zuletzt aktualisiert vor

Keine Beute, hoher Schaden Geldautomaten-Sprengung in OLB-Filiale in Börger scheitert

Nach Angaben der Polizei machten die Täter bei der Sprengung des Geldautomaten der OLB in Börger keine Beute. Foto: Mirko MoormannNach Angaben der Polizei machten die Täter bei der Sprengung des Geldautomaten der OLB in Börger keine Beute. Foto: Mirko Moormann

Börger. Am frühen Montagmorgen gegen 3 Uhr haben bislang unbekannte Täter versucht, den Geldautomaten der Filiale der Oldenburgischen Landesbank (OLB) an der Waldstraße in Börger zu sprengen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei machten sie keine Beute. Es gibt allerdings Schäden am Gebäude, die Filiale bleibt vorerst geschlossen.

Das Mehrfamilienhaus, in dem sich zum Tatzeitpunkt nach Angaben eines Polizeisprechers fünf Personen befanden, ist derzeit unbewohnbar. Das Haus war umgehend mit Unterstützung der Feuerwehr geräumt worden, die fünf Bewohner der insgesamt drei Wohnungen mussten zunächst in Ausweichwohnungen untergebracht werden.

Der Tresor des Automaten hielt der Sprengung, die mit Sprengstoff vorgenommen wurde, stand. Foto: Mirko Moormann

Die Bewohner des Hauses waren gegen 3 Uhr durch einen lauten Knall aus dem Schlaf gerissen worden, sie informierten zeitgleich mit einem Sicherheitsunternehmen, das einen automatischen Alarm erhalten haben, die Polizei. Nach Angaben eines Polizeisprechers setzen die Täter, ähnlich wie zuletzt in Lathen, Sprengstoff ein, um den Tresor des Automaten zu knacken. Dass aller Voraussicht nach kein Gas eingesetzt wurde, deckt sich mit Erkenntnissen der Feuerwehr. Die war ebenfalls zur OLB-Filiale gerufen worden, um festzustellen, ob sich möglicherweise Gas im Gebäude verteilt hat. "Die Wehr hatte eine recht kurze Anfahrt: Der Einsatzort liegt in der Waldstraße genau gegenüber dem Feuerwehrhaus", berichtete ein Sprecher der Feuerwehren der Samtgemeinde Sögel. 

Die Feuerwehr musste das Mehrfamilienhaus, in dem sich fünf Bewohner befanden, erst räumen, bevor sie mit Atemschutz die OLB-Filiale betrat. Foto: SG Sögel/Feuerwehr

Kein Gas in der Luft festgestellt

Nachdem der Gebäudekomplex geräumt worden und die Waldstraße von der Feuerwehr gesperrt war, betrat ein Feuerwehrtrupp das Gebäude unter Atemschutz, um die Innenräume mit einem Gasspürgerät nach Resten von Gas zu untersuchen. "Die Messungen waren negativ, so dass das Gebäude anschließend von der Polizei betreten werden konnte", berichtet der Sprecher.

Nach Angaben der Polizei konnten die Täter nach jetzigem Ermittlungsstand keine Beute machen. Wie viele Täter beteiligt waren, konnte der Sprecher noch nicht sagen. Anwohner hatten lediglich beobachtet, wie ein dunkler und stark motorisierter Kastenwagen sich mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort in Richtung Surwold entfernte. Eine sofort eingeleitete Fahndung mit zahlreichen Streifenwagen blieb zunächst erfolglos. Sie flüchteten mit einem dunklen und stark motorisierten Kastenwagen in Richtung Surwold. 

Beute konnten die Täter bei der Sprengung des Geldautomaten in Börger nach ersten Erkenntnissen keine machen. Foto: SG Sögel/Feuerwehr

Wer Hinweise zu der Tat machen kann, meldet sich bei der Polizei in Papenburg unter 04961/9260.

Im Einsatz waren 25 Männer der Freiwilligen Feuerwehr Börger. Die Bewohner konnten am Montagnachmittag nach Abschluss der Spurensicherung durch Experten der Polizei wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.  Zur Höhe des Sachschadens konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Ebenfalls unbekannt sei bislang Art und Menge des verwendeten Sprengstoffs. Die Untersuchungen laufen, teilte die Polizei Emsland am Vormittag mit.

Eine Fahndung nach den Tätern blieb erfolglos. Foto: SG Sögel/Feuerwehr

Filiale bleibt vorerst geschlossen

Die Filiale bleibt vorerst geschlossen, teilte OLB-Sprecherin Britta Silchmüller auf Anfrage mit. Die Sprengung sei erfolglos gewesen, bestätigte sie ebenfalls. "Es gibt einen Sachschaden, die Höhe können wir noch nicht abschätzen. Zum Glück sind keine weiteren Personen involviert gewesen", so Silchmüller .

Die Bank bleibt zunächst geschlossen, bis die Spurensicherung durch die Polizei vor Ort abgeschlossen ist. Wie lange die Filiale geschlossen bleibt, konnte die Sprecherin noch nicht sagen und sagte zeitnahe Informationen für die Kunden zu. 

Auch in Lathen war OLB-Filiale betroffen

Auch beim bisher jüngsten Fall im Emsland am Freitag, 23. November 2018, in Lathen war eine Filiale der OLB betroffen. Die Vorgehensweise ähnelt sich, weil auch in der Emsgemeinde Sprengstoff verwendet wurde. Dort allerdings war ein dunkler Audi beobachtet worden, in dem mindestens zwei Insassen gesessen haben sollen. Wegen der Vorliebe für diese Automarke entstand auch der Name "Audi-Bande". Das Landeskriminalamt bestätigte im Nachgang dieses Falls, dass Sprengstoff anstatt Gas für die Sprengung verwendet wurde. Gleiches gilt für die Sprengung eines Automaten in der gleichen Nacht in Uelsen in der Grafschaft Bentheim.

(Weiterlesen: LKA bestätigt: "Panzerknacker" verwendeten Sprengstoff in Lathen)

Beim LKA ist bereits Ende 2015 eine Sonderkommission eingerichtet worden, um die Taten aufzuklären. Der Erfolg im Hinblick auf Sprengstoff ist indes überschaubar. Nach Erkenntnissen des LKA hat es in Niedersachsen bisher noch keine erfolgreiche Sprengung von Geldausgabeautomaten mit Sprengstoff gegeben. "In allen Fällen blieb es bei erheblichen Sachschäden an den Gebäuden, die Tresore der Geldautomaten hielten den Angriffen stand – wie auch bei dem aktuellen Versuch in Lathen", sagte der Sprecher des LKA, Matthias Eichler, im November unserer Redaktion. 

Foto: Mirko Moormann

Die Sprengkraft von Sprengstoff ist Eichler zufolge grundsätzlich nicht größer als die von Gas. "Hier kommt es immer auf die Menge und die Art des verwendeten Sprengstoffes an. Täter in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen haben verschiedene Sprengstoffe verwandt, zum Beispiel Selbstlaborate, Sprengstoffe aus Handgranaten oder auch sogenannte „Polenböller“", berichtet der LKA-Sprecher. Viele Banken haben Geldautomaten mit Gaswarngeräte ausgestattet, was der Grund sein dürfte, wieso die "Panzerknackerer" ihre Vorgehensweise geändert haben. Allerdings wurde auch die Sicherung der Geldtresore, die sich in den Automaten befinden, verschärft, sodass sie auch Sprengungen durch Sprengstoff standhalten.

Im Jahr 2018 haben die Kriminellen landesweit 51 Geldautomaten gesprengt. 2017 waren es nur halb so viele, genauer gesagt 23.

(Weiterlesen: Zahl der Sprengungen 2018 laut LKA in Niedersachsen verdoppelt)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN