Auschwitz-Überlebende berichtet Sögeler Oberschüler lauschen den Worten von Erna de Vries

Erna de Vries (links) berichtet den Schülern der Schule am Schloss von den Gräueltaten der Nazis. Die Moderatorin übernahm Marion Geers. Foto: Oberschule SögelErna de Vries (links) berichtet den Schülern der Schule am Schloss von den Gräueltaten der Nazis. Die Moderatorin übernahm Marion Geers. Foto: Oberschule Sögel

Sögel. Passend zum „Tag der Toleranz“ hat die Auschwitz-Überlebende Erna de Vries die Oberschule Sögel besucht. Sie schilderte den Schülern der Jahrgänge 8 bis 10 ihre bewegende Lebensgeschichte und beantwortete die zögerlichen Fragen der Jugendlichen.

Die didaktische Leiterin der Oberschule Sögel und Leiterin der AG „Schule ohne Rassismus“, Marion Geers, hatte de Vries in die Schule am Schloss eingeladen, damit diese den Schülern aus ihrem Leben berichten konnte, teilte die Schule mit. Seit mehr als 20 Jahren hat de Vries es sich zur Aufgabe gemacht, den Auftrag ihrer Mutter, den sie bei ihrer letzten Begegnung im Konzentrationslager von ihr erhalten hatte, zu erfüllen: „Du wirst überleben und allen erzählen, was sie mit uns gemacht haben.“

Als ihre Mutter nach Auschwitz deportiert werden sollte, hatte sich die damals 18-jährige Erna de Vries entschlossen, freiwillig mitzukommen, um bei ihr bleiben zu können. De Vries schilderte den aufmerksam lauschenden Schülern in der Sögeler Oberschule den langen Transport nach Auschwitz, die Ankunft, die entwürdigenden Arbeits- und Lebensbedingungen und sprach über ihre Ängste, die sie dabei gehabt hätte.

Ihre Mutter und sie seien in ein Arbeitslager geschickt worden. Als Erna erkrankt sei, habe man sie in den Todesblock geschickt, um sie am nächsten Tag zu vergasen. Sie hätte nur den einen Wunsch gehabt, „noch einmal die Sonne zu sehen“, so de Vries. Als sie die ersten Strahlen erblickte, sei ihre Nummer aufgerufen und ihr gesagt worden, dass sie Glück gehabt hätte. Als Halbjüdin würde man sie zum Arbeiten in das KZ Ravensbrück bringen.

Erna de Vries berichtete weiter von dem anschließenden Todesmarsch und der plötzlich gewonnenen Freiheit: „Ich stand da auf der Straße, hatte die Gräuel der KZs überlebt und war plötzlich frei. Wir waren gerettet.“ Mit diesen Worten schloss sie ihren Vortrag.

Danach herrschte minutenlanges Schweigen in der Aula, bis der erste Schüler sich traute, eine Frage zu stellen: „Haben Sie heute noch einen Hass auf die Deutschen?“, wollte er wissen. De Vries antwortete, sie hätte nie Hass empfunden, und das hätte ihr geholfen, alles zu verarbeiten. „Ich habe auch in der schweren Zeit viele gute Menschen an meiner Seite gehabt, die mir geholfen und sich selbst dabei in Gefahr gebracht haben“, sagte de Vries.

Eine weitere Frage lautete: „Was empfinden Sie, wenn Sie heute das Wort KZ hören?“ Damit verbinde sie Hunger, Kälte, schwere Arbeit, Ungeziefer, Tote, Schreien, Brüllen und Schlagen, erzählte de Vries. Sehr bewegt waren die Schüler auch von der engen Beziehung, die Erna de Vries zu ihrer Mutter gehabt hatte.

Zum Schluss bedankten sich Schulleiterin Maria Lau und Organisatorin Geers bei de Vries mit einem Blumenstrauß und einer Geldspende für ein soziales Projekt. „Sie haben unseren Schülern einen tiefen Einblick in Ihr grauenvolles Schicksal und das der Juden gegeben. Ihre authentischen Berichte als überlebende Zeitzeugin sind sehr wertvoll für die Jugendlichen“, sagte Lau und bedankte sich auch bei der ehemaligen Lehrerin Angela Eilermann für die Herstellung des Kontaktes zu de Vries.


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