Im Krieg eingeschmolzen Kirchturmglocken in Börger mit wechselvoller Geschichte

Von Hermann-Josef Döbber

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Eine wechselvolle Geschichte haben die Kirchturmglocken der St.-Jodocus-Kirche in Börger. Foto: Christian BellingEine wechselvolle Geschichte haben die Kirchturmglocken der St.-Jodocus-Kirche in Börger. Foto: Christian Belling

Börger. Die Frage nach dem Verbleib der ersten im Jahr 1643 angeschafften Kirchturmglocke der St.-Jodocus-Kirche in Börger bleibt unbeantwortet. Auch die weiteren Glocken haben wechselvolle Geschichten hinter sich.

„Es gibt im Pfarrarchiv keinen Hinweis auf diese Glocke“, erklärte Pfarrer Karl-Heinz Santel in der jüngsten Ausgabe der Jahresschrift „Use Borger.“ Der Seelsorger hatte seinen mit großem Interesse aufgenommenen Beitrag mit „Einige Gedanken zu den Glocken in der Kirche St. Jodocus Börger“ überschrieben. „Die erste Glocke hatte einen Durchmesser von 86 Zentimeter und stammte wohl schon aus der alten Friedhofskirche. Vielleicht wurde sie eingeschmolzen und das Metall für den Neuguss gebraucht.“

Rüstungsindustrie gingen Rohstoffe aus

Bereits im Ersten Weltkrieg musste die Gemeinde wie viele andere zwei der drei Glocken abliefern, hat der Pfarrer beim Blick ins Kirchenarchiv erfahren. Weil der deutschen Rüstungsindustrie die Rohstoffe ausgingen, wurden bundesweit Glocken aus den Kirchtürmen abgehängt, auf Sammelplätzen gelagert und viele eingeschmolzen. „Auch über den Verbleib dieser Börgeraner Glocken gibt es keine Unterlagen“, so Santel. 1921 ließ die Kirchengemeinde bei der Firma Otto in Hemelingen, heute ein Stadtteil von Bremen, als Ersatz zwei neue Glocken mit einem Durchmesser von 112 und 104 gießen.

Metalle aus Glockenschrott

Im Zweiten Weltkrieg habe die Gemeinde St. Jodocus im Jahr 1940 die Meldung machen müssen, welche Glocken sich im Kirchturm befinden. Zwei Jahre später ging im Pfarrhaus die Ablieferungsverfügung ein. Schon im März seien die beiden größeren Glocken mit dem Durchmesser 104 und 112 Zentimeter für Rüstungszwecke abgeholt worden.

Laut Santel hat es in den Jahren 1948/49 Kontakte wegen einer Ergänzung des Geläutes gegeben. Die Kirchengemeinde hat einen Hinweis auf die Möglichkeit bekommen, Metalle aus Glockenschrott in Hamburg zu erhalten. Im Frühjahr 1949 habe der Kirchenvorstand bei der Glockengießerei in Hemelingen die Anfertigung von drei neuen Glocken in Auftrag gegeben. Dabei habe es sich um ein komplettes dreistimmiges Geläut gehandelt“, so Pfarrer Santel in der Schrift. „Es wurde beim Bistum keine vorgeschriebene Genehmigung eingeholt“, schreibt der Seelsorger. „Dafür wurde die Gemeinde vom Generalvikariat abgemahnt.“


Die heutigen Glocken von St. Jodocus

Joseph – Domesticae – Vitae Decus – 1949 (Joseph – Ruhm des häuslichen (familiären) Lebens).

Michael – Terror – Daemonum – 1949 (Michael – Furcht (Panik) der Dämonen (des Dämonen – Teufel).

Maria – Regina – Pacis – 1949 (Maria – Königin des Friedens).

Rundum-Beschriftung: Glockengießerei Otto Hemelingen/Bremen.

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