80 Teilnehmer trotzen Dauerregen "Equal Pay Day": Klare Forderungen bei Protest in Sögel

Die Demonstrierenden machten ihre Meinung mit selbst gestalteten Schildern deutlich. Foto: Marina HellerDie Demonstrierenden machten ihre Meinung mit selbst gestalteten Schildern deutlich. Foto: Marina Heller 

Sögel. Unter dem Motto „Lass dich nicht abspeisen…“ haben 80 Männer und Frauen am Samstag während des Demonstrationszuges dem anhaltenden Dauerregen anlässlich des „Equal Pay Day“ getrotzt. Sie setzten ein Zeichen gegen die Lohnungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern.

Der „Equal Pay Day“ markiert symbolisch den Stichtag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer bereits seit Jahresbeginn für ihre Arbeit bezahlt wurden. Das Datum des diesjährigen „Equal Pay Day“ ist der 18. März. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit klingt doch eigentlich logisch, spiegelt aber nicht die Realität wider“, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Sögel, Annelene Abeln. In Deutschland betrage der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern immer noch 21 Prozent. Gründe dafür seien unter anderem die Beschäftigung von Frauen in oftmals geringer vergüteten Berufen und Branchen sowie die Beschäftigung in Teilzeit aufgrund von Kinderbetreuung oder Pflege in der häuslichen Umgebung. „Frauen sind unterrepräsentiert in höheren Positionen der Wirtschaft und in der Politik. 



Auf Knippers Kohlenhof machte der Demonstrationszug Halt und verlas dort die Forderungen. Foto: Marina Heller


Auch 100 Jahre, nachdem das Wahlrecht für Frauen hart erkämpft wurde“, ergänzte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Emsland, Marlies Kohne. Es gebe zwar Gesetze, die diese Ungleichheit bekämpfen sollen, doch Veränderungen könnten nicht allein über staatliche Regulierung erreicht werden. „Es geht auch um die Veränderung im Kopf!“, appellierte Kohne. Erst wenn es ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Benachteiligung von Frauen in fast allen Lebensbereichen gebe, könne sich auch etwas ändern. 


Aus dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung gehe außerdem hervor, dass Frauen täglich anderthalbmal so viel Zeit für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden wie Männer. „Gemeinsam mit steuerlichen Fehlanreizen führt das dazu, dass Frauen im Lebenslauf deutlich schlechter gestellt sind und die Gefahr von Armut im Alter droht. Wir fordern deshalb eine grundsätzliche Neubewertung und Aufwertung der sogenannten Frauenberufe“, so Kohne.  

Foto: Marina Heller


Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers (CDU) begrüßte die Demonstrierenden im Rathaus. „Auch in Sögel haben wir längst Frauen in politischer Verantwortung und darauf bin ich stolz“, sagte Wigbers. Die Kindertagesstätten der Samtgemeinde (SG) verzeichneten zudem im regionalen Vergleich einen außerordentlich hohen Anteil an männlichen Erziehern. „Die Samtgemeindeverwaltung entwickelt alle drei Jahre einen Gleichstellungsplan. Auch wir stellen fest, dass die Führungspositionen vielfach von Männern besetzt sind“, führte Wigbers weiter aus. Dennoch sei zu beobachten, dass Frauen sich erst gar nicht auf diese Stellen bewerben würden, obwohl sie in der SG gute Chancen auf Führungspositionen hätten.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Sögel, Annelene Abeln, stellte die Bedeutung des „Equal Pay Day“ anhand von Daten und Fakten vor. Foto: Marina Heller


„Starke Frauen braucht das Land!“, pflichtete die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann dem „Equal Pay Day“ bei. Zu den am schlechtesten bezahlten weiblichen Berufen in Deutschland zählen laut Connemann die Zimmermädchen mit einem Jahresverdienst von 20.640 Euro, Küchenhilfen (21.341 Euro) und Friseurinnen (22.816 Euro). „Ich möchte allen Frauen raten: Augen auf bei der Berufswahl! Nicht nur soziale Berufe sind schlecht bezahlt“, appellierte Connemann. Die Armut im Alter sei weiblich und genau dieser müsse entgegengewirkt werden. „Wir alle müssen Netzwerke unterstützen, die stark machen und besonders junge Frauen ermutigen“, forderte die Christdemokratin.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreis Emsland, Marlies Kohne, verlas die Forderungen zum „Equal Pay Day“. Foto: Marina Heller


Auch Bernd Busemann (CDU), Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages, unterstützte die Demonstration zum „Equal Pay Day“: „Die Beschäftigungssituation muss im Landkreis Emsland in gleichgestellte Verhältnisse gelenkt werden.“ Die Frauenbeschäftigungsquote sei genau wie in den übrigen Teilen Deutschlands schlechter als die der Männer.

Foto: Marina Heller


Nach den Grußworten hissten die Demonstrierende vor dem Rathaus eine Flagge mit dem Logo des „Equal Pay Day“ und starteten den Protestzug zu Knippers Kohlenhof und von dort zum Marktplatz. Unterwegs verteilten sie Flyer, rote Taschen und Luftballons. Auf der LED-Wall des Marktplatzes wurde ein Film vorgeführt, in dem Kinder mit der Problematik der Lohnungerechtigkeit konfrontiert werden und sich gemeinsam der Lösung des Problems annehmen. Anschließend fand im Jakobushaus ein Austausch statt.

Foto: Marina Heller


Organisiert hat den Protestmarsch ein Aktionsbündnis, zu dem sich die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, die emsländischen Vertreterinnen der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), die Landfrauenverbände des Emslandes, der Sozialverband Deutschland und der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Emsland-Bentheim zusammengeschlossen haben.


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