Projekt der rumänisch-orthodoxen Gemeinde In Sögel wird eine Kirche aus Holz gebaut

Ein Modell der geplanten Holzkirche haben (von links) Günter Wigbers, Irmgard Welling, Adrian-Constantin Topliceanu, Gheorghita Olaru und Probst Marius-Gabriel Matei vorgestellt. Foto: Mirco MoormannEin Modell der geplanten Holzkirche haben (von links) Günter Wigbers, Irmgard Welling, Adrian-Constantin Topliceanu, Gheorghita Olaru und Probst Marius-Gabriel Matei vorgestellt. Foto: Mirco Moormann

Sögel. Die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde Sögel/Papenburg plant, eine neue Kirche in Sögel zu bauen. Das Bauwerk aus Holz ist das erste der Glaubensgemeinschaft in Niedersachsen – und erst das vierte in ganz Deutschland.

Wie das hiesige Kirchenoberhaupt, Probst Marius-Gabriel Matei, im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt, leben im Emsland 6000 Menschen aus Rumänien, die in den unterschiedlichsten Unternehmen wie dem Schlachthof Weidemark oder auf der Meyer Werft arbeiteten. 

Stetig wachsende Gemeinde

Seit zwei Jahren ist Matei für die Kirchengemeinde zuständig, und seitdem sind immer mehr Besucher zu den Gottesdiensten gekommen. "Anfangs waren es vielleicht 15, heute sind es im Schnitt schon bis zu 100", berichtet der Geistliche. Seine Kirchengemeinde, die in Sögel die katholischen St.-Jakobus-Kirche für die Gottesdienste nutzt, möchte allerdings gern ein eigenes Gotteshaus beziehen. Seinen ausdrücklichen Dank spricht Matei der Sögeler Kirchengemeinde für die Nutzung der Kirche aus.

Die Messen, die immer sonntags stattfinden, werden im Stehen abgehalten, deshalb haben die Kirchen auch eine andere Raumgestaltung als die der Katholiken. Vor dem Altar steht eine Wand, die mit Ikonen bemalt ist. "Links ist immer die heilige Maria und rechts ist Jesus zu sehen", erklärt Matei. Pro Jahr würden in der Gemeinde mehr als 50 Taufen vorgenommen, auch fänden an den Wochenenden viele Hochzeiten statt.

Die Kirche im bayerischen Traunreut haben (von links) Günter Wigbers und Irmgard Welling gemeinsam mit Probst Marius-Gabriel Matei (rechts) besucht. Im Hintergrund ist die Wand vor dem Altar mit den Ikonen zu sehen. Foto: Gemeinde Sögel

Entstehen soll ein Holzbau mit Platz für bis zu 200 Personen auf zwei Ebenen. Das Gebäude, das 26 Meter hoch, 20 Meter lang und zehn Meter breit werden soll, wird auf traditionelle Weise nur aus Holzverbindungen gebaut. Dabei wird es in Rumänien in sechs Monaten errichtet, wieder demontiert und in Sögel in weieren vier Monaten aufgestellt, wie Adrian-Constantin Topliceanu von der Kirchengemeinde erklärt. Aus diesem Grund wolle man "so schnell wie möglich" mit dem Bau beginnen, nachdem alle Genehmigungen – auch in Sachen Brandschutz – vorlägen.

Bis zu 400.000 Euro wird der Bau kosten, finanziert wird das Gotteshaus ausschließlich durch Spenden. Kirchensteuern gibt es in der rumänisch-orthodoxen Kirche nicht, auch die Geistlichen arbeiten ehrenamtlich. Matei ist als Probst zudem für elf Kirchegemeinden in Norddeutschland, von Lübeck bis Salzgitter zuständig. Insgesamt gibt es in Deutschland 99 Gemeinden der christlichen Glaubensrichtung.

So wie die Kirche in Traunreut soll auch das Gotteshaus in Sögel aussehen. Foto: Gemeinde Sögel

Unterstützung erhält die Kirchengemeinde von der Gemeinde Sögel. Wir Gemeindedirektor Günter Wigbers mitteilt, habe man sich bereits eine Kirche im bayerischen Traunreut angesehen und auch mit den dortigen Behörden Kontakt aufgenommen. "Schließlich ist das für uns auch Neuland", meint Wigbers. Gemeinsam werde man den Bauantrag und alle weiteren behördlichen Angelegenheiten klären, so der Verwaltungschef.

Gemeinde stellt Grundstück

Das neue Kirchengebäude, das auf einem etwa 3500 Quadratmeter großen Grundstück an der Sprakeler Straße und der Umgehungsstraße (Hümmlinger Ring) entstehen soll, wird laut Bürgermeisterin Irmgard Welling "ein Hingucker". In Traunreut kämen ganze Busse voll Menschen, die sich die Kirche ansehen möchten, ergänzt Wigbers. 

Das Grundstück wird, so ist es laut Wigbers auch politisch bereits einstimmig entschieden worden, für einen symbolischen Mietpreis an die Kirchengemeinde übergeben. Das Fundament und die Bodenplatte soll von hiesigen Unternehmen gefertigt werden, bevor die Fachleute aus Rumänien die Kirche dann errichten. "Wenn wir in diesem Jahr noch anfangen können, dann haben wir schon viel geschafft", meint Wigbers.

Heirat für Priester Pflicht

In vielen Punkten haben die rumänisch-orthodoxe und die katholische Kirche Gemeinsamkeiten, Weihnachten und Ostern werden groß gefeiert. Einen Unterschied bei den Priestern gibt es aber: Während es den katholischen Geistlichen untersagt ist zu heiraten, ist es für die Priester in der rumänisch-orthodoxen Kirche Pflicht. "Wir sollen als Vorbilder gelten, deshalb müssen wir heiraten, bevor wir den Beruf des Priesters antreten können", berichtet Matei, der mit seiner Familie in Lingen lebt. 


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