Übung in Werpeloh Chemikalien halten Feuerwehren auf Trab

Von Lambert Brand

Auf dem Gelände der Firma Hüntelmann Oberflächentechnik in Werpeloh probten 105 Feuerwehrleute und Rettungssanitäter des DRK den Ernstfall. Foto: Lambert BrandAuf dem Gelände der Firma Hüntelmann Oberflächentechnik in Werpeloh probten 105 Feuerwehrleute und Rettungssanitäter des DRK den Ernstfall. Foto: Lambert Brand

Werpeloh. Bei der Jahresübung der fünf Feuerwehren der Samtgemeinde Sögel stand der Umgang mit gefährlichen Stoffen im Vordergrund. Auf dem Gelände der Firma Hüntelmann Oberflächentechnik probten 105 Feuerwehrleute und Rettungssanitäter des DRK den Ernstfall.

Ein kleines Team der Feuerwehr Werpeloh hatte ein Szenario erarbeitet, dass die Einsatzkräfte stark forderte, zumal eine unbekannte, ausgelaufene Chemikalie einen Gefahrenschwerpunkt bildete.

Der Übungsplan sah vor, dass ein Behälter mit einer Flüssigkeit, die zur Oberflächenbehandlung eingesetzt wird, beim Transport in die Halle vom Gabelstapler abrutscht und leck schlägt. Die auslaufende Flüssigkeit erfasste sechs Werksmitarbeiter. Zwei blieben bewusstlos an der Unfallstelle liegen, vier weitere wurden in der -Halle und auf dem Dach von den Dämpfen überrascht und blieben ebenfalls verletzt liegen.

Beim Transport war ein Fass mit einer gefährlichen Chemikalie leckgeschlagen. Zwei Mitarbeiter befanden sich im unmittelbaren Gefahrenbereich und mussten von Feuerwehrleuten in Chemikalienschutzanzügen gerettet werden. Foto: Lambert Brand

Die zunächst eintreffende Feuerwehr Werpeloh erkannte bei der ersten Lageerkundung, dass sie alleine wenig ausrichten kann. Nach der sogenannten GAMS-Regel (G wie Gefahren erkennen, A wie Absichern der Einsatzstelle, M wie Menschenrettung unter Eigenschutz, S wie Spezialkräfte nachfordern) ließ Einsatzleiter Ortsbrandmeister Werner Schmits die Feuerwehren Sögel, Börger, Spahnharrenstätte, Klein Berßen und die Gefahrgutgruppe der Feuerwehr Papenburg nachalarmieren. Außerdem wurde die TEL/IuK-Gruppe (Technische EInsatzleitung/Informations- und Kommunikation) Emsland-Nord angefordert zur Unterstützung des Einsatzleiters angefordert.

Zu Unterstützung der EInsatzleitung rückte die TEL/IuK-Gruppe, hier bei der Einsatzbesprechung, im Einsatzleitwagen ELW 2 an. Foto: Lambert Brand

Bis zum Eintreffen der anderen Wehren sicherte die Feuerwehr Werpeloh den betroffenen Bereich weitläufig ab und bereitete die Menschenrettung mit einem Chemikalienschutzanzüge (CSA) vor. Gleichzeitig wurde schon ein Notdekontaminations-Platz aufgebaut, um Unfallopfer und Einsatzkräfte reinigen zu können. Nach dem Eintreffen der weiteren Wehren wurden vier Einsatzabschnitte mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen gebildet. Die Feuerwehr Sögel unterstützte die Werpeloher Wehr, stellte einen Sicherungstrupp im CSA und stellte mit der Flugdrohne vorweg Bilder von dem Unglücksort zwecks Lagebeurteilung zur Verfügung. Mit dem Einsatzleitwagen übernahm man die Atemschutzüberwachung und sicherte den Brandschutz mit weiteren Trupps.

Zwei Mitarbeiter wurden auf dem Dach von den gefährlichen Dämpfen erfasst und konnten nur über eine Drehleiter in Sicherheit gebracht werden. Foto: Lambert Brand

Im zweiten Abschnitt hatte die Feuerwehr Spahnharrenstätte als Schwerpunkt die Rettung von zwei vermissten Personen vom Dach über Drehleiter und die Sicherstellung des Brandschutzes. Atemschutztrupps aus Börger im dritten Abschnitt drangen in die Werkshalle ein, brachten weitere zwei Vermisste in Sicherheit und übergaben sie dem Rettungsdient des DRK.

Foto: Lambert Brand

Nach dem Eintreffen der Gefahrgutgruppe Papenburg mit dem Gefahrgutwagen (GwG) wurde der vierte Abschnitt gebildet. Zunächst stellte ein Spürtrupp unter Vollschutz fest, um welche Flüssigkeit es sich handelte. Auf dem Behälter war abzulesen, dass „Polyether Polamin" in wässriger Lösung, die auch Epoxidharz enthielt, ausgelaufen war. Diese gefährlichen Inhaltsstoffe wirken ätzend und verursachen allergische Reaktionen. Der ausgelaufene Stoff wurde unter Vollschutz aufgenommen und die Reste aus dem beschädigten Behälter abgepumpt. Großer Wert wurde auf die umfassende Dekontamination der Einsatzkräfte und der Einsatzkleidung gelegt. Dabei unterstützten die Feuerwehren Klein Berßen und Spahnharrenstätte.

Die Dekontamination der Verletzten und der Einsatzkräfte war auch ein Schwerpunkt der Übung und erforderte viele Einsatzkräfte. Foto: Lambert Brand

Bei der Abschlussbesprechung sagte Einsatzleiter Werner Schmits, dass die Übung trotz großer Hitze weitgehend planmäßig verlaufen sei. Insgesamt waren 105 Feuerwehrleute mit 17 Fahrzeugen sowie zwei Rettungswagen vor Ort. Er dankte vor allem Bernhard Hüntelmann für die Bereitstellung des Betriebsgeländes. Es habe sich gezeigt, dass auch ein vermeintlich kleiner Vorfall viele Kräfte und auch Spezialisten wie die Mitglieder der Gefahrgutgruppe und der TEL erfordere. 

Samtgemeindebürgermeister Günther Wigbers, stellvertretender Abschnittsleiter Hans-Bernd Ahlers und Gemeindebrandmeister Heinz Lückenjans machten sich ein Bild vom Übungsverlauf und waren mit dem Ergebnis zufrieden. Wigbers zeigte sich dankbar, dass in kurzer Zeit eine große Zahl von Einsatzkräften vor Ort war.


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