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Einstimmiges Votum Samtgemeinderat Sögel beschließt Verhaltenskodex für Schlachtfirmen

<em>Blick in einen Schlachthof:</em> Der Chef eines Subunternehmens soll laut eines Vorarbeiters Steuern hinterzogen haben - möglicherweise in Millionenhöhe. Foto: ImagoBlick in einen Schlachthof: Der Chef eines Subunternehmens soll laut eines Vorarbeiters Steuern hinterzogen haben - möglicherweise in Millionenhöhe. Foto: Imago

Sögel. Jetzt ist es am Schlachthof Weidemark und den Werkvertragsunternehmen: Der Rat der Samtgemeinde Sögel hat auf seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig einen Verhaltenskodex zur Beschäftigung von Werkvertragsarbeitern sowie eine Zertifizierungsrichtlinie zur Gestaltung der Wohnsituation auf den Weg gebracht.

Erster SG-Rat Hans Nowak kündigte an, dass die Unterzeichnung der Vereinbarung durch die Vertragsparteien in Kürze erfolgen solle. „Wir setzen mit dem Verhaltenskodex und dem Zertifikat für Unterkünfte klare Rahmenbedingungen für die Lebens- und Beschäftigungsverhältnisse ausländischer Beschäftigter am Schlachthof“, unterstrich Nowak. Der Erste SG-Rat hoffte darauf, dass das Vorbild von SG Sögel und Weidemark über die Fleischbranche hinaus auch in anderen Wirtschaftsbereichen der Region, beispielsweise dem Metall- und Bausektor, Nachahmer finde.

Einhellig begrüßten die Ratsmitglieder den Vertragsentwurf. CDU-Fraktionsvorsitzender Reinhard Timpker markierte die Vereinbarung als wichtigen Schritt, um verbindliche Standards für die Beschäftigungs- und Wohnsituation der ausländischen Arbeitnehmer zu verankern. Darüber hinaus kämen eine Reihe von Angeboten zum Tragen, die den Gastarbeitern, die vor allem aus dem osteuropäischen Raum stammen, und deren Familien Integrationsmöglichkeiten eröffneten.

Angesichts der prosperierenden Entwicklung von Weidemark – das Unternehmen peilt die Schlachtung von jährlich fünf Millionen Schweinen an – musste laut Timpker „die Politik steuernd eingreifen“. Einher mit der Ausweitung der Produktionskapazität ging auch die Erhöhung der Mitarbeiterzahl. Von den rund 1300 Frauen und Männern, die im Schlachthof tätig sind, stammen rund 950 aus Osteuropa. Timpker: „Wir haben Weidemark immer fördernd begleitet.“ Im Einklang mit der Kommune müsse sich das Fleischwarenunternehmen daher jetzt auch der gesellschaftlichen Aufgabe im Bemühen um die Werkvertragsbeschäftigten stellen.

Als eine „permanente Aufgabe“ bezeichnete indes Klaus Fleer als Sprecher der SPD/Grünen-Gruppe die Einlösung der aus dem Vertragswerk resultierenden Ansprüche. Er sei gespannt darauf, wie das Profil der Richtlinien „in der Realität“ greife.

SG-Ratsvorsitzende Irmgard Welling (CDU) lenkte derweil über die zeitweilige Begleitung – die meisten Werkvertragsarbeiter kehren nach der Beschäftigungsphase in ihre Heimat zurück – den Blick hinaus auf die Menschen, die in Sögel ihre Zukunft sähen. Mit Sprachkursen, Förderunterricht für Schüler und weiteren Integrationsangeboten werde bei Weidemark tätigen Männern und Frauen sowie deren Familienangehörigen die Chance eröffnet, auf dem Hümmling einen neuen Lebensmittelpunkt zu finden.


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