Arne Kulkmann über seinen Job Tennislehrer aus Sögel freut sich über neuen Boom

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Als hauptamtlicher Tennislehrer beim Tennisverein (TV) Rot-Gold Sögel tätig ist Arne Kulkmann. Der 31-Jährige übt den Sport seit seinem sechsten Lebensjahr aus. Foto: Daniel Gonzalez-TepperAls hauptamtlicher Tennislehrer beim Tennisverein (TV) Rot-Gold Sögel tätig ist Arne Kulkmann. Der 31-Jährige übt den Sport seit seinem sechsten Lebensjahr aus. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Sögel. Als Tennislehrer in Sögel ist Arne Kulkmann aktiv. Im Interview spricht der 31-Jährige über den neuen Tennisboom dank Angelique Kerber und Alexander Zwerev, seine Arbeit mit Kindern und Verletzungen.

Herr Kulkmann, dank Angelique Kerber und Alexander Zverev hat der Tennissport in Deutschland wieder Auftrieb bekommen. Wie wichtig sind deren Erfolge und die damit verbundene Medienpräsenz?

Das ist natürlich sehr wichtig. Boris Becker und Steffi Graf in den 1980er Jahren sind ja das beste Beispiel dafür. Aber die Präsenz des Sports in den Medien ist ja das eine, noch viel wichtiger ist das Engagement der Vereine vor Ort. Als ich aufgewachsen bin, gab es Fußball und Tennis, viel mehr Auswahl gab es eigentlich nicht. Heute können Kinder aus einer Vielzahl von Angeboten auswählen, Basketball, Volleyball, Tanzen, Turnen und so weiter. Für seinen Sport vor Ort zu werben, ist unerlässlich. Ich denke, der TV Rot-Gold Sögel und ich als hauptamtlicher und angestellter Trainer sind da auf einem guten Weg.

Wie viele Kinder und Erwachsene trainieren Sie denn aktuell?

Als ich vor etwa dreieinhalb Jahren angefangen habe, waren wir bei etwa 40 Kindern im Training. Inzwischen sind es knapp 80. Das freut mich natürlich. Wir haben viele Aktionen in Kindergärten und Grundschulen gemacht. Hinzu kommen etwa 30 Erwachsene, die ich trainiere, insgesamt also knapp 110 Personen. Kapazitäten wären aber noch vorhanden (lacht).

Wie sieht Ihr Tagesablauf als Tennistrainer aus?

Morgens treibe ich in der Regel selber Sport, gehe ins Fitnessstudio oder erledige Bürokram. Ab 14 Uhr finden die ersten Trainingsstunden statt, meistens mit Kindern. Abends folgen dann die Stunden mit den Erwachsenen, gegen 21 Uhr habe ich dann Feierabend. Im Sommer bin ich, inklusive der eigenen Spiele am Wochenende, oft sieben Tage in der Woche aktiv. Im Winter ist es etwas reduzierter.

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Arne Kulkmann Tennis. Als Trainer ist er seit mehr als zehn Jahren tätig, inzwischen in Vollzeit und angestellt beim Tennisverein in Sögel. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


In welchen Situationen nervt Ihr Job?

Anstrengend ist der Wechsel aus Bewegung und eher stehenden Tätigkeiten. Bei der Arbeit mit Kindern bewege ich mich selber ja eher weniger, sondern ich bin koordinierend tätig. Bei Trainingsstunden mit Erwachsenen bewege ich mich mehr, ich komme ins Schwitzen. An manchen Tagen kommt das im Wechsel vor, das kann dann nervend sein für mich. Anstrengend kann auch die Kommunikation über WhatsApp sein. Durch die vielen Trainingsgruppen haben sich auch zahlreiche WhatsApp-Gruppen gebildet, für die ich auch in meiner Freizeit erreichbar sein will. Aber trotzdem ist das ein wundervoller Beruf, vor allem im Sommer auf der Tennisanlage des TV Rot-Gold. Aber auch im Winter in der Halle hat der Beruf und der Sport seinen Reiz.

War es von Anfang an Ihr Plan, hauptamtlicher Tennislehrer zu werden?

Eigentlich nicht. Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr Tennis, zunächst parallel zum Fußball und ab dem 13. Lebensjahr ausschließlich. Ich habe dann in Vechta ein Studium Sport und Sozialwissenschaften begonnen und in der Zeit den Trainer C-Schein gemacht. Während des Studiums war es für mich ein Nebenjob, Tennisstunden zu geben. Kurz nach dem Studium kam dann der Tennisverein Rot-Gold Sögel auf mich zu. Der bisherige Trainer Thomas Grzenkowicz würde in Pension gegen und der Vorstand fragte mich, ob ich den Posten in Vollzeit übernehmen möchte. Ich freute mich über das Vertrauen, konnte mein Hobby zum Beruf machen. Ich bin in Sögel aufgewachsen, es hat also sehr gut gepasst. Ich bin sehr glücklich darüber.

In der Halle trägt Tennislehrer Arne Kulkmann Schuhe mit wenig Profil. Um auf Sand im Außenbereich zu spielen, ist mehr Profil sinnvoll, um mehr "Grip" zu haben. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Was sind die häufigsten Fehler, die Sie bei Spielern beobachten und beheben müssen?

Erwachsene Spieler stehen häufig falsch zum Ball und der Schlagwinkel stimmt nicht. Die Flugbahn des Balls ist dadurch zu tief und er landet im Netz. Die Beinarbeit, die richtige Schrittfolge und die Griffhaltung sind also das A und O. Kinder haben erstaunlicherweise oft ein Problem mit dem rückwärtslaufen, das versuche ich zu trainieren. Ansonsten findet vieles ja spielerisch statt, Bälle werden beispielsweise über ein tieferes mobiles Netz geworfen oder unter einer Latte hindurch gespielt.

Wie gehen Sie bei einem Anfänger im Erwachsenenalter vor? Gibt es eine feste Reihenfolge?

Nein. Ich schaue mir grundsätzliche Dinge zuerst an und entwickle dann einen Trainingsplan, nachdem Vorhand, Rückhand, Aufschläge, Serve and Volley, also das schnelle Spiel am Netz, trainiert werden. Beim Rückhandspiel empfehle ich übrigens das beidhändige Spiel, weil die Ballkontrolle dann besser ist.

Was muss ein Anfänger finanziell aufwenden, um den Sport auszuüben?

Bei Kindern ist es so, dass sie vier Wochen Schnuppertraining machen dürfen, bis eine Mitgliedschaft notwendig ist. Die kostet dann für Kinder vier Euro im Monat für den Verein und einen Trainingsbeitrag. Bei Schlägern oder auch Schuhen ist es häufig so, dass diese gebraucht über den Verein oder mich erworben werden können. Später braucht man einen Schläger und ein Paar Schuhe, das war es eigentlich. Im Winter kommen die Hallennutzungsgebühren noch hinzu. Tennis ist schon lange kein elitärer und teurer Sport mehr.

Wie viel Paar Schläger und Schuhe verschleißen Sie im Laufe des Jahres?

Weil ich fast täglich spiele, ist der Materialverschleiß natürlich hoch (lacht). Man sagt, so häufig, wie man in der Woche Tennis spielt, sollte man im Laufe einer Saison den Schläger neu bespannen lassen. Eine Art Tick von mir ist das Tape am Griff des Schlägers. Das wechsele ich manchmal mehrmals am Tag oder während eines Spiels, wenn es irgendwo minimal beschädigt oder verschmutzt ist. Dass Saiten reißen, kommt sehr regelmäßig vor, vor allem, wenn man viel Slice, also mit Rückwärtsdrall, und Topspin, also mit Vorwärtsdrall, spielt. 

Auf welchem Belag spielen sie am liebsten?

Eine besondere Vorliebe habe ich da nicht, jeder hat seinen Reiz. Lange Ballwechsel auf Asche bei Sommertemperaturen finde ich genauso gut wie schnelle Ballwechsel auf Teppich. Oder auch mal auf Gras zu spielen, hat seinen Reiz.

Ein gutes halbes Dutzend Schläger hat Tennislehrer Arne Kulkmann für die Trainingsstunden in seiner Tasche. Dass Saiten reißen, gehört zu seinem Job dazu. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


An welche außergewöhnliche Situation in Ihrem Job erinnern Sie sich zurück?

Ich habe einmal Tennisstunden auf Englisch geben müssen, als ich in den Semesterferien bei einer Tennisschule auf Langeoog gearbeitet habe. Da waren Franzosen, Spanier und Engländer zu Gast. Mir ist das nicht schwer gefallen, weil mein Englisch glaube ich ganz passabel ist. Ich war während der Schulzeit für ein Jahr als Austauschschüler in Las Vegas (USA) war.

Hatten Sie schon einmal eine schwere Verletzung?

Ja, das hatte ich. Einmal einen Bänderriss im Knöchel. Beim schnellen Spielen auf Teppich in der Halle bleibt es manchmal nicht aus, dass man mit dem Fuß umknickt. Außerdem hat mir mehrere Monate lang ein "Tennisarm" Probleme bereitet. Das ist eine typische Sehnenverletzung von Tennisspielern, die nur mit einer längeren Spielpause sich bessert. Ich habe eine Zeit lang mit Schmerzmitteln gespielt, aber mich dann doch für eine Pause entschieden.

Sie haben den Trainer C-Schein. Sind noch weitere Scheine geplant?

Ja. Ich habe mich für den B-Schein beworben. Im März wird es dazu eine Sichtung in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim. Um an dieser Fortbildung teilnehmen zu können, muss man nämlich seine theoretischen und praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Ich bin sehr gespannt darauf, ob das klappt.

Ein Vibrationsdämpfer im Schläger sorgt dafür, dass sich der Schläger nicht so stark bewegt und der Schlag damit für den Spieler schonender wird. Außerdem dämpft er den Ton, den der Schlag auf den Saiten auslöst. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper



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