit dem Projekt „Mauergedichte“ soll nach Angaben der Initiatorin, Christiane Bangert, ein Beitrag zur „besonderen Charakterisierung Sögels geleistet werden“. Wie der Name schon sagt, beinhaltet die Idee das Anbringen von Gedichten an Mauern von Häusern.

Bangert wohnt seit 2006 in Sögel. Die Familie Bangert/de Jong stammt aus den Niederlanden und hat vor einiger Zeit mehrere Jahre in Leiden/Holland gewohnt. Die Stadt Leiden hat sich mit 101 Mauergedichten einen Namen gemacht. Es lag also nahe, dass Bangert der Gedanke kam, den Giebel ihres Hauses mit einem Gedicht zu versehen. In einer Pressemitteilung der Gemeinde verdeutlicht sie ihre Idee: „Ich stelle mir vor, dass diejenigen, die am Haus vorübergehen, auch wenn sie keine Lyrikkenner sind, das Gedicht lesen und verinnerlichen. Vielleicht sogar auswendig können. Es wird dann ein Teil des Lesenden, Vorübergehenden und spricht dadurch auch andere Bewusstseinslagen an. So stelle ich mir – denkend an die vielen Nationalitäten vieler in Sögel Arbeitenden und Wohnhaften – auch vor, dass zum Beispiel ein polnischer Arbeitnehmer, der jeden Tag ein Gedicht in polnischer Sprache sieht und liest, sich auf die Dauer damit verbindet. Ein Stückchen Heimat in der Fremde. Das gilt für russische Gedichte, vielleicht auch für ein Gedicht in chinesischen Schriftzeichen oder in arabischer Schrift und für viele mehr. Natürlich immer mit deutscher Übersetzung.“

Die Gemeinde Sögel unterstützt im Rahmen der Kulturförderung das Projekt „Mauergedichte“. Mittlerweile hat sich ein Arbeitskreis gebildet. Dazu gehören Irene Schmidt vom Literaturkreis Sögel, der stellvertretende Schulleiter des Hümmling-Gymnasiums, Hans-Gerd Poelmann, sowie sein Kollege Georg Jansen, Pastor Matthias Voss und Ingrid Cloppenburg von der Gemeindeverwaltung. Die Veröffentlichung von Gedichten an Häuserfassaden stelle eine besondere Form der Auseinandersetzung mit Literatur dar, heißt es in der Pressemitteilung. Indem Überlegungen angestellt würden, welches Gedicht für welche Fassade geeignet sei, solle eine vertiefte Beschäftigung mit Lyrik angeregt werden. Die veröffentlichten Gedichte sollten Perspektiven ermöglichen, die für den Betrachter neu, überraschend, bewusstseinsbereichernd seien oder ihn zum Widerspruch, zur Zustimmung, zum Kommentar aufforderten. Das Spannungsfeld zwischen Hausbesitzern, Nachbarn, Passanten und literarischem Text biete zahlreiche Möglichkeiten, über Literatur ins Gespräch zu kommen.“

Unterstützung der BBS

Gemeindedirektor Günter Wigbers vermittelte den Kontakt zu den Berufsbildenden Schulen (BBS) Papenburg, die dieses Projekt unterstützen. Die Klasse 11 der Fachoberschule Gestaltung hat unter der Leitung der Lehrerin Claudia Schwarz Gestaltungsvorschläge für die ersten drei Gedichte entworfen. In diesen Tagen wurden die Vorschläge der Schüler den jeweiligen Hauseigentümern präsentiert. Diese werden dann an die Schulkollegen der Berufsschulklasse „Farbtechnik“ weitergeben, die die Gestaltung vor Ort umsetzen werden. „Die Schüler waren eifrig bei der Sache“, so Schwarz im Rahmen der Preisverleihung. „Sie bekommen mit dieser Projektarbeit die Gelegenheit, ihr visuelles Denken auszuweiten.“ Aber auch aus Sicht der Schülerinnen und Schüler fiel die Beurteilung des Projektes gut aus. „Mit den Gedichten an den Wänden werden die Menschen aufgefordert, innezuhalten und sich über den Inhalt des Gedichtes Gedanken zu machen“, so eine Schülerin. Ein weiterer Schüler fand die Idee gut, dass Gedichte in vielen Sprachen ausgesucht werden. „So finden auch andere Kulturen in Sögel ein kleines Zuhause.“

BBS-Leiter Heinz Vinke sieht diese Zusammenarbeit als Gewinn an: „Dieses Projekt ist in mancher Hinsicht nicht nur für die Gemeinde Sögel, sondern auch für die FOS-Schüler interessant. Die planerische Begleitung sowie deren Umsetzung ist eine Herausforderung für unsere Schüler.“

Inwieweit die Schule bei der Umsetzung weiterer Gedichte als Partner zur Verfügung steht, ist noch nicht endgültig geklärt. Der Arbeitskreis bleibt aber optimistisch. Es sollen nicht mehr als zwei bis drei Gestaltungen pro Jahr verwirklicht werden. Es sei erfreulich, dass die Berufsbildenden Schulen Papenburg „den Anfang mit uns wagen“, so die Initiatoren.


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